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Rendsburg-Eckernförde : Gewalt gegen Polizisten wird brutaler

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Während die Angriffe abnehmen, steigt die Zahl der verletzten Beamten in Rendsburg-Eckernförde. Familienstreits sind nach den Erfahrungen der Polizei am schlimmsten.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2014 | 06:00 Uhr

Die Gewalt gegen Polizisten im Kreis Rendsburg-Eckernförde nimmt ab. Das zeigen zumindest die Zahlen der jüngsten Kriminalstatistik. Demnach sind die Fälle seit 2011 um ein Viertel zurückgegangen. Während die Zahl der Opfer aus Angriffen gegen Beamte ebenfalls rückläufig ist, steigt der Anteil der Verletzten jedoch. Das stützt die Einschätzung der Landespolizei, dass Gewalttäter brutaler werden. Der Dienstalltag im Kreis zeigt jedoch, dass besonders eskalierende Familienstreits die größte Gefahr bergen. Vor allem, wenn Alkohol im Spiel ist.

„Für den stetigen Rückgang in den vergangenen drei Jahren gibt es keine belastbare Erklärung“, sagt Jürgen Börner vom Landespolizeiamt im Innenministerium des Landes. Allgemein nehme die Gewalt gegen Polizeibeamte zu und sei bundesweit bis 2013 gestiegen. Auch Torsten Jäger, Vorsitzender der Regionalgruppe Mitte in der Gewerkschaft der Polizei, kann sich den „Trend nicht schlüssig erklären“. Sowohl Börner als auch Jäger wollen sich mit einer Bewertung zurückhalten.

Während 2011 noch 101 Fälle von Gewalt gegen Polizeibeamte gemeldet wurden, waren es 2012 nur noch 86. 2013 ist die Zahl weiter auf 76 gesunken. Auch die Zahl der Opfer wurde über diesen Zeitraum kleiner: Während im Jahr 2011 noch 199 Beamte betroffen waren, sank die Zahl auf 180 (2012) und schließlich auf 157 im Jahr 2013. Unter den Opfern gibt es seitdem jedoch eine zunehmende Zahl Verletzter: Von 22 im Jahr 2011 stieg sie zunächst auf 25 (2012). Im vergangenen Jahr wurden sogar 29 Polizisten im Dienst verletzt.

Das Spektrum der Verletzungen in Folge „immer öfter brutal“ verübter Gewalt reiche laut Jürgen Börner von Schürfwunden, Prellungen und Verstauchungen bis zu Knochenbrüchen und Traumata. Torsten Jäger wird deutlicher: In den vergangenen sechs Wochen wurde einem Beamten im Kreis das Nasenbein gebrochen, Tatbestand: Widerstand auf offener Straße unter Alkohol. Ein weiterer Polizist erlitt einen Wirbelkörperanbruch, ein anderer brach sich im Einsatz das Handgelenk. In beiden Fällen waren die Beamten zu Familienstreitigkeiten gerufen worden. „Das sind hochgefährliche Situationen im Dienstalltag“, sagt Torsten Jäger. Die Hemmschwelle zur Gewalt sinke, wenn Alkohol im Spiel sei. Dann drehe sich die Aggression häufig gegen die herbeigerufenen Beamten.

Besonders belastend sei es für die Polizisten, wenn Täter ansteckend krank seien, etwa Hepatitis- oder Aidspatienten. Der Leiter des Polizeireviers Rendsburg, Andreas Tix, berichtet etwa von einem Kollegen, der im Einsatz von einer Frau in die Hand gebissen wurde. „Dann ist weniger der Körper als die Seele betroffen“, sagt er. Wenn klar sei, dass ein Polizist in Kontakt mit dem Blut eines Kranken gekommen sei, werde so schnell wie möglich eine chemische Behandlung eingeleitet, ähnlich einer schnellen Chemotherapie.

„Die Akzeptanz vor dem Menschen als Polizeibeamten ist oft nicht vorhanden“, sagt Torsten Jäger. Er vermutet, dass es mehr Fälle von Gewalt gibt, als die Zahlen zeigen. „Viele Kollegen melden die Vorfälle nicht, weil sie es für normal halten, dass es Auseinandersetzungen im Dienst gibt.“

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