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Landeszeitung

23. Oktober 2017 | 00:31 Uhr

Geteiltes Echo auf Asylheim-Pläne

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

300 Gäste bei Informationsveranstaltung über geplante Erstaufnahmeeinrichtung im Gewerbegebiet von Bredenbek, Bovenau und Felde

shz.de von
erstellt am 10.Dez.2015 | 00:32 Uhr

Das Interkommunale Gewerbegebiet der Gemeinden Bredenbek, Bovenau und Felde wird vom Land Schleswig-Holstein als möglicher Standort für eine Flüchtlingsunterkunft geprüft. Bis zu 1500 Menschen könnten dort in Containern untergebracht werden. Wie sehr das Thema die Einwohner der Dörfer bewegt, zeigte die Informationsveranstaltung am Dienstag in Bredenbek. Der Saal im „Gasthof Krey“ war mit mehr als 300 Zuhörern überfüllt. Viele Gäste mussten draußen warten.

Der Bredenbeker Bürgermeister Bartelt Brouer berichtete, dass ihm das Innenministerium im November mitgeteilt habe, dass das Gewerbegebiet als Sondierungsfläche für eine Erstaufnahmeeinrichtung überprüft werde. In der vergangenen Woche habe es Gespräche bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises Rendsburg-Eckernförde (WFG), der Eigentümerin des Grundstücks, gegeben. „Jetzt informieren wir die Bürger über den derzeitigen Stand. Wir wollen Transparenz“, machte Brouer deutlich.

Dazu trug vor allem Joachim Gutt, stellvertretender Landespolizeidirektor, bei. Er ist vom Innenministerium mit der menschenwürdigen und sicheren Unterbringung von Flüchtlingen beauftragt. Eine Entscheidung darüber, ob im Gewerbegebiet eine Flüchtlingsunterkunft gebaut werden soll, könnte im Januar oder Februar fallen, stellte Gutt fest. Die weiteren Vorbereitungen würden dann zwei bis drei Monate in Anspruch nehmen. Im Mai könnten dann die ersten Flüchtlinge eintreffen. Der Standort in der Nähe der Autobahnzufahrt liegt nur wenige hundert Meter vom Bahnhaltepunkt entfernt und ist deshalb schnell vom Erstaufnahmelager in Neumünster erreichbar. Er sei gut geeignet, so Gutt. Flüchtlinge, die hier untergebracht würden, seien registriert und untersucht, betonte der Polizist. Bredenbek könnte Dauereinrichtung werden oder als Reservefläche vorgehalten werden, um schnell handeln zu können, falls eine andere Einrichtung kurzfristig geschlossen werde.

Sofern im Gewerbegebiet eine Flüchtlingsunterkunft eingerichtet werde, soll es dort auch eine Polizeistation geben. „Bei 1000 Flüchtlingen mindestens fünf Polizisten – versprochen“, machte Gutt deutlich. Er wies zudem darauf hin, dass das Land zunehmend länger laufende Verträge für die Standorte von Unterkünften schließe. „Fünf Jahre, lieber noch zehn Jahre.“

Sollten die Pläne verwirklicht werden, würde die Unterkunft offiziell zu Bredenbek gehören und sich die Einwohnerzahl der Gemeinde damit verdoppeln. „1500 Einwohner –1500 Flüchtlinge, das ist zu viel für unser Dorf“, kritisierten mehrere Einwohner die Planungen. Eine Einwohnerin äußerte ihre Befürchtung, „dass Abschiebeflüchtlinge marodierend durch das Dorf ziehen könnten“. Aber es gab auch Stimmen, die sich für die Aufnahme von Flüchtlingen aussprachen. Viel Applaus gab es für einen Bovenauer Bürger, der von einer „humanitären Verpflichtung zur Hilfe“ sprach. Der WFG-Geschäftsführer Pascal Ledune sagte auf Nachfrage der Landeszeitung, dass die WFG ein Interesse an der Nutzung der freien Fläche habe. Allerdings müssten bei einer nichtgewerblichen Nutzung aufgrund des interkommunalen Vertrages die drei beteiligten Gemeinden dem Vorhaben zustimmen. Unklar sei auch noch, ob erhaltene Fördermittel zurück gezahlt werden müssten, wenn die Fläche langfristig als Flüchtlingsunterkunft genutzt werde.

Der Bovenauer Bürgermeister Jürgen Liebsch macht geltend, dass die Gemeinden für das Gewerbegebiet bereits viel Geld investiert haben. Dafür müsse das Land einen Ausgleich zahlen, wenn die Flüchtlingsunterkunft dort errichtet werde. Jürgen Harders, Beauftragter der Gemeinde Felde, berichtete, dass in seinem Dorf das Thema „Flüchtlinge im Gewerbegebiet“ kaum diskutiert werde. „Dazu ist Felde zu weit weg.“

Nach zwei Stunden beendete Bartelt Brouer die Informationsveranstaltung. Wie er erwartet habe, seien die Ängste vor Krankheiten und Kriminalität lauter geäußert worden als die Aufrufe zur Humanität, fasste der Bürgermeister von Bredenbek die Stimmung unter den Einwohnern zusammen.

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