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SHMf-Orchesterakademie : Gesine Beck: Mit musikalischem Auftrag um die ganze Welt

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Sie ist Musikerin – aber auch Managerin. Die Fagottistin Gesine Beck leitet die Orchesterakademie. Deren Mitglieder waren im Nordkolleg untergebracht. Im Winter reist Gesine Beck zu neuen Probespielen um die ganze Welt.

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erstellt am 18.Aug.2014 | 19:53 Uhr

In den nächsten Tagen heißt es Koffer packen. Darin hat Gesine Beck Übung. Die Leiterin der Orchesterakademie ist viel unterwegs – und gerne. Eine gute Voraussetzung für ihren Job, schließlich reist sie um die ganze Welt, um jungen Musiker für das Festival-Orchester vorspielen zu lassen. Doch jetzt hat sie erst einmal ihr Fagott ausgepackt. Nach Wochen der Organisation, Verwaltung und Betreuung „freue ich mich, zum Instrument zu greifen.“ Gemeinsam mit anderen Dozenten gehört sie zum Kammerorchester, das bei der Probe des Dirigentenkurses am Mittwoch zu hören sein wird.

Für mehr als zwei Monate war das Nordkolleg für Gesine Beck und junge Musiker aus aller Welt ein zu Hause. „Es ist ein toller Ort zum Arbeiten“, lobt sie Atmosphäre und Einrichtung. Das wusste sie bereits, als sie im Herbst vergangenen Jahres die Leitung der Festival-Akademie übernahm. „Ich habe selber schon hier gespielt.“ Das war vor 14 Jahren.

Gesine Beck ist Fagottistin, hat nach ihrer Ausbildung mit etlichen Ensembles musiziert und war zuletzt freischaffend im Rhein-Main-Gebiet unterwegs. Ein Berufswahl, die nicht verwundert – ist ihr Vater der Rolf Beck, der SHMF-Intendant der vergangenen Jahre. Und hatte er die Chorakademie geleitet, steht seine Tochter nun der Orchesterakademie vor. Eine Aufgabe, von der sie sagt: „Es ist genau das, was ich möchte“ – eine Schnittstelle sein zwischen der Verwaltung und den Musikern.

Nach ihrer Erfahrung werden Entscheidungen viel zu selten begründet, fehlt die Transparenz. „Das müsste man besser machen“, hatte sie sich vor einigen Jahren gesagt und begonnen, Kulturmanagement zu studieren. Das Studium ist noch nicht beendet, aber sie kann schon praktische Erfahrungen sammeln. „Wenn man beide Seiten kennt, hilft das.“ Die Rückmeldungen der jungen Musiker beweisen, dass ihr Engagement Erfolg hat. „Manchmal habe ich schon das Gefühl, die Mutti vom Ganzen zu sein“, sagt Gesinne Beck, die in diesem Jahr ihren 40. Geburtstag feiert und lächelt. Wenn sie erklären muss, wann der Bus fährt. Oder durch die Räume geht, und die Fenster schließt, weil ein Gewitter angekündigt ist. Sie kümmert sich gerne, strahlt Ruhe aus, grüßt beim Gang über das Nordkolleg-Gelände fröhlich und wirft in der Cafeteria eigenhändig die Kaffeemaschine an.

Das ist die eine Seite. Die andere ist ein professionelle Musikerin und Managerin. „Wir sind ein kleiner Betrieb im Betrieb“, sagt sie von der Orchesterakademie, „aber nur im Sommer sichtbar“. Was aber nicht bedeutet, das Gesine Beck während der übrigen Monate Däumchen dreht. Das Programm muss erstellt, die Noten organisiert werden. Dirigenten und Dozenten für die Sommerwochen werden ausgewählt. Und dann ist da noch das weltweite Casting der Musiker. Die Musik-Managerin hat die meisten der 115 jungen Akademie-Musiker beim Vorspielen kennen gelernt. „Die Streicher, die jetzt hier waren, alle ich alle im Vorwege gehört.“

Unter ihrer Leitung wurden die Akademie-Teilnehmer erstmals weltweit vor Ort gecastet – von ihr und den anderen Dozenten. „Es ist eine andere Qualität, als wenn man sich Aufnahmen schicken lässt“, erklärt sie. Bei den Probespielen schreibt sie auf, wie die Musiker wirken, „was zwischen den Zeilen schwebt“.

Besonders aufgefallen sind ihr die Unterschiede zwischen Nord- und Südamerika. Die Südamerikaner haben „eine ganz ursprüngliche Empfindung für die Musik“. Sie zu hören, vermittelte ihr sehr berührende Erlebnisse. Die US-Musiker dagegen seien „unheimlich professionell und technisch ausgereifter“. Für sie sei die Konkurrenz auch größer. Aber aus den unterschiedlichen Nationalitäten wurde im Nordkolleg und während der Proben in der ACO Thormannhalle eine Einheit. „Der Zusammenhalt hat mich beeindruckt“, sagt Gesine Beck. „Da war kein Konkurrenzdenken zu bemerken.“

Am 12. Dezember wird die Leiterin der Orchesterakademie wieder nach Südamerika fliegen, die Musiker für 2015 auswählen. Bis Februar wird sie auf Reisen sein. Zuvor werden sie und ihr zehnköpfiges Akademie-Team einpacken: Noten, Notenständer, Stühle, das Material des Empfangsbüros – alles wird in Lübeck eingelagert, bezieht die Kulturmanagerin wieder ihr Büro in der Lübecker SHMF-Zentrale. Bis sie im nächsten Sommer die Koffer packt, um erneut ins Nordkolleg zu ziehen.

Probenkonzert:

Am Mittwoch, 20. August,

10 bis 11.30 Uhr, findet am

Nordkolleg eine öffentliche Probe im Rahmen des Orchesterleitungskurses statt. Der Eintritt ist frei.



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