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Jevenstedt : Geschichten vom Alltags-Wahnsinn

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Gegen den Frust und die Trauer – Uwe Reuter aus Nienkattbek hat ein Buch mit Kurz-Geschichten veröffentlicht.

von
erstellt am 23.Nov.2015 | 18:30 Uhr

Uwe Reuter ist ein lebensfroher Mensch. Aber manchmal, da ärgert er sich gewaltig. Wie über die schleppende Sanierung des Rendsburger Kanaltunnels. Und was macht er dann? Uwe Reuter schreibt beziehungsweise diktiert. „Kurzgeschichten für kreative Köpfe“ hat er seine Texte genannt und die unterschiedlich langen Stücke zu verschiedenen Themen jetzt in einem Buch veröffentlicht.

„Die Geschichten sind alle in den vergangenen zwei Jahren entstanden und haben alle eine wahren Hintergrund“, betont Reuter. Als Begleiter von Schwertransporten ist der Unternehmer aus dem Jevenstedter Ortsteil Nienkattbek europaweit unterwegs. „Wadenbeißer“, so nennt man die Begleitfahrzeug mit den Blitzlichtern, erläutert er in einem Text und erklärt seine Aufgabe ironisch mit „Autofahrern den schnellen Weg versperren“.

Erst als der Speicher seines Diktiergerätes voll war, hat Uwe Reuter die Texte aufgeschrieben, denn in erster Linie dienten sie ja als Blitzableiter – über den Frust der Hertie-Ruine oder die Erlebnisse am französischen FKK-Strand. „Zum Geldverdienen habe ich es nicht gemacht, auch nicht, um mein Ego zu befriedigen“, stellt er klar. Dass er die Geschichten veröffentlicht hat, ist eine Art Trauertherapie. Im vergangenen Herbst starb Uwe Reuters Frau nach über 30 Jahren Ehe an Brustkrebs. „Milch & Musik“ ist als Hardcover im Herbert Utz Verlag entstanden (17,80 Euro). „Wenn, dann wollte ich ein richtiges Buch“, sagt der 59-Jährige, der sich im Zusammenhang mit seinen Geschichten als Satirejournalist bezeichnet. „Irgendwie musste ich mich ja nennen.“ Er grinst verschmitzt. „Und ich hoffe, dass ich so mehr Freiraum habe“. Der Buchtitel ergibt sich aus Reuters Vergangenheit. Milch steht für die Landwirtschaft, zu der er sich hingezogen fühlt. Aber er war auch im Musikgeschäft tätig. „Ich mag beides“, erklärt Reuter. Was er nicht mag, sind lange Wartezeiten am Kanaltunnel. „Da könnte ich ins Lenkrad beißen“, sagt er. Er tat es nicht und diktierte statt dessen eine Geschichte.

„Hatte Langeweile, musste auf meine Frau Birgit warten“, lautet die Erklärung für Text Nummer 9 mit der Überschrift „Nienkattbek“. Reuter saß bei Möbel Kraft, sinnierte über den Namen seines Heimatortes und fand als Erklärung, dass es aus dem Plattdeutschen übersetzt wohl „Neuer Katzenbach“ heißt und hat auch für Bad Segeberg eine sehr schlüssig klingende Erklärung parat. Aber Achtung: Reuter zieht vieles ins Komische oder gibt ihm eine augenzwinkernde Wendung. Da ist es egal, ob’s ums Staubwischen geht oder gut situierte Pensionäre.

„Das Leben ist schön, man sollte seine Zeit nicht verplempern“, lautet das Credo von Uwe Reuter. Darum hat er Ziele: „Plane mit meinen französischen und holländischen Freunden den Bau einer eigenen, illegalen Tunnelröhre. Fertigstellung: 14 Tage nach Planung!“

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