Geschenk der Kaiserin zur Feier der neuen Kirche

125 Jahre alt: Diese Bibel wurde von Kaiserin Auguste Viktoria gestiftet.
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125 Jahre alt: Diese Bibel wurde von Kaiserin Auguste Viktoria gestiftet.

Vor 125 Jahren wurde das Gotteshaus in Aukrug-Innien geweiht / Ab morgen siebentägiges Jubiläumsfest

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07. Juni 2018, 10:31 Uhr

Mit einer Jubiläumsfestwoche wird vom 16. bis 24. Juni das 125-jährige Bestehen der Kirche in Aukrug-Innien gefeiert. Höhepunkt des Jubiläumsprogramms ist ein großes Gemeindefest am 23. Juni, bei dem sich Aukruger Musikgruppen und Vereine präsentieren wollen.

Am 17. Dezember 1893 wurde die Kirche in Innien feierlich eingeweiht – nach einem halben Jahr Bauzeit. Architekt der Kirche war der Hamburger Hugo Groothoff, der Gotteshäuser in seiner Heimatstadt sowie in Brokstedt, Pinneberg und Hennstedt entworfen hatte. Zur Einweihung gab es eine Stiftungs-Bibel mit einer Widmung von Kaiserin Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg. Diese Bibel ist auch 125 Jahre später noch in tadellosem Zustand.

Für eine eigene Kirche und die damit verbundene Lossagung von der Kirchengemeinde Nortorf hatten die Aukruger lange gekämpft. „Die Geschichte unserer Gemeinde zeigt, dass der Kirchenbau nicht ‚von oben‘ verordnet worden war, sondern in einem langen Marsch durch viele Instanzen ‚von unten‘ endlich am 17. Dezember 1893 ans Ziel kam“, schreibt Ex-Pastor Klaus Bröker in „Die Geschichte Aukrugs“ (1995). Richtig unabhängig von Nortorf wurde die neue Kirchengemeinde Innien erst am 1. April 1902.

Die von Hugo Groothoff entworfene Kirche hatte nur einen Dachreiter. Der imposante Kirchturm wurde erst von 1922 bis 1923 angebaut und war das Werk des kaiserlichen Baurats Jürgen Kröger. Der gebürtige Haaler hatte eigentlich einen geruhsamen Lebensabend in Aukrug verleben wollen. Weil er in der Inflationszeit sein Vermögen verlor, war er aber gezwungen, wieder zu arbeiten. Die Inflation hatte auch Einfluss auf die Kirchturmbau-Kalkulation. „Die Baukosten waren mit 100 000 Reichsmark veranschlagt worden, aber ein Jahr später kostete allein der Rechnungsbogen schon 600 000 Mark“, erzählt Claus Johann Harms vom Jubiläums-Chronik-Arbeitskreis. 1923 fand sich nach einem Gottesdienst die schwindelerregende Summe von 45 Millionen Reichsmark im Klingelbeutel. „Dazu muss man wissen, dass zu der Zeit eine Briefmarke schon zehn Millionen Euro kostete“, bemerkt Harms, der als Experte für Deutsche Schrift die jährlichen Rechenschaftsberichte der ersten Aukruger Pastoren Johannes Heinrich Lehfeldt (Amtszeit: 1893 bis 1898), Jürgen Christian Heinz Roos (1898 bis 1914), Johannes Karl Arthur Loth (1914 bis 1915) und Johannes Trammsen (1915 bis 1943) für alle lesbar gemacht hat. „Unsere Kirchenhistorie ist eine ganz spannende Geschichte“, meint Pastorin Christina Leykum, die vor sieben Jahren die Nachfolge von Klaus Bröker (Amtszeit: 1976 bis 2011) antrat. 1993 gab es eine große 100-Jahr-Feier – und jetzt steht die 125-Jahr-Feier vor der Tür.

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