Unternehmensberater aus Rendsburg : Geschäftsführer zweigt Gelder für sich selbst ab – Geldstrafe

Ein moderner Melkroboter nimmt Landwirten viel Arbeit ab, ist aber teuer.
Der 48-Jährige hat sich der Unterschlagung schuldig gemacht.

Er verkaufte geleaste Melkroboter widerrechtlich. Das Amtsgericht verurteilte den Angeklagten zu 2250 Euro Geldstrafe.

shz.de von
13. Juli 2018, 07:14 Uhr

Rendsburg | Ein Unternehmensberater mit Büro in Rendsburg ist am Donnerstag vor dem Amtsgericht zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen je 25 Euro verurteilt worden. Das Urteil: Unterschlagung in zwei Fällen.

Der 48-Jährige hatte vor zwei Jahren ein Ehepaar aus dem Landkreis Cuxhaven (Niedersachsen) beraten, die einen Milchviehbetrieb als Gesellschaft bürgerlichen Rechts führten. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Landwirte bereits offene Rechnungen. Nachdem das Ehepaar dem Verurteilten eine Generalvollmacht erteilt hatte, nahm die Betrugsmasche ihren Lauf: Am 8. August 2016 verkaufte der Unternehmensberater 92 Kühe und 69 Rinder für insgesamt 51.000 Euro. Sechs Wochen später veräußerte er zwei Melkroboter mit Zubehör und der vollständigen Anlagentechnik für 75.000 Euro. Das Haus des Ehepaares wurde im Oktober verkauft.

Der Haken: Die Melkroboter waren geleast. Sowohl der Unternehmensberater als auch das Ehepaar wussten darüber Bescheid. Trotz dieses Wissens wechselten die Geräte ihre Besitzer. 17.000 Euro flossen unter anderem an die Landwirte und an weitere Gläubiger des Ehepaares, nicht aber an die Bank, die eigentliche Eigentümerin der Roboter. Der Verurteilte gab zu, einen Teil als Honorar für seine Beraterleistungen einbehalten zu haben. Die verkauften Kühe und Rinder gehörten ebenfalls einem Kreditinstitut. Das Eigentum daran hatten die Landwirte im Zuge einer sogenannten Sicherungsübereignung übertragen. Auch hier handelt es sich laut Urteil um Unterschlagung. „Sie sind ein erfahrener Geschäftsmann. Jeder Student im zweiten Semester Jura weiß, wie Sicherungsübereignungen funktionieren“, so die Richterin zum Verurteilten.

Als einzige Zeugin machte Brigitte B. am Donnerstag eine Aussage. Sowohl beim Verkauf der Melkroboter als auch des Viehbestands auf ihrem Hof ist sie dabei gewesen. Dass mit den Erlösen offene Rechnungen bezahlt wurden und nicht die Bank, wusste sie. „Was habe ich jetzt falsch gemacht?“, fragte sie die Richterin. „Das ist Unterschlagung“, war die Antwort. Trotzdem sei die Zeugin davon ausgegangen, dass die Bank einen großen Teil ihres Geldes wiederbekommt.

„Blauäugigkeit“ und „Selbstherrlichkeit“ warf die Richterin dem Verurteilten vor: Besonders vor dem Hintergrund, dass dem 48-Jährigen in einem zurückliegenden Verfahren weitere Tätigkeiten als Geschäftsführer verboten wurden. „Das ist schon extrem dreist.“

Eine Strafmilderung gab es letztlich nur, weil die Banken mittlerweile ihr Geld bekommen haben und der Fall schon zwei Jahre zurückliegt. „Ich hoffe, dass sie den Ernst der Lage erkennen“, waren die abschließenden Worte der Richterin. Sie sah noch einmal von einer Freiheitsstrafe auf Bewährung ab.

Gegen die Zeugin Brigitte B. soll ein weiteres Ermittlungsverfahren eingeleitet werden.

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