Gesamtziel: Ein Alltag ohne Essstörungen

Fühlt sich als Moderatorin:  Sozialpädagogin Anja Storm.  Foto: osm
Fühlt sich als Moderatorin: Sozialpädagogin Anja Storm. Foto: osm

Essstörungen beeinflussen die Betroffenen im täglichen Leben. Neben einer Therapie bieten Selbsthilfegruppen Halt und Unterstützung.

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19. Mai 2009, 09:45 Uhr

Rendsburg | Anja Storm leitet eine Rendsburger Selbsthilfegruppe für Menschen mit Essstörungen. Die 34-jährige Diplom-Sozialpädagogin organisiert die Treffen in den Räumen der Beratungsstelle in der Prinzenstraße 9. Die Jugendredaktion sprach mit ihr über Ziele, Hintergründe und Art ihrer Arbeit.

Aus welcher Motivation heraus leiten Sie die Selbsthilfegruppe?

Ich habe im persönlichen Umfeld eigene Erfahrungen mit dem Thema Essstörungen gemacht und mich deshalb damit auseinandergesetzt. Als Suchtpräventionskraft hatte ich dann auch beruflich mit dem Thema zu tun. Ich meldete mich, als dann im Sommer 2008 das Diakonische Werk der Kirchenkreise Rendsburg und Eckernförde eine neue Anleiterin für die Selbsthilfegruppe suchte.

Welche Arten von Essstörungen sind in der Gruppe vertreten?

Zurzeit sind die Formen Anorexia nervosa, Bulimie, Adipositas und Binge Eating in der Gruppe vertreten. Elf Mädchen und junge Frauen nehmen an der bunten Gruppe teil.

Wie ist ein Treffen aufgebaut?

Aufgemacht wird die Sitzung mit einer Einstiegsrunde, in der die Teilnehmerinnen von ihrem Alltag erzählen und was sie momentan besonders beschäftigt. Außerdem werden Anliegen gesammelt, die den weiteren Verlauf der Sitzung gestalten. Konkrete Themen gebe ich nicht vor. Die Gruppe selbst setzt den Schwerpunkt des Treffens. Meine Aufgabe ist die Moderation und die Unterstützung der Selbstreflektion durch kleine Übungen und Aufgaben. Das Treffen wird immer mit einer Abschlussrunde beendet.

Welche Zielsetzungen verfolgt die Selbsthilfegruppe?

Hauptaugenmerk liegt auf dem Erfahrungsaustausch. Gleichgesinnte sind eher in der Lage, sich in den anderen hineinzuversetzen und bringen das notwendige Verständnis auf. Gemeinsam besprechen und erarbeiten wir alternative Verhaltensweisen. Ich als Anleiterin achte darauf, dass wir dabei lösungsorientiert vorgehen. Gesamtziel ist es, den Alltag nicht mehr von der Essstörung beherrschen zu lassen. Dabei ist die Selbsthilfegruppe jedoch nur ein Teil des gesamten Behandlungsprozesses. Ein weiterer wichtiger Teil ist die therapeutische Behandlung, die ambulant oder stationär erfolgen kann. Auch hierüber wird in der Gruppe viel gesprochen.

Warum kommen Betroffene zu Ihnen? Was gibt ihnen die Selbsthilfegruppe?

Für einige Betroffene bedeutet die Selbsthilfegruppe den ersten Schritt in Richtung Einsicht - begleitet von dem Wunsch nach Besserung. Andere haben bereits eine Krankheitseinsicht und suchen nach Gleichgesinnten. Dabei stellen wir immer wieder fest, dass es nicht auf die Art der Essstörung ankommt, um den anderen verstehen zu können. Viele in der Gruppe waren bereits in einer stationären Behandlung und nutzen die Gruppe zur Nachbetreuung, um durch Reflektion das in der Therapie Gelernte in den Alltag integrieren zu können. Die Selbsthilfegruppe bietet den Betroffenen Halt, Unterstützung und Vertrauen.

Was erfreut Sie am meisten als Leiterin der Selbsthilfegruppe?

Besonders schön empfinde ich die Gruppendynamik. Alle Teilnehmerinnen sind sehr offen und bringen ein großes Maß an Vertrauen mit. Sie melden mir zurück, dass sie sich wohl und geborgen in der Gruppe fühlen und sich jede Woche auf das nächste Treffen freuen. Alle fühlen sich zugehörig und möchten wissen, ob es den anderen gut geht.

Die Selbsthilfegruppe trifft sich jeden Freitag in der Prinzenstraße 9 von 16.30 bis 18 Uhr, 04331/6 96 30.
Essstörungen
Grundsätzlich versteht man unter einer Essstörung eine Verhaltensstörung hinsichtlich der Nahrungsaufnahme. Die Betroffenen beschäftigen sich permanent sowohl gedanklich als auch emotional mit dem Thema Essen. Unterschieden wird zwischen Anorexia nervosa (Magersucht), Bulimia nervosa (Ess-Brech-Sucht), Adipositas (Fettleibigkeit, Fettsucht) und Binge Eating (periodischen Heißhungeranfällen). Betroffen sind besonders Mädchen und junge Frauen. Hinter der jeweiligen Symptomatik und eventuellen Gewichtsverlust oder -zunahme verbirgt sich häufig ein seelischer Konflikt. Meist ist ein Zusammenspiel vieler Faktoren verantwortlich für das Auslösen einer Essstörung. So können soziokulturelle, familiäre Gründe, unbewusste seelische Konflikte, aber auch ein Ereignis wie der Tod einer nahe stehenden Person, Trennung und schwere Krankheiten die Entstehung einer Essstörung bedingen.

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