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Landeszeitung

17. August 2017 | 15:50 Uhr

Gemeinschaftshaus spaltet ein Dorf

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Bürgermeister stellt sich bei Einwohnerversammlung den Fragen der Bevölkerung / Neubau soll Chance für die Belebung Old sein

Es sollte eine sachliche, auf das Thema bezogene Diskussion werden, wünschte sich Eggert Rohwer. Der Bürgermeister von Oldenhütten hatte am Dienstagabend zu einer Einwohnerversammlung eingeladen, um in diesem Rahmen über den Sachstand des geplanten Dorfgemeinschaftshauses zu informieren sowie Fragen der Einwohner zu beantworten.

Ein neuer Feuerwehrbau sei schon etwa seit der Jahrtausendwende ein Thema in der Gemeinde, berichtete Rohwer. Im vergangenen Jahr habe man dann einen Antrag zur finanziellen Förderung bei der Aktiv-Region Mittelholstein gestellt, der im November von deren Vorstand bewilligt wurde. Voraussetzung für die Finanzspritze allerdings: Es muss ein Dorfgemeinschaftshaus angegliedert werden, damit nicht nur die Feuerwehr, sondern ein Großteil der Bevölkerung von dem Bau profitiert. Oldenhüttens Gastwirt Klaus-Hinrich Speck, der durch das Dorfgemeinschaftshaus Konkurrenz befürchtet (wir berichteten), kritisierte, erst aus der Presse von diesen Plänen erfahren zu haben. Einwohnerin Heidemarie Willmann schlug in dieselbe Kerbe: „Die Informationspolitik war nicht so transparent wie sie hätte sein können. Ich habe erst vor ein paar Wochen erfahren, dass ein Dorfgemeinschaftshaus geplant ist. Außerdem gab es keine Bürgerbefragung, ob es überhaupt gewünscht ist“, sagte sie. Eine Befragung ist auch weiterhin nicht geplant – Rohwer zeigte sich nach zahlreichen Rückmeldungen der Einwohner sicher, dass der Neubau gewollt ist. Außerdem gab er zu, das Gespräch mit den Gastwirten zu spät gesucht zu haben. „Ich habe volles Verständnis dafür, dass sie sich bedroht fühlen, konnte aber mittlerweile in einem Austausch die Hintergründe darstellen“, berichtete er. Wiederholt betonte Eggert Rohwer, das Dorfgemeinschaftshaus werde keine Konkurrenz für die Gastwirtschaft sein. „Es ist keine Privatnutzung gewollt, weil wir eine gute Gaststätte am Ort haben“, sagte er.

Der Oldenhüttener Rainer Willmann konfrontierte den Bürgermeister mit der stattdessen geplanten Nutzung des Gebäudes. „Wenn eine Nutzung durch die Feuerwehr im Vordergrund steht, ist die Förderung durch die Aktiv-Region aber doch erschlichen“, stellte er in Frage. Rohwer entgegnete, dass sich die Nachfrage seitens der Bevölkerung mit dem geschaffenen Raum entwickeln soll. Dies sei eine große Chance für das 160-Seelen-Gemeinde. „Vieles ist bisher ausgebremst worden, weil es hier keine öffentlichen Räumlichkeiten gibt. Oldenhütten soll kein Schlafdorf sein. Das Dorfgemeinschaftshaus ist ein Anfang, aus dem sich etwas entwickeln kann“, erläuterte er. „Wenn wir es jetzt nicht bauen, dann wird erstmal lange nichts passieren.“

Klaus-Hinrich Speck stellte außerdem die Verhältnismäßigkeit der Kosten im Vergleich zur Einwohnerzahl in Frage: Der Neubau ist mit knapp 370  000 Euro veranschlagt, die Fördersumme der Aktiv-Region beträgt gut 95  000 Euro. Der Rest ist Gemeindesache. „Die 370  000 Euro sind hoch kalkuliert. Wir werden vieles in puncto Innenausbau in Eigenleistung erledigen. Wir rechnen lange nicht mit den Baukosten, die ausgewiesen sind“, berichtete der Bürgermeister.

Er nutzte die Versammlung auch, um die 22 Zuhörer über weitere kommunale Angelegenheiten zu informieren. So zeigte er sich zufrieden mit den Ideen des Kulturausschusses, wünschte sich allerdings etwas mehr Mitarbeit seitens der Bevölkerung. Die Flüchtlingssituation sei derzeit entspannt, Rohwer geht aber davon aus, dass „der Stress kommen wird“. Wer Wohnraum zu vermieten habe, solle sich daher beim Amt melden. Ein E-Mail-Verteiler, über den die Oldenhüttener Einladungen zu Sitzungen bekommen, werde gut angenommen. Auf Wunsch werden künftig auch die Protokolle nach den Sitzungen verschickt.

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