zur Navigation springen
Landeszeitung

13. Dezember 2017 | 08:46 Uhr

Flüchtlinge : Gemeinsame Trauer um Maria

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Gedenkstunde für die getötete Freiburger Studentin Maria: Afghanische Flüchtlinge und Rendsburger haben gemeinsam um die 19-jährige Frau getrauert. Das Opfer soll von einem 17-jährigen Asylbewerber ermordet worden sein.

shz.de von
erstellt am 12.Dez.2016 | 12:44 Uhr

Ein afghanisches Sprichwort lautet „Unsere Finger sind Brüder, aber sie sind nicht gleich.“ Als die afghanischen Flüchtlinge, die in Rendsburg und Umgebung wohnen, von dem Mord an der Studentin Maria L. in Freiburg erfuhren, waren sie entsetzt. Verdächtig ist ein 17-jähriger Asylsuchender aus Afghanistan. Viele von den Afghanen in der Region trafen sich im Kultcafé im Gemeindehaus der Parksiedlung in Rendsburg, um gemeinsam um das Mädchen zu trauern. Sie planten eine Aktion, fertigen Plakate mit ihren Botschaften auf Persisch und Deutsch und zündeten Kerzen für Maria an. Alle waren sehr betroffen und wütend und konnten es nicht verstehen, wie es passieren konnte. Alle anwesenden Afghanen wollten teilnehmen, sie wollten sagen „Es tut uns für Maria und ihre Familie so leid. Wir trauern mit euch!“ Sie zündeten Kerzen an und widmeten Maria eine Schweigeminute.

Viele Deutsche waren auch dabei, es sind Einheimische, die diese Afghanen unterstützen. Ihre Anwesenheit sollte den Afghanen die Botschaft überliefern, dass sie genau wissen, dass das ein Einzelfall ist, dass dieser Täter nicht für alle Afghane oder Flüchtlinge steht und dass die Unterstützung, welche sie benötigen weiter gewährleistet wird.

Die Idee von dieser Aktion ist von Mohammad Younus Jabari ausgegangen, ein 21-Jähriger aus Kabul – Afghanistan. Juliane Wutschke, eine der Organisatorin des Kultcafés, organisierte und führte die Aktion mit ihm gemeinsam durch. Younus ist seit September mit seiner Mutter und drei Geschwistern angekommen. Sie verbrachten neun Monate auf der Flucht, drei davon im iranischen Gefängnis. Sie mussten Afghanistan verlassen, weil nach seinem I.T.-Studium, Younus bei Afghan United Bank angestellt wurde. Die Taliban drohten damit, ihn zu töten, falls er seinen Job bei der Bank nicht aufgeben würde – was für die Terrorgruppe gegen den Islam ist – und nicht ihrer Gruppe anschließen würde.

„Ich bin nicht traurig, weil ein Afghane der Täter war, sondern weil ich ein Mensch bin und Maria ein Mensch war. Es ist egal, ob der Täter Afghane, Syrer, Iraker oder Deutscher ist. Es geht nicht um ihn, es geht um das Mädchen. Ein Mensch ist gestorben. Ich wollte mit dieser Aktion sagen, es gibt gute Afghanen und schlechte Afghanen, gute Engländer und schlechte Engländer, gute Deutsche und schlechte Deutsche. Es gab Gefängnisse in Deutschland schon, bevor die Flüchtlinge kamen. Fast überall ist die Mehrheit in Ordnung, aber es gibt eine kleine Minderheit die schlecht ist. Bei uns ist das auch nicht anders. Wichtig für die Mehrheit von uns Afghanen ist, ob der andere ein gutes Herz hat, seine Religion, Hautfarbe oder Herkunftsland ist uns egal. Ich bin jetzt Teil dieser Gesellschaft, deswegen teile ich mit ihr das Glück und die Trauer“, sagte der Afghane, der sich nur wünscht eine Chance hier in Frieden und Sicherheit leben zu dürfen.

Juliane, die ihn unterstützte, diese Aktion auf die Beine zu stellen, sagte: „Ich bin sehr traurig, dass ein Mensch gestorben ist. Ich bin immer traurig, wenn ein Mensch stirbt. Die Nationalität des Opfers und des Täters spielt dabei keine Rolle. Ich bin aber auch traurig darüber, dass jetzt tausende Afghanen das Gefühl haben, sich rechtfertigen zu müssen und sich von dem, was passiert ist, distanzieren zu müssen. Ich finde es sehr schön, dass ‚unsere‘ Jungs mit dieser Aktion Solidarität zeigen und hoffe, es öffnet einigen die Augen. Böse Menschen gibt es überall. Die Jungs haben sich so sehr für das, was passiert ist, geschämt, obwohl sie nichts dafür können. Sie wussten nicht, wie sie uns Deutschen noch unter die Augen treten sollen. Das tat mir weh.“




zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen