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Landeszeitung

13. Dezember 2017 | 14:12 Uhr

Gemeinsame Geschichte aufgearbeitet

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Dokumentation „Stumme Zeugen“ von polnischen Schülern / Vertriebene wurden eingeladen

von
erstellt am 23.Sep.2014 | 11:35 Uhr

Im Frühjahr 2015 jährt sich das Ende des Zweiten Weltkrieges zum 70. Mal. Vertriebene aus den deutschen Ostgebieten erreichten 1945 Schleswig-Holstein, wo viele von ihnen eine neue Heimat fanden. So auch Bewohner des Kreises Greifenhagen, deren Einwohner der Kleinstadt Fiddichow zu einem Teil nach Sarzbüttel im damaligen Süderdithmarschen kamen, wo immer noch einige ehemalige Fiddichower wohnen. Darunter auch die Familie Simon, deren Nachkommen heute in Nortorf zu Hause sind.

68 Jahre nach diesem Ereignis begann im ehemals deutschen Fiddichow, das seit genauso viel Jahren polnisch ist und Widuchowa heißt, eine Schulklasse der dortigen Gemeinschaftsschule mit der Aufarbeitung der deutschen Geschichte ihrer Kleinstadt. 2012 wurde mit den Aufräumarbeiten des verwilderten und im Krieg zerstörten deutschen Friedhofs begonnen, wo man nur noch ein Familiengrab mit zwei erhaltenen und einem zerstörten Grabstein fand. Deren Inschrift und Familiennamen weckte die Neugier der Schüler. Man konnte mit den Inschriften Margarete und Johann Schönmeier wenig anfangen, und so versuchte ihr Lehrer über den in Niedersachsen lebenden Geschichtskundler Herbert Kämper mehr zu erfahren. Einem Zufall war es zu verdanken, dass Kämper schon seit Jahren Kontakt zu dem Nortorfer Hartmut Wieck-Simon hatte, der seinerseits von Kämper schon mehrfach Informationen über den früheren Wohnort seiner Familie einholte.

„Es glich der Nadel im Heuhaufen, denn meine Familie kommt aus dem Ort Widuchowa und die auf den gefundenen Grabsteinen benannten Verstorbenen waren direkte Vorfahren, nämlich meine Urgroßeltern“, berichtet Hartmut Wieck-Simon. Der Kontakt intensivierte sich und der Nortorfer lieferte Details seiner Familie. In Polen begann man anhand dieser Daten die Geschichte und Lebensweise der Familie bis 1945 zu rekonstruieren und erarbeitete unter dem Namen „Stumme Zeugen“ mit dem Hinblick auf Verständigung und Völkerfreundschaft zwischen Polen und Deutschen eine Dokumentation, die in eine Ausstellung in Polen einfließt.

Nun wurde diese Ausstellung im Schulzentrum in Widuchowa eröffnet. Eingeladen war dazu auch Wieck-Simon, der es sich nicht nehmen ließ, auf polnisch eine Ansprache zu halten.

Das Projekt, das Lehrer und Schüler erarbeitet haben, ist noch nicht zu Ende. Jede Woche arbeitet die Schülergruppe an der weiteren Aufarbeitung der deutschen Vergangenheit ihrer Stadt. Im August 2015 soll eine Folgeausstellung gezeigt werden.


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