Rendsburg : Gemeinsam trauern

Begleiterin in schweren Zeiten: Angelika Thaysen
Begleiterin in schweren Zeiten: Angelika Thaysen

Pflege LebensNah möchte eine neue Selbsthilfegruppe für Menschen, die einen Angehörigen durch Suizid verloren haben, initiieren.

Miriam Richter von
22. Juli 2014, 14:55 Uhr

Angst, Einsamkeit, Verzweiflung, Wut – trauernde Menschen erleben eine Mischung aus verschiedenen Gefühlen, mit denen sie oft nicht umgehen können. Trauerbegleiterin Angelika Thaysen von der Pflege LebensNah hilft ihnen auf ihrem schweren Weg. Sie möchte eine Selbsthilfegruppe für Menschen, die einen Angehörigen oder Freund durch Suizid verloren haben, gründen. „Drei Angehörige haben mich angesprochen“, berichtet Thaysen, „jetzt möchte ich andere ermutigen, dazu zu kommen“.

Ermutigung ist ein zentraler Begriff bei der Trauerarbeit. „Es ist ein schwieriges Thema, das oft mit Scham verbunden ist“, weiß Thaysen. Das Motto ist daher: „Alles darf, nichts muss.“ Es gibt Menschen, die zu den Treffen kommen und nichts sagen, sondern nur zuhören. Das ist vollkommen in Ordnung. „Selbst wenn sie sich nicht äußern wollen – das Zuhören hilft ihnen, sonst würden sie nicht wiederkommen.“

Bei jedem Treffen geht ein Herz herum. Wer es in der Hand behält, erzählt, wie es ihm geht, was ihn besonders beschäftigt. Meist ergibt sich daraus ein Gespräch. Das Wichtigste ist jedoch, dass Angehörige einen Ort haben, wo sie sich verstanden fühlen und auch nach langer Zeit noch trauern und weinen können. Das ist im Alltag oft nicht gegeben. „Das Umfeld geht schnell zur Normalität über“, weiß Thaysen aus ihrer langjährigen Arbeit. Oft müssten sich die Angehörigen Aussagen anhören wie: „Es ist doch schon drei Monate her, du kannst jetzt auch mal wieder normal werden.“

Aber Trauer ist nichts, was sich so einfach an- und abstellen lässt wie ein Fernseher. Neben dem Unverständnis des Umfelds kommen oft Schuldgefühle dazu. Die Frage „Hätte ich etwas merken müssen?“ beschäftigt viele Angehörige.

Bei solchen Problemen helfen am besten Menschen, die in einer ähnlichen Situation sind. Die Gruppe unterstützt einen bei der persönlichen Beantwortung dieser Fragen. „Es ist toll zu merken, wie Menschen, die sich anfangs überhaupt nicht kennen, auf dieser Ebene zusammenfinden und sich beistehen.“ Dabei hat Thaysen die Erfahrung gemacht, dass es für die Angehörigen ein großer Unterschied ist, ob sie einen geliebten Menschen durch Krankheit oder Freitod verloren haben. „Die Gesprächsthemen sind andere.“ Menschen, deren Angehörige durch Krankheiten gestorben sind, tun sich schwer mit dem Gedanken, dass Menschen freiwillig aus dem Leben scheiden, obwohl ihre geliebte Person leben wollte, aber nicht konnte. Deswegen bietet die Pflege LebensNah verschiedene Trauergruppen an, in denen Menschen mit ähnlicher Trauer zusammenfinden können.

Da es um sehr persönliche Probleme und Empfindungen geht, wird die Gruppe geschlossen, wenn sie sich zusammengefunden hat. Es gibt Verschwiegenheitsregeln: „Alles, was in der Gruppe gesagt wird, bleibt auch dort.“ Das Schließen der Gruppe bedeutet jedoch nicht, dass Angehörige, die danach um Hilfe bitten, allein gelassen werden. Wenn jemand Interesse bekundet, werden Einzelgespräche angeboten. Egal ob einzeln oder in der Gruppe, das Ziel der Gespräche ist für alle Trauernden dasselbe. Thaysen: „Die Lebensqualität wieder zu erlangen, ohne den geliebten Menschen zu vergessen.“

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Wer an der Gruppe teilnehmen möchte, wendet sich an Angelika Thaysen, Tel. 04331/94371-17, E-Mail: thaysen@pln-netz.de. Die Treffen finden voraussichtlich am Montagabend statt.

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