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Landeszeitung

19. November 2017 | 14:51 Uhr

Kropp : Gemeindehaus wird Kleidertempel

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Seit drei Jahren treffen sich Frauen im Frühling und Herbst in Kropp – dabei wechselt Ausgedientes die Besitzerin.

shz.de von
erstellt am 18.Okt.2017 | 17:49 Uhr

In jedem Raum türmen sich T-Shirts und Hosen, die Garderobe ist zur Kleiderstange umfunktioniert, und vor dem Buffet im Flur drängen sich die Besucher: Zweimal im Jahr verwandelt sich das evangelische Gemeindehaus in Kropp in einen kleinen Einkaufstempel. Grund dafür ist die Frauenkleiderbörse, bei der ausgediente, gut erhaltene Kleidungsstücke ihre Besitzerin wechseln. Die Börse gibt es seit drei Jahren jeweils im Frühling und im Herbst.

„Damals hatte ich festgestellt, dass ein Raum fehlt, in dem Frauen gepflegte, günstige Kleidung kaufen können“, sagt Initiatorin Kathrin Gotzel-Solterbeck über die Ursprünge. Zudem diene es der Umwelt, wenn Blusen und Schuhe mehrfach getragen werden, betont sie. Mit ihrer Idee wandte sie sich an die Kirchengemeinde, die bereits ein ähnliches Angebot für Babybedarf hat.

Inzwischen stehen ihr viele Helfer zur Seite und die Frauenkleiderbörse ist über die Grenzen Kropps hinaus etabliert. Obwohl Kundinnen wie Verkäuferinnen aus dem ganzen nördlichen Schleswig-Holstein anreisen, sei der Rahmen schon aufgrund der begrenzten Räumlichkeiten bewusst klein gehalten, erläutert Gotzel-Solterbeck: „Von Anfang an gab es 28 Plätze und dabei ist es geblieben.“ Sie achtet darauf, dass verschiedene Marken sowie alle Kleidergrößen zwischen 34 und 52 vertreten sind und jede Altersgruppe fündig werden kann.

Zu den jüngsten Verkäufern zählen Nicole (22) und Annika Reimer (20), die das ganze Jahr über ihre alten Hosen, Schuhe und Shirts sammeln, um sie hier zu verkaufen. Die Schwestern sind zum vierten Mal dabei. „Unsere Mutter hatte von der Börse gehört und uns gefragt, ob wir nicht Lust dazu hätten“, erzählt Nicole Reimer. Damals lebten sie noch in Kropp, inzwischen reisen sie aus Kiel an. Die Standgebühr kostet fünf Euro, den Verkaufserlös dürfen sie behalten. „Uns ist wichtiger, unsere Sachen loszuwerden, statt viel zu verdienen“, sagt sie. Daher hätten sie relativ günstige Preise.

Das Mutter-Tochter-Duo Bettina und Laura Neugebauer aus Handewitt ist über Mund-Propaganda zur Frauenkleiderbörse gekommen und seit dem Anfang dabei. „Die Atmosphäre ist toll, das Publikum kennt sich“, schwärmt Bettina Neugebauer, die ihre Kunden gern berät. „Das macht Spaß, obwohl ich nicht vom Fach bin.“ Sie freut sich über die gute Organisation und den engen Kontakt zu Kathrin Gotzel-Solterbeck. „Früher sind wir zu Flohmärkten bis nach Kiel gefahren, inzwischen sind wir nur noch hier in Kropp“, ergänzt ihre Tochter.

Erstmals als Verkäuferin dabei ist Elisabeth Rothkirch aus Jübek: „Das hat sich im Gespräch ergeben. Die Organisatorin ist meine Friseurin.“ Die Börse sei eine tolle Möglichkeit, gute Qualität zum günstigen Preis zu bekommen. Ab 8.30 Uhr hat Rothkirch auf ihrem Tisch aufgebaut, „was sich ansammelt im Leben“ – Schmuck, Hüte, Schuhe. Von 10 bis 15 Uhr öffnen sich die Türen. „Das Interesse ist auf jeden Fall gut“, sagt sie, während sie für die nächste Kundin einen Spiegel hoch hält.

„Ich bin eigentlich jedes Mal hier und finde immer was“, erzählt Alexandra Petersen, die es sich bei einer Tasse Kaffee gemütlich gemacht hat. „Diesmal habe ich einen dicken Wollschal, Strickjacken und T-Shirts gekauft“, so die Kropperin. „Ich habe auch schon ein Abendkleid hier gefunden.“ Das Angebot sei toll, von kleinen bis großen Größen alles da. „Es lohnt sich, meine Tüte ist voll“, sagt Marlies Röder aus Busdorf. Auch dank Kaffee und Kuchen „ist die Veranstaltung gut gemacht“.

Der Erlös des Buffets wird an eine Einrichtung gespendet, die mit der Kirchengemeinde verbunden ist. Dieses Jahr gehen rund 400 Euro an das Schloss Ascheberg, wo die Konfirmanden ihre Freizeit verbringen.


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