Hamdorf : Gemeinde zahlt für Jannik

Mama Birte und Jannik freuen sich über die Entscheidung der Hamdorfer Gemeindevertretung.
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Mama Birte und Jannik freuen sich über die Entscheidung der Hamdorfer Gemeindevertretung.

Die Freude in der Familie ist groß: Der dreijährige Jannik darf vorerst in seiner gewohnten „Kinderstube“ in Nübbel bleiben. Die Gemeinde Hamdorf zahlt die Ausgleichsgebühr.

shz.de von
05. Juni 2014, 15:13 Uhr

Birte Westphal ist erleichtert, ihr dreijähriger Sohn Jannik darf vorerst in der „Kinderstube“ Nübbel bleiben. Ein Jahr lang übernimmt die Gemeinde Hamdorf die Gebühren für die Betreuung des an Diabetes-Typ-1 erkrankten Jungen. „Es ist ein guter Kompromiss, der uns erst einmal Zeit verschafft und uns zur Ruhe kommen lässt“, sagt Birte Westphal glücklich.

In der jüngsten Gemeindevertretersitzung wurde im nichtöffentlichen Teil ausführlich über den Fall von Jannik beraten. Der Dreijährige wechselt ab August von der Krippe in eine Regelgruppe und hätte dafür die Nübbeler Kinderstube verlassen müssen, um den im Kindergarten Hamdorf vorgesehenen Platz einzunehmen. Nach dem Kindertagesstättengesetz ist jede Gemeinde dazu angehalten, einen bedarfsgerechten Kindergartenplatz vorzuhalten. Erst wenn die Gemeinde aufgrund einer vollen Belegung keinen Platz mehr zur Verfügung stellen kann und das Kind in einer der Nachbargemeinden unterkommt, werde eine Ausgleichsgebühr fällig.

„Wir können diesen Platz stellen und würden das Personal für die Versorgung von Jannik entsprechend schulen“, erklärt Hamdorfs Bürgermeister Jörg Thomsen. Deshalb habe man anfangs den Antrag von Frau Westphal, für Jannik einen Regelgruppenplatz in Nübbel zu finanzieren, abgelehnt. „Nicht aus Böswilligkeit, sondern weil es die gesetzlichen Bestimmungen so verlangen und wir hier Platz haben“, betont Thomsen die Situation aus Sicht der Gemeinde. In diesem besonderen Fall habe man eine Ausnahme gemacht und letztlich zum Wohle des Kindes den Entschluss gefasst, Jannik im vertrauten Umfeld der Kinderstube zu belassen und für ein Jahr die Gebühr an Nübbel zu übernehmen, erklärt der Bürgermeister die Entscheidung der Gemeindevertretung. Somit bliebe beiden Seiten ein Jahr Zeit, sich auf die neue Situation einzustellen. Auch mit dem Vorstand des Elternvereins als Träger der Nübbeler Kinderstube habe man eine für beide Gemeinden wohlwollende Lösung gefunden, berichtet Thomsen.

Für Birte Westphal, die selbst seit ihrem vierten Lebensjahr unter Diabetes-Typ-1 leidet, bedeutet diese Entscheidung vorerst eine Sorge weniger. Denn seit der Diagnose vor drei Monaten dreht sich der Alltag der Familie nur noch um den Blutzuckerwert und das Wohlergehen von Jannik.

Dem kleinen Fratz merkt man die Krankheit im ersten Moment nicht an, er tobt und spielt ausgelassen wie andere Kinder in seinem Alter auch. Doch im Gegensatz zu seinen Spielkameraden ändern sich bei ihm die Blutzuckerwerte ständig und so schnell, so dass bei ihm fast stündlich gemessen und die Pumpe entsprechend eingestellt werden muss, manchmal auch die Nacht hindurch. Eine Prozedur, die der Dreijährige spielerisch über sich ergehen lässt: „Mittlerweile misst er bei jedem von uns den Wert, auch bei seinen Stofftieren“, erzählt die Mutter, die rund um die Uhr mit Aufpassen, Messen, Einstellen, Beobachten und Angst haben beschäftigt ist. Da momentan so viele Faktoren bei Janniks Stoffwechselgeschehen eine Rolle spielen, sei es wichtig, ihn vorerst in der gewohnten Umgebung der Nübbler Einrichtung zu lassen. Jede Veränderung würde Stress bedeuten, der für den Kleinen lebensgefährlich werden könne.

Die Ungewissheit, was nun mit der Kindergartensache wird, habe sie sehr viel Energie gekostet. Jetzt habe sie Zeit, sich zusammen mit ihrer Familie auf die neue Situation einzustellen und den Alltag entsprechend anders zu gestalten. In einem Jahr werde man dann sehen, wie es weiter geht.

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