Rendsburg-Eckernförde : Geldsegen für Familienzentren

Kerstin Dreja (links) im Gespräch mit ihrer Kollegin Helene Koch.
Kerstin Dreja (links) im Gespräch mit ihrer Kollegin Helene Koch.

Zur Hilfe für überforderte Eltern verteilt der Kreis 200 000 Euro auf zehn Einrichtungen. Vorteile für sozial belastete Regionen.

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25. Mai 2015, 06:00 Uhr

Die Familienzentren im Kreis Rendsburg-Eckernförde bekommen mehr Geld. Für alle zehn Einrichtungen stehen insgesamt 200  000 Euro zur Verfügung. Das ist ein Plus von mehr als 40 Prozent. Im vergangenen Jahr hatte es nur 113  000 Euro gegeben. Zudem hat der Jugendhilfeausschuss in seiner jüngsten Sitzung einen neuen Schlüssel beschlossen, nachdem das Geld verteilt wird. Bislang hatten alle gleich viel bekommen, nun wird die soziale Belastung bei der Zuteilung berücksichtigt.

Zudem sind zwei neue Familienzentren anerkannt worden: Eines in Nortorf, getragen vom Diakonie-Hilfswerk, und eines in Hanerau-Hademarschen, getragen von der Gemeinde. Sie erhalten jeweils vom Kreis zusätzlich bis 2017 jährlich eine Anschubfinanzierung von 5000 Euro.

Wo es viele Sozialhilfeempfänger mit Kindern gibt, wo Eltern nicht genug verdienen, um den vollen Kindergartenbeitrag zu bezahlen, und wo das Jugendamt häufig Hilfe zur Erziehung leistet – diese Regionen gelten laut Norbert Schmidt vom Kreis-Fachdienst Jugend und Familie als besonders belastet. Deshalb bekommen die Familienzentren dort mehr Geld als andere (siehe Infokasten). Zu den Spitzenreitern zählen die Einrichtungen in den Städten: Die Rendsburger Familienzentren Mastbrook, Nobiskrug und „A4“, das an die Kindertagesstätte St. Jürgen angegliedert ist, erhalten jeweils 23  000 Euro. Das gleiche gilt für das Zentrum in Eckernförde. Als unterdurchschnittlich belastet werden die ländlicheren Einrichtungen eingestuft. Das Familienzentrum Aukrug etwa erhält 17  000 Euro. Zentren in Regionen mit durchschnittlichen Belastungen werden mit 20  000 Euro berücksichtigt. Die 200  000-Euro-Fördersumme stammt vom Land.

„Die Zentren sollen Familien in besonderen Lebenslagen helfen“, erklärt der Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, Otto Griefnow (SPD). Kerstin Dreja, Koordinatorin des Familienzentrums Nobiskrug, präzisiert: „Ich glaube, es ist bei vielen noch gar nicht angekommen, wie viele Möglichkeiten wir haben, wenn wir alle an einem Strang ziehen.“ Die 43-jährige Heilpädagogin sowie Paar- und Familientherapeutin ist seit Gründung des Zentrums vor einem halben Jahr mit einer halben Stelle Ansprechpartnerin für die vielen Familien in der Schleife, der Parksiedlung und der näheren Umgebung. Sie möchte bei Bildungs- und Erziehungsfragen unterstützen, ein niedrigschwelliges Angebot bieten und Menschen zusammenbringen. Dazu dienen das Offene Frühstück, dass sie selbst anbietet, aber auch verschiedene Kurse: Selbstverteidigung und Gewaltprävention stehen genau so auf dem Programm wie ein wöchentliches Treffen für die Kinder von getrennt lebenden Eltern, eine vierzehntägig stattfindende Veranstaltung für Teenie-Mütter und eine Eltern-Schule. Auch ein Flohmarkt wurde bereits veranstaltet, der am 20. Juni eine Fortsetzung bekommen soll.

Catrin Liebscher vom Familienzentrum Aukrug erklärt, dass die Grundlage für die Arbeit in der Überforderung vieler Eltern liege. Manche haben ihr zufolge in der eigenen Kindheit keine ausreichende Erziehung erlebt oder seien beruflich so sehr eingespannt, dass kaum Zeit für den Nachwuchs und dessen Probleme bleibe. Dadurch wachsen sich alltägliche Schwierigkeiten, wie sie etwa in der Trotzphase der Kinder auftreten, aus. „Wir wollen den Eltern Kompetenzen vermitteln, ohne den Zeigefinger zu erheben“, sagt Liebscher. Das sei etwa durch Vater-Kind-Waldtage, Kochkurse, Kräuterwanderungen und das Elterncafé möglich. Dabei können sich die Eltern abschauen, wie die Erzieher mit den Kindern umgehen. Das Fördergeld werde vor allem für Personal gebraucht.

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