Unterschlagung : Geld abgezapft? Betrug mit Melkmaschinen vor Gericht

Ein moderner Melkroboter nimmt Landwirten viel Arbeit ab, ist aber teuer.

Ein moderner Melkroboter nimmt Landwirten viel Arbeit ab, ist aber teuer.

Ein Unternehmensberater soll geleaste Roboter verkauft und den Erlös zum Teil für sich behalten haben.

shz.de von
24. Juni 2018, 19:23 Uhr

Rendsburg | Ein Unternehmensberater mit Büro in Rendsburg hat möglicherweise eine rechtswidrige Milchmädchenrechnung aufgemacht. Er arbeitete vermeintlich für seine Kunden – nach Auffassung der Staatsanwaltschaft aber auch gegen das Gesetz. Der 48-Jährige musste sich in der vergangenen Woche vor dem Rendsburger Amtsgericht verantworten. Die Strafverfolger werfen ihm unter anderem Untreue vor. Zu einem Urteil kam es noch nicht. Die Verhandlung wird fortgesetzt.

Nach Auskunft der zuständigen Richterin, die zum Schutz ihrer Person namentlich nicht genannt werden möchte, beriet der Angeklagte ein Ehepaar, das in Ihlienworth im Landkreis Cuxhaven (Niedersachsen) einen Milchviehbetrieb als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR) führte. Laut Staatsanwaltschaft hatten die Landwirte mehrere Gläubiger im Nacken.

Das Paar erteilte dem Berater eine Generalvollmacht. Am 8. August 2016 verkaufte er 92 Kühe und 69 Rinder für insgesamt 51 000 Euro. Sechs Wochen später, am 23. September 2016, veräußerte er zwei Melkroboter samt Zubehör und der vollständigen Anlagentechnik. Dabei erzielte der 48-Jährige einen Preis von 75 000 Euro. Im Oktober soll er ein Haus der Landwirte verkauft haben.

Das Problem: Das Ehepaar hatte die Melkroboter laut Staatsanwaltschaft geleast. Das hat der Berater angeblich gewusst. „Eine fremde Sache zu verkaufen ist eine Unterschlagung“, erläuterte die Richterin der LZ. Nach ihrer Schilderung besteht zudem der Verdacht, dass die Kühe und Rinder einer Bank gehören. Das Eigentum daran soll das Ehepaar dem Geldinstitut im Zuge einer sogenannten Sicherheitsübereignung übertragen haben.

Ein Streitpunkt: Wem gehörte das Vieh?
 

In solchen Fällen dienen bewegliche Werte, wie etwa ein Viehbestand, als Sicherheit für einen Kredit. Zudem soll der Angeklagte von dem Erlös der Melkroboter lediglich 17.000 Euro an das Ehepaar beziehungsweise dessen Gläubiger abgeführt haben. Den Rest hat er behalten, ist die Staatsanwaltschaft überzeugt. Ein Geständnis legte der Anklagte jedoch nicht ab. Hinsichtlich der Melkroboter betonte er, dass er den Verkaufserlös zum Teil an die Gläubiger des Ehepaars abgeführt und zum Teil als Honorar für seine Beraterleistungen einbehalten habe. Er habe sich nicht unrechtmäßig bereichert. „Bei dem Vieh ist es strittig, ob es der Bank gehört“, sagte die Richterin.

Sie will in der nächsten Sitzung am Donnerstag, 12. Juli, ab 8.30 Uhr das Ehepaar als Zeugen hören. „Aus Sicht des Gerichts und der Staatsanwaltschaft reicht das.“ Der Verteidiger des Beraters will aber zusätzlich klären, ob weitere Zeugen angehört werden sollen, zum Beispiel Vertreter der Bank. Wenn sich der Rechtsanwalt dafür entscheidet, dann plant die Richterin mehr Vorbereitungszeit ein und setzt die Verhandlung erst nach den Sommerferien fort.

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