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Bildhauerkunst : Geistesblitz beim Strandspaziergang

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Leidenschaft für die Kunst begleitet Berthold Grzywatz schon seit seiner Jugend. In den vergangenen Jahren hat er sein bildhauerisches Schaffen intensiviert. Jetzt stellt er seine Werke aus.

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erstellt am 04.Okt.2017 | 12:03 Uhr

Ein Strandspaziergang hat das Leben von Berthold Grzywatz verändert. Als der Schriftsteller und Historiker vor zehn Jahren an der Steilküste von Eckernförde frische Luft tankte, stieß er auf ein angeschwemmtes Stück Holz. Der Naturliebhaber war fasziniert von Form und Material des Fundstücks. „Ich war elektrisiert.“ Der Ausflügler nahm den etwa einen Meter langen Balken mit nach Hause und entwickelte in monatelanger Arbeit aus dem Strandgut eine Skulptur. „Das war die Initialzündung“, erinnert sich der Bildhauer. Seit diesem Aufbruch hat ihn das künstlerische Schaffen nicht mehr losgelassen.

Das Kunstwerk aus dem Strandgut-Holz hat einen Ehrenplatz im privaten Bereich von Berthold Grzywatz erhalten. Doch die übrigen Arbeiten, die in den vergangenen Jahren entstanden sind, präsentiert der Künstler öffentlich in einer Dauerausstellung. Der gebürtige Lübecker, der in Westerrönfeld sowie in der Nähe von Kassel wohnt, hat einen ehemaligen Lokschuppen im Kreishafen zu einer Galerie mit Werkstatt umgebaut. Rund 80  Objekte sind in dem Industriegebäude zu sehen, in dem ehemals Rangierzüge gewartet wurden, als zum Kreishafen noch Schienenverkehr gehörte. Wer durch die lichte Halle geht, dem wird schnell klar, wie vielfältig die künstlerische Ausdruckskraft des Hausherrn ist.

Berthold Grzywatz hat sich schon seit seiner Jugend für Kunst interessiert. Doch zunächst studierte der Wissenschaftler Germanistik, Geschichte, Politologie, Staatsrecht und Pädagogik. Nach der Promotion arbeitete Dr. Phil. Berthold Grzywatz in der Forschung, lehrte an der Freien Universität Berlin, habilitierte sich in Neuerer Geschichte und war als gymnasialer Lehrer tätig. Die Leidenschaft zur Kunst hat er sich dabei stets bewahrt und nahm nach dem entscheidenden Strandspaziergang 2007 einen neuen Anlauf in der künstlerischen Arbeit und absolvierte eine intensive Ausbildung im bildhauerischen und plastischen Gestalten bei Fionna-Sophie Oltmann-Copyn in Kiel. Mittlerweile ist der Norddeutsche bundesweit in Ausstellungen sowie in privaten Sammlungen vertreten, führt künstlerische Arbeiten sowohl im öffentlichen als auch privaten Auftrag aus und nimmt an Wettbewerben und Ausschreibungen teil.

„In meinen Werken setze ich mich mit den Entwicklungen in unserer Zeit und mit der Grundsituation menschlicher Beziehungen auseinander“, sagt Grzywatz. Die abstrakten Skulpturen, Plastiken und Objekte tragen Titel wie „Der Migrant“, „Der Flug der Zeit“ und „Krise? Welche Krise?“. Der Künstler verwendet Holz, Stein und Stahl. „Die Materialien sollen in ihrer Anordnung und in ihrer Eigenwirkung Spannungen, Gegensätze oder Widersprüche sichtbar machen,“ sagt der Objektkünstler.

Einen Schwerpunkt in der Ausstellung, die durch Fotokunst auf Acrylglas ergänzt wird, bilden raumgreifende Plastiken aus Metallguss mit Aluminiumlegierung, gestrahlt, teilpoliert und geschweißt. Im Grundton sachlich-kühl, entfalten sie eine starke Ausstrahlung und verschmelzen mit dem sanierten „Lokschuppen“ zu einer stimmungsvollen, sehenswerten Einheit. Grzywatz hat mit feinsinnigem Gespür eine eigene Formensprache entwickelt, mit der er seine Botschaften in Szene setzt. Die hohe Ästhetik seiner Kunst soll die Betrachter faszinieren und sie zugleich inspirieren. Der Bildhauer hat ein Ziel: „Ich möchte Denkanstöße auslösen, die zu neuen Erkenntnissen führen können.“

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