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Hohn : Gehörloser Tischler kehrt an die Werkbank zurück

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Olaf Belz profitiert als einer der ersten von teurem Jobcenter-Programm gegen Langzeitarbeitslosigkeit.

Um Olaf Belz (43) ist es still, obwohl er mitten in der Werkhalle der Firma „Puls Fertigbinder“ in Hohn-Julianeebene steht. Selbst wenn er mit der Kreissäge breite Holzbalken zuschneidet, hört Belz nichts. Mit seinen Kollegen verständigt er sich meistens per Zeichensprache. Obwohl er gehörlos ist, ist der gelernte Tischler aus Tappendorf ein vollwertiges Mitglied der Belegschaft. Dass er an den Job in Hohn gekommen ist, verdankt Olaf Belz einem neuen Programm des Jobcenters im Kreis Rendsburg-Eckernförde, Langzeitarbeitslose wieder in den Beruf zu bringen.

Der Geschäftsführer des Hohner Unternehmens „Puls Fertigbinder“ gibt es unumwunden zu: „Im normalen Bewerbungsverfahren wäre er wohl herausgefallen“, so Jürgen Sachsenhausen. Insofern ist er froh, dass er über die Initiative mit dem sperrigen Titel „Europäischer-Sozialfonds-Bundesprogramm für Langzeitarbeitslose“ zu seinem neuen Mitarbeiter gekommen ist. Bis zum Jahr 2020 stehen dem Jobcenter im Kreis daraus 1,6 Millionen Euro zur Verfügung. Jeden Fall lassen sich die Arbeitsmarktexperten viel Geld kosten. Arbeitgeber, die einen schwer vermittelbaren Langzeitarbeitslosen einstellen, erhalten in den ersten eineinhalb Jahren einen Lohnkostenzuschuss von bis zu 75 Prozent, bei intensiven Förderungen sogar über 36 Monate. Den Langzeitarbeitslosen wird ein Coach des Jobcenters zur Seite gestellt, der seine Klienten direkt im Betrieb besucht. „So kann er Probleme klären, die er mit uns nicht besprechen will“, sagt Jürgen Sachsenhausen. Zudem erhält Olaf Belz Fahrgeld zu seiner neuen Arbeitsstelle und ihm wird ein Führerschein für den Gabelstapler finanziert.

Auf diese Weise will das Jobcenter die sehr stabile Zahl an Langzeitarbeitslosen im Kreis reduzieren. Die ist im Oktober zwar minimal um knapp zwei Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gesunken, hält sich jedoch seit Jahren bei rund 2000 Menschen, die seit mindestens zwei Jahren keinen Job haben. Laut Börge Hamer, Bereichsleiter für Markt und Integration im Jobcenter, reicht das Geld für 40 Fälle. Zehn davon sind bereits in das Programm aufgenommen worden. „Dafür haben wir 200 Unternehmen angesprochen, wir sind sehr zufrieden mit der Resonanz“, so Hamer.

Olaf Belz hat seine Tischler-Lehre als junger Mann im Theodor-Schäfer-Bildungswerk in Husum absolviert, weil er bereits damals gehörlos war. Danach hat er lange in seinem Lehrberuf gearbeitet. Zuletzt war Belz jedoch als Hausmeister beschäftigt, bevor er vor fast drei Jahren arbeitslos wurde. Auf Empfehlung des Integrationsfachdienstes der Brücke Rendsburg-Eckernförde stellte er sich dann im Hohner Unternehmen für ein Praktikum vor. Sein Chef Jürgen Sachsenhausen stellte schnell fest, was in Belz steckt. „Im Holzbau kennt er sich aus“, so Sachsenhausen. Die Sorgen, dass es gefährlich werden könnte, weil Olaf Belz nicht hört, wenn eine Maschine läuft oder hinter ihm ein Gabelstapler fährt, haben sich ihm zufolge schnell in Luft aufgelöst. Auch die Kommunikation sei erst schwierig gewesen, doch das habe sich schnell eingespielt. Im Betrieb verständigen sich die Mitarbeiter ihm zufolge ohnehin häufig per Handzeichen. Bei „Puls Fertigbinder“ fühlt Olaf Belz sich wohl, gibt er zu verstehen, die Arbeit mache Spaß und die Kollegen seien nett. Insgesamt 20 Mitarbeiter fertigen Dachkonstruktionen aus Holz, für die die Bauteile mit Nagelplatten zusammengepresst werden.

Jürgen Sachsenhausen ist sich sicher, dass er Olaf Belz nach dem Praktikum auch ohne das Programm des Jobcenters angestellt hätte. „Ich wäre aber von vorn herein wohl nicht auf ihn aufmerksam geworden“, sagt er. Deshalb brauche es solche Programme als Türöffner, sagt Börger Hamer.

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erstellt am 02.Dez.2015 | 18:54 Uhr

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