Seniorenheim : Geheimniskrämerei um die „Neue Heimat“

Die „Neue Heimat“ an der Schleswiger Chaussee.
Die „Neue Heimat“ an der Schleswiger Chaussee.

Städtisches Seniorenheim weiter schlecht ausgelastet – Stadtpräsidentin unterbindet öffentliche Beratung.

shz.de von
14. Juli 2015, 10:31 Uhr

Öffentlich oder nicht öffentlich – das war hier die Frage. Darf über die städtische Seniorenwohnanlage „Neue Heimat“ beraten und abgestimmt werden, während interessierte Bürger und die Presse als Zuhörer mit im Saal sitzen? Über diesen Punkt wurde in der jüngsten Ratsversammlung lebhaft diskutiert. Heraus kam eine Zwischenlösung: Beschlossen wurde coram publico, dass der Höchstbetrag für Kassenkredite auf 500  000 Euro verdoppelt wird – jene Kredite, die die Stadt kurzfristig aufnehmen kann, um die laufenden Ausgaben in der Seniorenwohnanlage zu decken. Die Begründung für diesen Schritt blieb allerdings aus.

Zum Unmut von Fritjof Wilken (Modernes Rendsburg), der schon zu Beginn der Sitzung gefordert hatte, über die „Neue Heimat“ müsse für alle hörbar beraten werden, voll und ganz. „Nach der Gemeindeordnung ist alles öffentlich, es sei denn, es geht um die Belange Einzelner“, sagte Fritjof Wilken. Das sei hier nicht der Fall. Die Stadt hafte mit ihrem Haushalt für die Einrichtung. Stadtpräsidentin Katrin Wiemer-Hinz sah das anders. Die Seniorenwohnanlage sei rechtlich wie ein „Einzelner“ einzuordnen. Über die Anlage in kommunaler Trägerschaft müsse ohne Öffentlichkeit beraten werden, denn, so die Vorsitzende des wichtigsten politischen Gremiums der Stadt, „es kommen Dinge zur Aussprache, die das Wohl der „Neuen Heimat‘ gefährden können“.

Damit ist das wirtschaftliche Ergebnis der letzten Jahre gemeint. Die „Neue Heimat“ steckt in der Misere, die Auslastung lässt zu wünschen übrig. Eine Gewinnrücklage, die Ende 2013 noch 790  564 Euro betrug, dürfte bald aufgebraucht sein. Die Bilanz des Wirtschaftsjahres 2014 wird nach der Sommerpause erwartet. Erklärtes Ziel war es, die Auslastung in diesem Jahr bei 92 Prozent zu stabilisieren. Dies wurde bislang verfehlt. Betriebsleiter Marcus Speck nannte gestern einen Wert von 89 Prozent. Durch einen neuen Internetauftritt, optimierte Einkäufe und verstärkte Werbung befinde sich die Einrichtung auf dem Weg der Besserung.

Eine mögliche Erklärung, warum die Anlage trotz dieser Aktivitäten nicht voll ausgelastet ist, liefert die „Weiße Liste“ der Bertelsmann-Stiftung im Internet (www.weisse-liste.de). Das Online-Vergleichsportal bietet eine Übersicht über das Angebot und die Servicequalität von mehr als 13  000 Pflegediensten in ganz Deutschland. Hinterlegt sind auch die Kostentabellen der Dienste, so dass eine genaue Kalkulation für jeden einzelnen Fall bis hin zum monatlichen Eigenanteil möglich ist.

Die städtische Seniorenwohnanlage Neue Heimat gehört im Raum Rendsburg mit Abstand zu den teuersten Anbietern. Die Zuzahlung pro Monat und Bewohner bei vollstationärer Pflege bewegt sich laut Portal zwischen 1731 Euro (Pflegestufe 1) und 2057 Euro (Pflegestufe 3). Zum Vergleich: Im Caritashaus St. Vincenz sind lediglich 1376 bis 1631 Euro, in der Büdelsdorfer Seniorenwohnanlage am Park 1364 bis 1543 Euro an Zuzahlung nötig.

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