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Hohenwestedt : Geheimnis wird am Sonntag gelüftet

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das restaurierte Krippenbild wird im Gottesdienst in der Hohenwestedter Peter-Pauls-Kirche vorgestellt. Nach der Übergabe gibt es noch einen Beamer-Vortrag und die Lesung aus dem Kurzkrimi „Boccia, Kunst und Leiche“.

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erstellt am 11.Dez.2013 | 06:00 Uhr

Ein „Bildenthüllungs-Gottesdienst“ wird am Sonntag, dem 15. Dezember (18.30 Uhr), in der Peter-Pauls-Kirche gefeiert. Am 3. Advent 2012 war der Kirchengemeinde ein im Museumsarchiv entdecktes Krippengemälde aus der Barockzeit vorgestellt werden, und genau ein Jahr später soll das gleiche Kunstwerk nun in seiner restaurierten Fassung präsentiert werden. Möglich wurde die Restauration durch zahlreiche Spenden aus der Bevölkerung.

„Und alsbald war da bei den Engeln die Menge der himmlischen Heerscharen, die lobten Gott und sprachen: Ehre sei Gott und Friede auf Erden bei den Menschen seines Wohlgefallens“, heißt es im Lukas-Evangelium (2, 10-14). Genau diesen Moment der Weihnachtsgeschichte fange das Gemälde eines italienischen Barockmalers ein, das ihm vor anderthalb Jahren im Archiv des Hohenwestedter Heimatmuseums ins Auge fiel, erläutert Pastor Christian Carstens.

Der offenkundig mit der ganzen Situation im Stall von Bethlehem etwas überforderte Josef verweise auf eine weitere Bibelstelle (Matthäus, 1, 19): „Josef aber, ihr Mann, war fromm und wollte sie nicht in Schande bringen, gedachte aber, sie zu verlassen.“ „Er ist am Grübeln und kann sich die Geschichte nicht erklären“, sagt Carstens über Josef, der auf dem Bild hadernd links neben Maria und ihrem sehr klein dargestellten Jesuskind sitzt. „Das Ungewöhnliche an diesem Bild sind seine unheimlich vielen Details“, vermerkt der Pastor mit Blick auf die mit Lauten und Harfen musizierenden „himmlischen Heerscharen“, kindliche Engelsgruppen, einen Esel, einen Ochsen und einen Hund. Wobei der Hund thematisch zum grübelnden Josef passt. „Der Hund galt als Tier der Schande“, weiß Carstens, der im Nebenfach Kunstgeschichte studiert hat, „der Hund ist ein Symbol für Schande, Armut und dafür, dass im Leben etwas schief gelaufen ist.“

Als der Geistliche das Bild im Museumsarchiv entdeckte, sei es „total verdreckt“ und „in einem schlimmen Zustand“ gewesen: „Aber beim zweiten Hingucken erkannte man ein Krippenmotiv, das mindestens 300 Jahre alt sein muss.“ Carstens’ erste zeitliche Einschätzung des Kunstwerks, das Ende des 19. Jahrhunderts aus Meran nach Hohenwestedt kam, hat sich bestätigt: Das Gemälde des namentlich nicht bekannten italienischen Malers wird auf das Ende des 17. Jahrhunderts datiert.

Mit Erfolg rief der Museumsverein Hohenwestedt zu Spenden für die Bildrestauration auf. „Es kamen 2550 Euro zusammen“, berichtet der 1. Vorsitzende des Museumsvereins, Heino Redinger, „die Restkosten hat unser Verein übernommen.“ 3000 Euro hat die Restauration gekostet, die Andrea Junken (Wedel) von April bis Oktober vorgenommen hat.

Beim Gottesdienst in der Peter-Pauls-Kirche am Sonntag, 15. Dezember (18.30 Uhr), wird das restaurierte Gemälde enthüllt. Pastor Carstens wird sich in seiner Predigt mit dem Kunstwerk befassen, und die Peter-Pauls-Kantorei singt weihnachtliche Lieder. Nach dem Gottesdienst folgen drei Programmpunkte: die offizielle Übergabe des Gemäldes vom Museumsverein an die Kirche (als Dauerleihgabe), ein Beamer-Vortrag der Restauratorin Andrea Junken und eine Lesung von Udo Irschik aus dessen Kurzkrimi „Boccia, Kunst und Leiche“ (in dem eben jenes Krippengemälde aus dem Hohenwestedter Bürgerbüro, wo es ein paar Wochen ausgestellt war, gestohlen wird).

 

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