zur Navigation springen
Landeszeitung

16. August 2017 | 19:45 Uhr

Hohn : Geheimaktion im Flugzeughangar

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Militär-Transportmaschine des Lufttransportgeschwaders 63 aus Hohn erhält eine farbenfrohe Lackierung. Zwei Jubiläen sind der Grund.

Die großen Tore der Halle West auf dem Nato-Flugplatz Hohn sind fest verschlossen. Das verhindert neugierige Blicke, denn was im Innern passiert, wollen die Soldaten des Lufttransportgeschwaders (LTG) 63 noch geheim halten. In dem großen Flugzeughangar wird jedoch keine militärische Operation vorbereitet. Stattdessen geht es um eine Geburtstagsüberraschung: Das Hohner Geschwader feiert in diesem Jahr seinen 55. Geburtstag, und die Luftwaffe wird 60 Jahre alt. Grund genug für das LTG, einer ihrer Transportmaschinen einen Jubiläumsanstrich zu verpassen. Obwohl erst am Tag der Bundeswehr am 11. Juni (siehe Artikel rechts) so richtig auf dem Flugplatz gefeiert werden soll, durfte die Landeszeitung schon einmal einen Blick in den Hangar werfen.

Oberleutnant Eugen Hensel schickte als Projektoffizier „Sonderlackierung“ gleich vorweg: Wie die Transall C-160 aussieht, wenn sie fertig lackiert ist, wird noch nicht verraten. Nur so viel: Die beiden Lackierer Gerd Klemmer, der als Zivilist beim Geschwader angestellt ist, und Hauptgefreiter Torge Eichert haben die Maschine mit einer Länge von rund 32 Metern und 40 Metern Spannweite in den ersten Tagen bereits mit blauer Farbe besprüht. Bis sie in etwa einem Monat fertig sind, folgen noch viele Arbeitsschritte mit weiteren Farben.

Einer Transall einen anderen Anstrich zu verpassen ist vor allem eines: viel Handarbeit. Nicht nur der Lack wird derzeit nach und nach mit einer Spritzpistole aufgesprüht. Vorher musste die Maschine gesäubert werden. „Es gibt keine Flugzeug-Waschanlage“, sagte Eugen Hensel. Deshalb waren bis zu zehn Soldaten eine Woche lang damit beschäftigt, die Außenhaut mit Hochdruckreinigern, Schrubbern und Wurzelbürsten zu waschen. Dann folgte die noch schweißtreibendere zweite Phase: Damit der Lack hält, musste die gesamte Außenhaut der Maschine aufgeraut werden. Damit wurde eine Mannschaft aus 20 Soldaten beauftragt, die mit nichts anderem als Schmiergelpapier jeden einzelnen Quadratzentimeter abgeschliffen haben. Eine Arbeit, die ebenfalls eine Woche dauerte. „Grob geschätzt beträgt die Körperoberfläche der Transall 2000 Quadratmeter“, sagte der Oberleutnant. Schleifmaschinen seien am Flugzeug tabu, um beispielsweise keine Nieten zu beschädigen. Das würde unter Umständen die Flugsicherheit beeinträchtigen.

Das Projekt ist Neuland für Hensel und viele andere Soldaten des Geschwaders: „Das Besondere ist, dass sonst kein gesamtes Luftfahrzeug nur mit einer kleinen Pistole lackiert wird.“ Üblicherweise übernehme der Hersteller die Farbgebung, am Standort werden höchstens einmal Einzelteile lackiert. 500 Liter Farbe sind nötig, um das Flugzeug komplett zu besprühen, und die werden auch noch mit einer Menge Verdünner gestreckt. Am Ende wird die Transall noch mit bis zu drei Schichten Klarlack überzogen.

Als Jubiläumsmaschine haben sich die LTG-Soldaten eine Transall ausgesucht, die ohnehin bald in den Ruhestand geht. Das gute Stück tut seit 44 Jahren ihren Dienst für die Luftwaffe. In dieser Zeit hat die Maschine fast 13  000 Flugstunden absolviert. Wenn zugrunde gelegt wird, dass eine Transall mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 470 Kilometern pro Stunde unterwegs ist, hat dieses Flugzeug bereits gut 6,1 Millionen Kilometer zurückgelegt. Damit hat es den Erdball rechnerisch mehr als 150 Mal umrundet.

Auch der stellvertretende Kommodore des LTG 63, Oberstleutnant Thies Voigt, wollte noch nichts über die spektakuläre Lackierung verraten. Er sagte: „Ich habe die Entwürfe gesehen, es wird klasse aussehen. Ich freue mich sehr darauf.“ Nach der Fertigstellung wollen die Hohner Soldaten sie so schnell wie möglich präsentieren. Ihren ersten Auftritt soll sie Pfingsten beim Flugplatzfest Rendsburg-Schachtholm haben. Einen Monat später soll sie dann der Blickfang am Tag der Bundeswehr werden. Bis September bleibt die werbeträchtige Maschine im Dienst, dann wird sie ein Ausstellungsstück.

zur Startseite

von
erstellt am 06.Mär.2016 | 13:41 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen