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Landeszeitung

17. August 2017 | 22:00 Uhr

Gefeierter Saison-Abschluss

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Freiburger Barockorchester und Kristian Bezuidenhout spielten das letzte SHMF-Konzert in der Region

Ein Glücksfall für das Schleswig-Holstein Musik Festival war es, dass sein Intendant Dr. Christian Kuhnt während einer Autofahrt Musik hörte, die ihn verzauberte: Es war von Felix Mendelssohn das Konzert für Violine, Klavier und Orchester mit Kristian Bezuidenhout und dem Freiburger Barockorchester mit Gottfried von der Goltz (Violine und Leitung). An dem Erlebnis im Auto sollten alle teilhaben, beschloss er daraufhin spontan.

Gespür für besondere Qualität, die ankommt, hat Christian Kuhnt. Die Werke von Joseph Haydn (Ouvertüre zu Orlando Paladino, Sinfonie G-Dur Hob, I:81), Wolfgang Amadeus Mozart (C-Dur-Klavierkonzert KV 415) und Felix Mendelssohn verzauberten beim Lauschen. Das zeigten am Mittwoch die Reaktionen in der ausverkauften Thormannhalle. Damit wurde auch das letzte SHMF-Konzert dieser Saison zu einem Höhepunkt im Musikleben der Region.

Des Intendanten Hörerfreuden übertrugen sich auf alle. Nicht nur die Werkauswahl passte, es war das Musizieren des Freiburger Barockorchesters: 33 Könner mit ihren Instrumenten, die so spielten, als wären sie ein Riesenorganismus mit 66 Händen, das „Orchester“ heißt. Dazu Kristian Bezuidenhout, der sich als 34. Mitglied mit besonderer Rolle ebenfalls in den Dienst der Komponisten stellte. Es wurde zu einem besonderen Feinhör- und Seherlebnis, ihn vor dem Hammerflügel (Vorgänger des modernen Flügels, mit Holz- anstatt Stahlrahmen für die Saiten) kauern zu sehen, wie er sich mit ganzem Körpereinsatz den Tasten widmete. Dem Musiker gelang es, aus dem Instrument mit feinster, sensibler Anschlagskultur perligen, spritzig leichten Klavierklang hervorzuzaubern.

Bezuidenhout spielte vor dem atemlos stillen Publikum so intensiv und gefühlvoll, dass man selbst bei Einzel-Tönen nicht zu atmen wagte. Dazu die Einsätze des Orchesters: Mit nahtlosen Übergängen entstanden so großartige Zuhörwerke der besonderen Art.

So auch in dem Mendelssohn-Konzert für Violine und Klavier mit Gottfried von der Goltz als weiteren Solisten, den im ersten Satz die Umstände hörbar herausforderten. Mit historischem Instrument ist auch ein Meistergeiger vor den Tücken hoher Temperatur und Luftfeuchtigkeit nicht gefeit. Leichtigkeit und Virtuosität im Wettlauf mit den flinken Fingern Bezuidenhouts litten jedoch kaum darunter. Feurig, kraftvoll und akzentuiert begann die Haydn-Sinfonie: „Sahneklang“ des Orchesters, mit Witz und Gespür für Ironie gespielt, wurde das Ensemble erst nach einer Zugabe und zweieinhalb Stunden Konzert entlassen. Der krönende Abschluss einer großen Festival-Saison machte Appetit auf mehr im nächsten Jahr.

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