Jüdisches Museum : Geburtstag und Neuorientierung

Lernwerkstatt: Museumsleiter Dr. Carsten Fleischhauer und Dr. Silke Ettling, Teamleitung Bildung und Vermittlung, begutachten die Station, an der Gäste die Wirkung von Bildern erfahren sollen.
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Lernwerkstatt: Museumsleiter Dr. Carsten Fleischhauer und Dr. Silke Ettling, Teamleitung Bildung und Vermittlung, begutachten die Station, an der Gäste die Wirkung von Bildern erfahren sollen.

Jüdisches Museum feiert 30-jähriges Bestehen / Ausstellungen sollen überarbeitet werden. Dialog mit dem Publikum erwünscht.

shz.de von
28. Mai 2018, 09:28 Uhr

Rendsburg | Das Jüdische Museum feiert in diesem Jahr sein 30-jähriges Bestehen. Im November ist aus Anlass des Geburtstags ein großer Festakt geplant. Auch Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) wird dabei sein. Zuvor startet das Museum ein Jubiläumsprojekt. Den Besuchern werden neue „Module“ präsentiert, bis Oktober insgesamt zehn Stationen. Sie sollen zur Neuorientierung des Museums beitragen. Die erste Station eröffnet am kommenden Freitag, 1. Juni.

Das Museum ist in einer Synagoge beheimatet. Von 1942 bis Ende der 70er-Jahre wurde an dem Standort eine Fischräucherei betrieben, nachdem der Jüdischen Gemeinde das Gebäude auf „scheinlegalem“ Weg von den Nationalsozialisten genommen wurde, berichtet Museumsleiter Carsten Fleischhauer. 1981 wurde das Objekt unter Denkmalschutz gestellt. Nach einer Sanierung übernahm zunächst der Rendsburger Kulturkreis die Trägerschaft. Seit 1988 begann das Jüdische Museum mit Forschungsarbeiten und Ausstellungen in der Prinzessinstraße. 2002 gab der Rendsburger Kulturkreis die Trägerschaft ab. Seitdem befindet sich in dem Gebäude nur noch das Jüdische Museum, das zur Stiftung Landesmuseen gehört.

Die Ausstellung will den Geburtstag zum Anlass nehmen, sich neu zu orientieren. Fleischhauer berichtet, dass bei Publikumsbefragungen in den vergangenen beiden Jahren herauskam, dass die Gäste ein großes Interesse an historischen Themen, vor allem auch an der jüdischen Geschichte nach 1945 haben. Zudem würden sie sich verstärkt interaktive Vermittlungsangebote wünschen.

Bei der Sonderausstellung „Exodus“ habe man dies umgesetzt und sei „durch den Zuschauerzuspruch sehr bestätigt“ worden. Es ist die erste große Sonderschau zur Geschichte nach 1945 und wurde – ebenfalls erstmalig – durch ein interaktives Vermittlungsangebot ergänzt. Die Gäste haben in einer „Lernwerkstatt“ Gelegenheit, eine eigene Museumszeitung zu kreieren: Fotos aus der Ausstellung können mit einer Vielzahl an Schlagzeilen kombiniert werden. So sollen die Besucher erfahren, „dass ein und dasselbe Bild für verschiedene Aussagen genutzt werden kann“ und so verschiedene Botschaften transportieren kann, so Fleischhauer. Finanziell unterstützt werden die Vermittlungsangebote von der „Aktivregion Eider- und Kanalregion Rendsburg“.

Auch die Stationen des Jubiläumsprojekts sollen den Besucher zum Mitmachen anregen. Am kommenden Freitag wird eine Weltkarte aufgestellt, auf der die Gäste jüdische Gedenkorte und Museen einzeichnen sollen, die sie besucht haben. Bei einer zweiten Station sollen sie ihre Gedanken dazu äußern, was sie sich von dem Museum erwarten. Auch Forderungen hinsichtlich der Aufbereitung der Ausstellungen können eingebracht werden. Die Module des Jubiläumsprojekts sollen einen Dialog mit den Besuchern ermöglichen, berichtet Silke Ettling, Teamleiterin des Bereichs Bildung und Vermittlung.

Das Feedback, das die Gäste hinterlassen, soll ausgewertet werden – „dann heißt es, in die Hände spucken, dass wir die nächsten 30 Jahre erfolgreich gestalten können“, so Fleischhauer. Alle Dauerausstellungen sollen in der Folge – beeinflusst von dem eingeholten Feedback – überarbeitet werden.

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