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Rendsburger Innenstadt : Gebrechen vorgetäuscht? Die miesen Tricks eines Bettler-Trios

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Zwei Männer und eine Frau geraten in Rendsburg ins Visier der Behörden: Die Bettler gaukeln den Passanten Gebrechen vor, um Mitleid zu erregen.

Rendsburg | Es geht dem Mann sichtlich schlecht: Er zittert am ganzen Leib, das Gesicht wirkt schmerzverzerrt, mit der rechten Hand stützt er sich auf eine Krücke, mit der linken hält er den Passanten in der Hohen Straße einen Becher aus Pappe entgegen. Er bettelt – und er ist erfolgreich. Nach einer Viertelstunde hat der zwischen 20 und 30 Jahre alte Mann so viel Geld eingesammelt, dass er den Becher leeren muss. Die Münzen sollen in einer Tasche verschwinden. Und dann die Überraschung: Während er das Geld verstaut, hört für einen Moment das Zittern auf. Selbst auf die Krücke kann er kurz verzichten. Alles nur vorgetäuscht? „Das ist eine ganz üble Masche“, sagt ein Geschäftsmann, der den Bettler und zwei seiner Mitstreiter seit Tagen in der Rendsburger Innenstadt beobachtet.

Der Unternehmer, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, ist überzeugt davon, dass die Bettler körperliche Gebrechen nur vorgeben, um Mitleid zu erzeugen und die Passanten somit zum Geldgeben zu animieren. Er hat beobachtet, dass sich die offensiv zur Schau getragenen körperlichen Einschränkungen nach Geschäftsschluss quasi in Luft auflösen. „Ich wollte wissen, was die Bettler nach Feierabend machen und bin ihnen nachgegangen“, erklärt er gegenüber der Landeszeitung. Die Schnorrer-Kolonne bestand aus zwei Männern und einer Frau. Sie gingen in Richtung Obereiderhafen. Ohne Krücken, ohne Zittern. Auf einem Parkplatz neben einem Fitness-Studio wartete ein Auto. Die Bettler stiegen ein und fuhren davon.

Für die Polizei ist die Mitleidsmasche nicht überraschend, aber nach juristischen Maßstäben schwer zu greifen. Wenn ein Bettler eine schwere Erkrankung vortäusche, um sein Ziel zu erreichen, sei das moralisch verwerflich, sagt Rainer Wetzel, Sprecher der Polizeidirektion Neumünster. Ein Betrug im rechtlichen Sinne liege jedoch nicht vor. Hinzu kommt: „Grundsätzlich ist das Betteln nicht verboten.“

Allerdings müssen sich auch Bettler an Regeln halten, wenn sie nicht mit dem Gesetz in Konflikt kommen wollen. Die Behörden unterscheiden zwischen normalem und aggressivem Betteln. Was das bedeutet, schildert Matthias Galow, Leiter des Fachdienstes Ordnung und Verkehr im Rendsburger Rathaus: Wenn sich ein Bettler in der Fußgängerzone mit seinem Hund niederlässt und um Geld bittet, „kann jeder Passant frei entscheiden, ob er etwas spenden will oder einfach vorbeigeht“. Wer jedoch aktiv auf die Bürger zugeht, kann schnell ein Problem mit den Ordnungskräften bekommen. „Die Passanten sollen sich nicht zum Spenden genötigt sehen“, so Galow. Sollte das geschehen, wäre für den Fachdienst Ordnung und Verkehr die rote Linie überschritten. „Wir haben eine Absprache mit der Polizei, dass die Bettler dann des Platzes verwiesen werden.“ Ebensowenig ist für den Fachdienstleiter tolerierbar, „wenn die über die Mitleidsschiene kommen.“ Er kündigt an, die aktuellen Geschehnisse zu prüfen.

Das massive Auftreten der Bettler in dieser Woche sorgt in der Innenstadt für Unruhe. „Das ist geschäftsschädigend“, sagt Anke Samson von RD-Marketing. Sie habe nichts gegen Bettler, denen es tatsächlich schlecht geht, wehre sich aber dagegen, wenn hinter diesem Auftreten „offenbar betrügerische Machenschaften stecken“. Auf dem Weihnachtsmarkt werde man aggressives Betteln nicht tolerieren – und bei Verstößen die Polizei rufen.

Doch so leicht lassen sich die Bettler nicht verschrecken. Denn das Schnorren kann sich lohnen. Auf dem Schiffbrückenplatz versuchten sie am Montag ihr Glück. Einer von ihnen ging auf Passanten zu und hielt ihnen seinen Pappbecher unter die Nase. „Die wollen die Vorweihnachtszeit ausnutzen“, sagt Polizist Wetzel. Ihm ist eine Kontrolle in Neumünster in Erinnerung, an der er selbst teilgenommen hat. Eine Bettlerin war ins Visier der Ermittler geraten. Als die Beamten die Ausbeute einer Stunde sahen, waren sie überrascht: 50 Euro in kleinen Münzen.

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erstellt am 22.Dez.2016 | 12:12 Uhr

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