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Landeszeitung

18. Oktober 2017 | 12:14 Uhr

Gastwirte bangen um ihre Existenz

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Oldenhüttener Gastronomen befürchten, dass ihnen nach Fertigstellung des Dorfgemeinschaftshauses die Gäste ausbleiben

shz.de von
erstellt am 05.Feb.2016 | 11:07 Uhr

Ihren Gasthof gibt es seit 1889, immer war er in Familienhand. Doch jetzt haben Klaus-Hinrich („Hinner“) Speck und seine Frau Heidi Angst um ihre Existenz. Der Grund: In der 160-Seelen-Gemeinde Oldenhütten soll ein neuer Feuerwehr-Bau samt Dorfgemeinschaftshaus entstehen. Der Grundsatzbeschluss dafür wurde bereits einstimmig angenommen.

„Mit uns hat niemand darüber gesprochen, dass auch ein Dorfgemeinschaftshaus geplant ist“, berichtet Heidi Speck. „Wir wollen weder Streit noch Gehetze, aber wir haben Angst um unsere Existenz“, so die Gastwirtin, „gegen ein neues Feuerwehrgerätehaus haben wir nichts.“ Ihre Befürchtung ist, dass in dem Dorfgemeinschaftshaus Versammlungen und kleinere Feiern stattfinden könnten, die ansonsten in Speck’s Dörpskrog ausgerichtet werden würden. Bares Geld, das der Familie dann fehlen würde. Tatsächlich ist in dem geplanten Gebäude, das eine Grundfläche von 195 Quadratmetern haben soll, neben einem Fahrzeug- und Geräteteil für die Feuerwehr auch ein Schulungsraum von knapp 50 Quadratmetern sowie sanitäre Anlagen und eine Küche mit etwa acht Quadratmetern vorgesehen.

Bürgermeister Eggert Rohwer aber verspricht: „Das Dorfgemeinschaftshaus soll in keinster Weise zur Konkurrenz für unseren Dorfkrug werden. In allererster Linie wird es zur Ausbildung der Feuerwehr genutzt.“ Die örtliche Wehr habe 20 aktive Mitglieder. Das Gebäude allerdings sei 1954 erbaut und seither nur einmal im Jahr 1975 erweitert worden. „Das Feuerwehrgerätehaus ist nicht isoliert. Im Winter ist man nach spätestens 30 Minuten komplett durchgefroren“, so Rohwer. Die Feuerwehr-Unfallkasse hat den Bau in der Vergangenheit außerdem mehrfach beanstandet. Umbau und Sanierung seien weder wirtschaftlich noch zweckmäßig, warb die Gemeinde für einen Neubau. Um Fördergelder von der Aktiv-Region Mittelholstein bekommen zu können, muss aber ein Dorfgemeinschaftshaus angegliedert werden – Feuerwehrgerätehäuser sind nämlich nicht förderfähig. Der Vorstand der Aktiv-Region hat mittlerweile seine Zustimmung gegeben. Somit ist ein Zuschuss von gut 95  000 Euro gesichert – und die Entscheidung für ein Dorfgemeinschaftshaus damit gefallen. Der verbleibende Gemeindeanteil beträgt rund 270  000 Euro.

Familie Speck, zu der auch Sohn Ole gehört, erschließt sich aber noch nicht, wer das Dorfgemeinschaftshaus nutzen soll, es gebe keine Vereine oder Freizeit-Gruppen. Genau hier setzen die Hoffnungen des Bürgermeisters an: Mit dem dann zur Verfügung stehenden Raum könnten sich neue Aktivitäten im Dorf entwickeln. Er denkt etwa an einen Treffpunkt für junge Eltern mit ihren Kindern oder daran, dass hier nun die räumlichen Begebenheiten für eine musikalische Früherziehung geschaffen werden. „Das sind alles Dinge, die dann möglich wären, die aber ohnehin nicht im Gasthof stattgefunden hätten“, argumentiert Rohwer, warum es nicht zu einer Konkurrenz-Situation kommen wird. Er möchte seinem Dorf die Möglichkeit geben sich zu entwickeln. Tatsächlich verfügt Oldenhütten über keine öffentlichen Gebäude, nutzt Kindergarten und Sportanlage der Nachbargemeinde Bargstedt und beteiligt sich an den Betriebskosten der Einrichtungen. Eggert Rohwer sieht sogar eine Chance für den Betrieb der Specks: „Wenn durch das Dorfgemeinschaftshaus ein bisschen mehr Leben in Oldenhütten entsteht, könnte sich daraus auch die ein oder andere Veranstaltung entwickeln, die dann im Dörpskrog stattfindet.“ Was da sei, solle in jedem Fall auch da bleiben, positioniert er sich für die Gaststätte. „Wir sind doch nicht verrückt und graben uns selbst das Wasser ab, immerhin finden hier auch alle unsere Gemeindeversammlungen statt“, so Rohwer, der verspricht, dass das auch in Zukunft so bleiben soll.

Den 17-Jährigen Ole Speck würde das sehr freuen. Er macht derzeit in Hohenwestedt eine Ausbildung zum Koch und möchte irgendwann einmal den Familienbetrieb fortführen. Er habe schon als kleines Kind beim Pudding kochen zugesehen, und immer nur Landwirt oder Koch werden wollen. „Man muss Idealist sein, um heutzutage einen Landgasthof zu führen“, sagt Hinner Speck, der weiß, wie verbunden sein Sohn mit Oldenhütten ist. Die Familie ist bereit, in Zukunft in die Gaststätte zu investieren. Specks wünschen sich, dass man sich „mehr miteinander unterhält und sich gegenseitig kennenlernt“. Am 16. Februar findet bei ihnen ab 19 Uhr eine Einwohnerversammlung statt. Dann steht auch das Dorfgemeinschaftshaus auf der Tagesordnung. Sowohl Specks als auch Rohwer wünschen sich dann eine rege Beteiligung.

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