Der Landgasthof „Eiderkrug“ in Breiholz : „Gastronomie ist mein Leben“

Früher wurde hier auch noch Landwirtschaft betrieben: Der „Landgasthof Eiderkrug“ in Breiholz liegt abseits der Hauptstraße.
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Früher wurde hier auch noch Landwirtschaft betrieben: Der „Landgasthof Eiderkrug“ in Breiholz liegt abseits der Hauptstraße.

Jessica Jeß (32) hat vor neun Jahren den „Eiderkrug“ von ihrem Großonkel übernommen. Seitdem wurden der Gastraum und der Saal modernisiert. Großmutter und Mutter helfen ihr im Betrieb. Und zum Stammtisch kommen Jäger, Feuerwehr und Handballer.

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17. Juli 2015, 11:38 Uhr

Der „Eiderkrug“ liegt nicht direkt an der Hauptstraße wie so manch anderer Landgasthof. Das mag damit zu tun haben, dass die Eider früher noch direkt hinter dem Haus verlief. „Es gab eine kleine Anlegestelle“, weiß Jessica Jeß. Wenn die Schiffe fest machten, nutzten die Kapitäne die Gelegenheit, um in der Wirtschaft einen Schluck zu trinken. Der Fluss ist vom Haus aus nicht mehr zu sehen. Nur der Name der Straße erinnert noch an die Lage: Eiderweg. Kapitäne kommen ebenfalls keine mehr – dafür haben einige Vereine hier ihren Stammtisch. Und in den fast zehn Jahren, die Jessica Jeß den Krug jetzt betreibt, hat sie sich ein kleines Stammpublikum aufgebaut.

„Früher gab es in Breiholz sieben Gaststätten“, erzählt die Gastronomin. Dass der „Eiderkrug“ als einziger Gasthof mit Saalbetrieb erhalten blieb, ist der Überredungskunst von Jessica Jeß’ Tante und dem Mut der jungen Frau zu verdanken. Die heute 32-Jährige zog es zwar früh in die Gastronomie, aber sie hatte nie vor, den Betrieb ihres Großonkels Herbert Junge zu übernehmen. Dessen Großvater Jürgen Junge war 1928 Besitzer der Gastwirtschaft geworden. Die Familie lebte in der Wohnung über dem Gasthaus in der Eiderweg 22. „Meine Oma wurde hier geboren“, erzählt Jessica Jeß. „Sie hat immer in der Gastwirtschaft mitgeholfen – und hilft auch heute noch, genau wie meine Mutter.“

Mariechen Junge, geborene Rambadt, ist inzwischen über 70 Jahre alt. Historische Unterlagen oder Fotos vom „Eiderkrug“ hat sie allerdings nicht. Ein Bild gibt es in der Dorfchronik. Und einige Feuerwehrfotos an den Wänden zeugen von der Historie des Hauses. Wie bei vielen Gasthöfen wurde anfangs noch Landwirtschaft betrieben – „mit Kühen und Schweinen“, das weiß sie aus Erzählungen der Großmutter. Heute liegt der Gasthof neben einem Bauernhof, schräg gegenüber ist auch ein landwirtschaftlicher Betrieb angesiedelt.

Jessica Jeß ist in Breiholz aufgewachsen. Als sie ein Praktikum im Rendsburger „Conventgarten“ machte, war ihre Mutter enttäuscht. Sie hatte sich einen anderen Berufsweg für die Tochter gewünscht. Doch die stellt noch heute fest: „Gastronomie ist mein Leben“. Es folgten eine Ausbildung im „Försterhaus“ in Owschlag und eine Zeit im Hamburger Hotel Atlantik. „Aber das war nicht meine Welt“, erklärt die Gastronomin. Wer sie zwanglos mit den Gästen Plattdeutsch schnacken hört, glaubt es sofort. Dann erfüllte sich die aparte junge Frau einen Traum und wurde Stewardess. Aus gesundheitlichen Gründen musste sie den Beruf aufgeben, arbeitete beim „Waldschlösschen“ in Schleswig und machte den Abschluss als jüngste Hotelmeisterin in Schleswig-Holstein. Küche, WC und Gastraum hat die Gastwirtin gleich zu Beginn der Übernahme erneuern lassen. Vor fünf Jahren wurde der Saal renoviert. Mit Fingerspitzengefühl gelingt der jungen Frau die Balance zwischen ländlicher Tradition und modernem Anspruch. Mit fünf Tischen ist der Gastraum klein und ein Mittagsangebot „lohnt sich nicht, dafür sind wir zu weit ab vom Schuss“. Sie sagt wir, denn ihr Team – zwei feste Köchinnen und Hilfen im Service – sind für sie ein wichtiger Bestandteil des Betriebes.

Jessica Jeß ist bewusst, dass das Äußere ihrer gastlichen Stätte sehr schlicht ist. Aber sie weiß um die inneren Werte – wie den wunderschönen Saal, in dem einmal im Monat 140 Personen zum Brunch zusammenkommen. „Im August sind wir schon für Weihnachten ausgebucht“, sagt die Gastronomin. Die Gäste erwartet ein herzlicher Service durch die Chefin, die sich zudem um den Einkauf, die Abrechnungen, die Menü-Absprachen kümmert. Die Tageskarte ist zwar klein. Aber: „Wir bieten gute Portionen zu guten Preisen“, sagt die Gastronomin selbstbewusst. Ihre La Flutes werden geschätzt und auch außer Haus verkauft. An ihrem Stammtisch sitzen zwei Sparclubs, Feuerwehr, Jäger und die Handballer der Spielgemeinschaft Eider-Harde. Endzeiten gibt es nicht. „So lange Gäste da sind, habe ich geöffnet“. Wenn Jessica Jeß abschließt, muss sie nur wenige Stufen hinaufsteigen. Sie lebt in der Wohnung über der Gaststätte, in der schon ihre Oma geboren wurde.

HISTORIE

> 1920 Timm Pahl übergibt den Gasthof im Eiderweg 22 an H.Ch. Bleß

> 1922 im März brennt der Gasthof nieder

> 1928 Jürgen Junge übernimmt die Wirtschaft

> bis Ende 2005 betreibt Herbert Junge den Gasthof

> 1.1.2006 offizielle Übernahme durch Jessica Jeß

> Informationen: www.landgasthofeiderkurg.de

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