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Landeszeitung

19. Oktober 2017 | 06:18 Uhr

Ganz nah dran an den Menschen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Museen im Kulturzentrum präsentieren Fotografien von Torben Weiß – Kulturpreisträger 2012/2013 des Rotary Clubs Mittelholstein

von
erstellt am 27.Okt.2013 | 15:55 Uhr

Zwei Geweihe, die Möbel aus Eiche rustikal und Felle auf der Sofalehne – so sieht es im Wohnzimmer eines Schweißhundeführer in Wittgenstein aus. Ganz anders dagegen das zu Hause einer Teepflückerin in Kurseong: Raue hölzerne Wände in Türkis, an denen ein farbenfrohes Kinderbild hängt. Ob in der deutschen Psychiatrie, in isländischen Wohnzimmern oder bei Arbeitern der Darjeeling-Tee-Bahn – eines ist den Aufnahmen von Torben Weiß gemeinsam: Die Menschen schauen ganz entspannt und ohne Scheu in seine Kamera.

Im Februar 2012 wurde Torben Weiß mit dem Kulturpreis des Rotary Club Mittelholstein ausgezeichnet. Neben dem Preisgeld ist damit eine Ausstellung verbunden – die Martin Westphal jetzt in den Museen im Kulturzentrum ausrichtet. Und das macht er gerne, denn „Torben Weiß ist ein frischer, junger Fotograf, der eine bemerkenswerte Sicht auf die Welt hat“. Aber nicht nur seine Sichtweise zeichnet den 32-jährigen Hamburger aus, sondern auch seine technische Qualität. „Schauen Sie sich dieses Bild an“, sagt Peter Rathmann und deutet auf eine Szene in einer Berghütte. Links durch das Fenster fällt kaltes Tageslicht, der rechte Teil des Raumes ist dagegen von warmen Gelb erfüllt. Denn Torben Weiß nutzt das natürlich Licht. Als weitere Quelle dient ihm höchstens ein kleiner Aufhellblitz, weiß Rathmann, selbst ein Profi im Umgang mit der Kamera. Der Mann aus Fockbek ist ein renommierter Food-Fotograf und Mitglied im Rotary Club. Der junge Fotograf arbeitet außerdem lediglich eine 6-Millionen-Megapixel Kamera von Nikon und beweist damit: „Ein gutes Bild beginnt im Kopf“. Nicht die Ausrüstung ist ausschlaggebend, sondern die Idee gepaart mit Sensibilität, erklärt Peter Rathmann. Aber auch Zeit ist nötig. Zeit, auf die Menschen zuzugehen, mit ihnen zu reden, ihr Vertrauen zu gewinnen. Diesen Einsatz, so Rotray-Präsident Ralf Diez, sieht man den Bildern an. Ein weiteres Geheimnis seines Erfolges: „Torben Weiß verwendet kein Teleobjektiv und fotografiert auf der Ebene des normalen Sehens“, erläutert Peter Rathmann. Das heißt: Seine Aufnahmen sind immer Querformate.

Der Mensch und seine Umwelt stehen im Mittelpunkt der Arbeit – egal ob in Deutschland, Darjeeling oder Island. Es sind Bilder aus diesen drei ganz unterschiedlichen Bereichen, die in der Rendsburger Schau präsentiert werden. Quasi eine Kostprobe auf das Schaffen des jungen Mannes, der bereits für Auftraggeber wie den Stern, National Geographic und Geo gearbeitet hat. Doch „ich investiere so viel Zeit wie möglich in freie Projekte“, sagt er. Möglich macht ihm das ein – nach seinen eigenen Worten – relativ bescheidener Lebensstil. Da ist Unterstützung wie durch den Rotary-Kulturpreis natürlich willkommen. Neben Preisgeld und Ausstellung beinhaltet dieser auch die Produktion eines Buches zur Schau. Peter Rathmann unterstützte seinen jungen Kollegen dabei, der das Werk in seinem eigenen Verlag heraus gebracht hat (Erdgeschoss Verlag), denn er ist diplomierter Designer.

Auf jeden Fall sollte der Museumsbesucher ganz nah herangehen an die Bilder. So wie der Fotograf ganz nahe bei den Menschen war. Und dann sollte sich der Betrachter Zeit lassen und ganz genau hinsehen.

Ausstellung: Fotografien von Torben Weiß.

Eröffnung am heutigen Sonnabend, 17 Uhr, Museen im Kulturzentrum. Der Fotograf ist anwesend.

Laufzeit: bis 8. Dezember. Öffnungszeiten: Di.–Fr. 10–18 Uhr, Sa. + So. 10–17 Uhr.

Buch zur Ausstellung: 24 Euro in der Ausstellung, später 29 Euro im Buchhandel. Limitierte Auflage von 100 Stück mit einer Originalfotografie, handsigniert, 40 Euro.

Internet: www.torbenweiss.de

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