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Bilanz : Ganz mieses Jahr für die Störche

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Nach Starkregen, kalten Nächten und Revierkämpfen: Sehr viele Jungtiere in der Region überlebten die vergangenen Monate nicht.

Sein bislang schlechtestes Ergebnis im Rahmen der Bilanz über die Storchenpopulation musste Jürgen Lustig verkünden. „Nachdem wir die Beringungen der Jungstörche abgeschlossen haben, liegen nun die Zahlen vor“, sagte der Storchenbeauftragte, der für den Kreis Rendsburg-Eckernförde verantwortlich ist, während sein Kollege Jörg Heyna die Kreise Schleswig-Flensburg und Nordfriesland betreut, in Rendsburg-Eckernförde allerdings dieses Jahr auch mithalf. Vor den harten Fakten gab es aber erst mal warme Worte. „Wir möchten uns bedanken bei den vielen Helfern, die die Storchennester im Frühjahr überprüfen und wenn notwendig erneuern, und die uns behilflich waren bei der Beringung der Jungstörche“, sagte Lustig. Hierzu gehörten auch die Unternehmer, die mit Hebebühnen Unterstützung boten.

„Von den 75 geschlüpften Jungstörchen im Kreis Rendsburg-Eckernförde haben bis heute nur 34 überlebt. Dies ist mein schlechtestes Brutergebnis“, sagte Lustig. Im Kreis Schleswig-Flensburg lagen die Verluste bei 67 und im Kreis Nordfriesland bei 18 Küken. Im Storchendorf Bergenhusen überlebten von 42 ausgebrüteten Küken nur 13.

Im Kreis Rendsburg-Eckernförde sind 32 Nester belegt (Vorjahr 28). In 20 wurde gebrütet (Vorjahr 16). Zwölf Horstpaare waren ohne Junge (wie im Vorjahr). Im Vorjahr gab es nur 27 Jungstörche. 2011 allerdings noch 51, 2012 noch 56 und 2013 sogar 57.

Jörg Heyna hat insgesamt in den drei Kreisen 92 Jungstörche beringt. Die Zahl der Viererbruten hat erheblich abgenommen. In den drei Kreisen gab keine, wenige Dreierbruten und die Zahl der Paare ohne Bruterfolg war dieses Jahr sehr hoch. Und es gibt ein Überangebot an gut gepflegten, nicht genutzten Nestern. Die Neuansiedlungen sind hier sehr gering. 15 bis 20 Störche ziehen ohne Nestbindung in der Region herum. Diese „Halbstarken“ sorgen auch öfter für Unruhe in der Brutzeit.

In den Kreisen südlich des Nord-Ostsee-Kanals gab es keine extrem negativen Wettereinflüsse. So gibt es dieses Jahr in Schleswig-Holstein insgesamt rund 270 Paare, die wie im vergangenen Jahr etwa 370 Junge haben. In Hessen hat sich der Bestand von 270 Paaren in wenigen Jahren auf über 540 erhöht. Dies sind Auswirkungen eines veränderten Zugverhaltens.

Die ersten Störche kamen schon Anfang Februar in die Region. Es handelt sich um „Westzieher“, die im Süden Spaniens überwintern und hauptsächlich ihre Nahrung auf den Mülldeponien finden und nur einen kurzen Weg in ihre Brutregion hatten. Ihr Zugverhalten hat sich seit Jahren verändert. Innerhalb von 30 Jahren hat sich die Population der Störche in Spanien im Winter verzehnfacht – auf rund 60  000. Diese Westzieher sind geringeren Gefahren ausgesetzt als die Ostzieher, die in der Sahelzone und Südafrika überwintern. Die Anteile haben sich für die Westzieher um etwa 50 Prozent vergrößert. Die später ankommenden Ostzieher fanden oft ihr angestammtes Nest mit einem anderen Partner besetzt. Es kam zu Kämpfen, bei denen die Gelege oder auch die Küken aus dem Nest geworfen wurden. Dies ist ungewöhnlich in der vorkommenden Häufigkeit. Starkregenfälle Anfang und Ende Juni mit kühlen Nächten führten des Weiteren zu hohen Verlusten bei den Jungstörchen.

Die Jungstörche verendeten vielfach an Pilzinfektionen der Lunge. Diese Pilze sind in der Luft und auch in den Nestern in der Grassilage zu finden. Storchenküken im Alter von bis zu drei Wochen sind besonders anfällig, wenn sie nass werden. Auch die Tiermediziner wissen noch nicht, was man dagegen tun könnte. Besonders in der feuchten Grassilage, die die Störche in die Nester bringen, können sehr viele Pilze vorhanden sein.

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erstellt am 21.Jul.2017 | 12:57 Uhr

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