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Tackesdorf : Ganz entspannt am Schirm knabbern

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Gelassenheitsprüfung angestrebt: Auf dem Hof Reitmoor lernen Pferde, auch in ungewohnten Situationen Ruhe zu bewahren.

Ein raschelndes Blatt, ein vorbeihuschendes Tier, eine plötzliche Bewegung, oft reicht schon eine kleine Veränderung oder ein Geräusch, um ein Pferd scheuen zu lassen. Bei Ausritten im Gelände kann das zu gefährlichen Situationen führen. Besonders dann, wenn der Reiter nicht auf die Reaktion des Pferdes vorbereitet ist. „Pferde sind nun einmal Fluchttiere und nehmen die Umgebung anders wahr als der Reiter“, erklärt Regina Elmenthaler, Vorsitzende des Reitvereins Tackesdorf. Doch es gebe Möglichkeiten, Pferde zu desensibilisieren und sie weniger anfällig fürs Scheuen zu machen.

Wie das funktioniert, zeigte sie bei einem Tag des offenen Hofes auf Hof Reitmoor in Tackesdorf Süd. Mit spielerischen Übungen aus der Gelassenheitsprüfung (GHP) lernten Pferde, entspannter auf unvorhersehbare Situationen zu reagieren und mit Bedacht abzuwägen, ob wirklich unmittelbare Gefahr besteht, die eine Flucht rechtfertigt. „Gleichzeitig festigen die Übungen die Bindung zwischen Pferd und Reiter. Denn ob ein Tier ängstlich reagiert oder nicht, hängt auch vom Verhalten des Reiters ab“, erklärte die Pferdewirtin, Bereiterin und Turnier-Richterin. Die Übungen entsprechen ihr zufolge Alltagssituationen, bei denen das Pferd lernt, Ruhe zu bewahren und sich vom Menschen vertrauensvoll lenken zu lassen. Der natürliche Fluchtinstinkt des Pferdes werde dabei nicht unterdrückt, betonte Elmenthaler.

Die GHP umfasst zehn Aufgaben in einer vom Veranstalter festgelegten Reihenfolge und kann am Zügel geführt oder geritten werden. Bei der geführten Prüfung dürfen beispielsweise flatternde Luftballons, ein aufspringender Regenschirm, das Sprühen mit einer Wasserflasche, das Klappern mit einem Beutel oder mit einer vorbeifahrenden Schubkarre, eine knisternde Plane oder Bälle aus einer Hecke die Pferde nicht aus der Ruhe bringen. Wie in einer Schule vergibt ein Prüfer Noten. Die Note eins bedeutet: „Absolut gelassenes und fleißig schreitendes Pferd. Sehr gefühlvoller Reiter gibt meist unsichtbare Hilfen.“ Bei der Note sechs widersetzt sich das Pferd allen Hilfen und Übungen.
 Beim Training komme es deshalb darauf an, das Pferd behutsam und spielerisch an die Aufgaben heranzuführen. Dabei könne man sich die Neugier und Aufmerksamkeit des Tieres zunutze machen. Regina Elmenthalers Wallach „Vaijamo“ hatte offenbar Spaß an den Übungen. Die im Wind flatternden Luftballons schienen ihn eher zu belustigen als zu ängstigen. „Am liebsten würde er wohl reinbeißen“, stellte Reiterin Dunja Peters fest. Auch vor dem knallbunten Schirm wich er nur kurz zurück. Spieltrieb und Neugier siegten über seine Angst. Mit gestrecktem Hals und gespitzten Ohren wendete er sich dem bunten Ding zu und begann am Stoffrand zu knabbern. Der klappernde Sack der nächsten Übung irritierte ihn aber doch. Im ersten Moment wich er aus, merkte aber bald an der ruhigen Reaktion seiner Reiterin, dass auch dieses Teil nichts Gefährliches ist. Nur wenige Minuten später ließ er sich den Beutel anstandslos auf den Rücken legen.

„Eine gute GHP-Note steigert den Wert des Pferdes, denn Käufer von Freizeitpferden legen besonderen Wert auf scheufeste Tiere“, erläuterte Regina Elmenthaler. Denn nicht nur die sportliche Leistung des Tieres spiele eine Rolle, sondern auch der Charakter, die Erziehung, das Vertrauen und die Aufmerksamkeit des Pferdes.

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