Stau auf dem Schulweg : Fußgängertunnel bald ohne Bürgerarbeiter

Die Fördermittel für die Helfer an den Rolltreppen laufen Ende Juni aus. Manchen werden die Bürgerarbeiter nicht fehlen, andere wünschen sich eine Fortführung des Projektes.

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05. Juni 2014, 19:29 Uhr

Morgens um kurz nach 7 Uhr ist beim Fußgängertunnel unter dem Kanal Rushhour. Um den Schülern dort über die vielbefahrene Straße Am alten Schützenhof sowie auf den Rolltreppen zu helfen, stehen acht Bürgerarbeiter der Beschäftigungsgesellschaft „Rabs“ bereit – zumindest bis Ende des Monats. Denn dann endet die Förderperiode, in der die EU das Projekt finanzierte. Was bedeutet das für den Schulweg der Jugendlichen?

Die aktuelle Lage: Hunderte Schüler wollen morgens zur gleichen Zeit durch den Fußgängertunnel auf die Nordseite. 20 Meter lange Schlangen sind keine Seltenheit. Nach dem Anstehen müssen die Jugendlichen über eine Rolltreppe hinunter in den Tunnel – mit ihren Rädern. Sie stehen eng an eng, den Lenker voll eingeschlagen, damit das Vorderrad auf einer Stufe Platz findet. Drei Stufen höher steht das Hinterrad. Um im Notfall eingreifen zu können, setzt die Rabs an der Nordseite zwei und auf der Südseite sechs Bürgerarbeiter ein. Mit Warnwesten bekleidet, stehen sie am Anfang und Ende jeder Rolltreppe und als Schülerlotsen oben an der Straße. Während der Hauptstoßzeit sorgen sie auch dafür, dass alle Rolltreppen in Richtung Norden fahren, sodass die Schülermassen schneller und sicherer durch den Tunnel kommen.

Bürgerarbeiter Klaus Piechota steht unten an der Rolltreppe – nah genug dran, um im Notfall schnell zupacken zu können, sollte ein Rad samt Fahrer in Schieflage geraten. Die Kante am Ende der Treppe sei ein Gefahrenpunkt. „Hier bleiben viele Schüler stecken“, erklärt er. Es komme jeden Tag zu Situationen, in denen er eingreifen müsse. Für die Zeit ab Juli sieht er schwarz: „Wenn wir hier nicht mehr sind, dann passiert was.“

Maya Storm aus Westerrönfeld, Schülerin an der Herderschule kommentiert die Arbeit der Rabs-Mitarbeiter kritisch: „Die stehen meistens doof rum und machen nichts. Sie könnten auch netter und hilfsbereiter sein, besonderes den Jüngeren gegenüber.“ Dass die Rolltreppenfahrt gefährlich ist, bestätigt die 17-Jährige jedoch: „Ich sehe oft welche, denen man helfen muss.“ Einen Unfall auf der Treppe hat Storm auch schon selbst erlebt. Hinter ihr geriet ein Mann aus dem Gleichgewicht und stürzte mit seinem Rad auf die Schülerin.

Für solche Situationen wünscht sich Elke Vollmer auch weiterhin die Unterstützung der Rabs-Mitarbeiter. Ihr zwölfjähriger Sohn fährt täglich durch den Tunnel. Er ist zwar der Meinung, die Bürgerarbeiter „gucken ja nur“. Aber seine Mutter ist überzeugt: „Allein, dass sie da mit gelben Warnwesten stehen, hilft schon – besonders als es noch dunkel war. Die rufen auch mal zur Ordnung.“ Vollmer graust es schon davor, wenn ab August die neuen Fünftklässler auf den Rolltreppen unterwegs sind. Für die Zehnjährigen sei es ungewohnt und schwierig, sie bräuchten anfangs Hilfe. Angesichts der endenden Förderperiode möchte sie sich nun an die Schulen wenden.

Vonseiten der Rabs spricht nichts gegen eine Weiterführung des Projektes, welches 2011 im Rahmen der Städtebauförderung ins Leben gerufen wurde. Wiebke Sönksen-Muhl von der Gruppe Norddeutsche Gesellschaft für Diakonie, zu der die Rabs gehört, sagt: „Wir können uns die Fortführung dieser Maßnahme vorstellen, wenn diese entsprechend finanziert wird.“

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