Rendsburg-Eckernförde : Für Senioren fehlen 8000 Wohnungen

Rollator trifft auf Treppe: Senioren brauchen altersgerecht ausgebaute Wohnungen.
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Rollator trifft auf Treppe: Senioren brauchen altersgerecht ausgebaute Wohnungen.

Die Gewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt stellt eine düstere Prognose für den Kreis auf und spricht von einer „grauen Wohnungsnot“.

shz.de von
04. Juni 2014, 06:00 Uhr

In Rendsburg-Eckernförde stehen künftig zu wenige Wohnungen für Senioren zur Verfügung. Darauf weist die Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG Bau) hin. Die vorhandenen Wohnungen seien nicht altersgerecht ausgebaut. Deshalb drohe eine „graue Wohnungsnot“.

Es müsse dringend mehr für ältere Menschen gebaut und saniert werden, teilt die IG Bau mit. Im Jahr 2035 seien im Kreis fast 80 000 Einwohner älter als 65 Jahre. Dies bedeute eine Zunahme von rund 38 Prozent gegenüber heute. Die Gewerkschaft beruft sich dabei auf Berechnungen des Pestel-Instituts aus Hannover. Demnach werden bereits in den kommenden Jahren rund 8000 neue Seniorenwohnungen im Kreis Rendsburg-Eckernförde zusätzlich benötigt. „Wir stehen vor einer ‚Wohn-Wende‘. Immer mehr Menschen werden immer älter. Das ist gut so. Das bedeutet aber , dass sie eine passende Wohnung brauchen. Andernfalls bekommen wir ein enormes Problem“, sagt Arno Carstensen, Vorsitzender des Bezirksverbandes Schleswig-Holstein Nord. Nötig seien unter anderem Lift statt Treppen, breite Türen für Rollator und Rollstuhl, bodengleiche Zugänge zur Dusche und Badewanne. Die IG Bau fordert einen direkten Investitionszuschuss. „Denn gerade ältere Haus- oder Wohnungseigentümer, die seniorengerecht sanieren wollen, können oder wollen kein Darlehen mehr aufnehmen“, so Carstensen.

Das bestätigt Bernhard Janiak, Geschäftsführer des Eigentümervereins „Haus und Grund“ Rendsburg. Älteren Mitgliedern gewähren die Banken ihm zufolge selten Kredite. Doch das Problem knappen Wohnraums für Ältere sei in seinem Verein noch nicht bekannt. Laut Katrin Kardel, Geschäftsführerin des Sozialverbands im Kreis, wollen Senioren oft im eigenen Haus oder der lang gemieteten Wohnung bleiben, obwohl sie nicht altersgerecht ausgebaut seien.

Umbauten sollen gefördert werden, fordert die IG Bau. „Ohne staatlichen Anreiz wird wenig passieren“, so Arno Carstensen. „Es kann nicht sein, dass ein älterer Mensch nur deshalb ins teure Pflegeheim muss, weil eine ambulante Betreuung an der seniorengerechten Ausstattung der eigenen Wohnung scheitert.“

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