Marathon : Für Inga Berries wird ein Traum wahr

Stolz präsentiert Inga Berries ihre Andenken an ihre Start in New York.
Stolz präsentiert Inga Berries ihre Andenken an ihre Start in New York.

Der Start beim legendären New York-Marathon ist für die Rendsburgerin der Höhepunkt ihrer sportlichen Laufbahn.

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14. November 2013, 07:30 Uhr

„Verbreite schon mal die Neuigkeit, dass ich heute abhaue. Ich will endlich dazugehören – zu New York. Meine Vagabunden-Schuhe sehnen sich danach, mitten durch das Herz von New York zu streunen...“ Die erste Strophe von Frank Sinatras musikalischer Liebeserklärung an die US-amerikanische Metropole könnte sich auch Inga Berries zu Eigen machen. Allerdings trug sie bei ihrem Streifzug durch die Stadtteile Staten Island, Brooklyn, Queens, Bronx und Manhattan keine Vagabunden-, sondern Laufschuhe. Anfang des Monats erfüllte sich die Rendsburgerin ihren großen Traum und startete beim New-York-Marathon – dem größten Lauf-Event der Welt.

Nach 3:55,07 Stunden gehört Berries zu den 50 304 Läuferinnen und Läufern die jubelnd ihre Arme in Höhe reckten, als sie die Ziellinie im Central Park überquerten. Vergessen waren in diesem Moment die Strapazen ihres dritten Marathon-Laufes. Umso glücklicher war die ehemalige Handballerin und aktive Fußballspielerin des TuS Rotenhof, als sie ihre Zeit erfuhr. Sie hatte die bei Amateurläufern so berüchtigte Vier-Stunden-Marke geknackt und die 42,195 Kilometer in ihrer persönlichen Bestzeit hinter sich gelassen. „Diese einzigartige Atmosphäre auf der Strecke entschädigte für einen dicken Muskelkater“, so Berries. Familiären Beistand erhielt sie von ihrer Mutter Doris, die als eine der knapp zwei Millionen Zuschauer dabei war. Diese begeisternde Menschenmenge feuerte jeden der Läufer an. „Wir wurden abgeklatscht. Kinder versorgten uns neben den üblichen Verpflegungsstationen mit Wasser und Bananen. Das war einfach unbeschreiblich“, fühlt sich Berries beim Erzählen sofort wieder an die einzigartige Stimmung erinnert. „You are looking good“ (Du siehst gut aus; d. Red.), hallte es beinahe jedem Läufer vom Straßenrand entgegen. Oft wurde sogar der Name gerufen. Der stand nämlich auf dem Trikot. „Das motiviert natürlich, auch wenn die Oberschenkel ab Kilometer dreißig anfangen zu brennen“, sagt Berries. Somit war das Sight-Seeing am Tage nach dem Lauf wesentlich angenehmer. Für einen Blick auf die Queensboro Bridge, die Fifth Avenue, die Museumsmeile mit dem Guggenheim Museum und dem Metropolitan Museum of Art war während des Marathons kaum Zeit, auch wenn diese beeindruckenden Bauwerke die Qualen des Laufes bisweilen vergessen machten.

Auch die 43. Auflage dieses Spektakels startete wie üblich auf der Verrazano-Narrows Bridge. Mittlerweile sind vier Wellen notwendig, um die Läuferinnen und Läufer geordnet auf die Strecke zu schicken. Mit 50 740 Startern konnten die Veranstalter in diesem Jahr einen Teilnehmerrekord vermelden. „Jeder läuft am Ende dann aber doch für sich. Jedenfalls ist es mir so ergangen“, meint Berries, die in der zweiten Gruppe startete. Kaum zu übersehen sind die großen Uhren, die alle fünf Kilometer aufgestellt sind und dabei helfen, das Lauftempo einzuschätzen. „Viele schauen während des Laufes auf ihre eigene Uhr. Mir reichte ein Blick auf die aufgestellten Zeitmesser, um meine Kräfte einzuteilen. Das hat gut funktioniert“, erklärte die Rendsburgerin. Dennoch verhehlt sie nicht, dass sie sich auf den letzten zehn Kilometern quälen musste. Das alles aber war mit dem Zieleinlauf in der grünen Lunge New Yorks vergessen. „Auf den letzten Metern werden alle umjubelt. Da sind alle Wehwehchen plötzlich weg und das Laufen ist beinahe ein Genuss“, bekennt Berries. Dabei stürzte sie sich erst im August dieses Jahres in die intensiven Vorbereitungen. Neben dem Fußballtraining spulte sie wöchentlich bis zu 40 Kilometer herunter. „Durch das langjährige Handball- und Fußballspielen habe ich eine gute Grundkondition. Das war eine solide Basis“, beschreibt die Rendsburgerin den eher geringen Trainingsaufwand für einen solchen Lauf.

Für die laufbegeisterte Fußballerin zählt der Marathon-Start in der Stadt, die niemals schläft zum Höhepunkt ihres sportlichen Lebens. Auch wenn es ein nicht ganz billiges Vergnügen war. Neben Flug und Unterkunft wurde ein Startgeld von 420 Euro fällig. Dafür gab es ein T-Shirt, eine Medaille und eine Warmhaltedecke. Doch die überwältigenden Eindrücke dieser Tage überwiegen und so verwundert es nicht, wenn Berries sagt: „Für mich steht fest, dass ich dort noch einmal starten werden. New York ist einfach das Mekka des Marathons.“ Klingt irgendwie auch nach einer Liebeserklärung.

 

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