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Slide-Show : Fünf Orte von früher bis heute: Zeitreise durch den Kreis Rendsburg-Eckernförde

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Viele kleine Orte haben sich mit den Jahren gewandelt. Doch vieles ist auch gleich geblieben. Ein Blick nach Sehestedt, Nortorf, Hohenwestedt, Hanerau-Hademarschen und Owschlag.

Rendsburg | Fünf Beispiele aus dem Kreis Rendsburg-Eckernförde zeigen, wie sich das Gesicht einiger Orte verändert hat. Eine historische Reise von Sehestedt nach Hanerau-Hademarschen über Owschlag nach Nortorf und Hohenwestedt.

Sehestedt – durch den Kanalbau geprägt

Wohl kaum ein Dorf in der Region hat sich in den vergangenen 150 Jahren so stark verändert wie Sehestedt. Vor allem der Bau des Nord-Ostsee-Kanals hatte große Auswirkungen: Der ehemalige Ortskern fiel der Spitzhacke zum Opfer. Wo einst das Kaufhaus Johannsen, die Gastwirtschaft Piehl und der Bauernhof Einfeld lagen, fließt heute das Kanalwasser. 

Auch die späteren Kanalverbreiterungen (1914 und 1972) forderten ihren Tribut, wissen Susanne Feddersen und Alexandra Koop vom Verein Dorfmuseum Sehestedt. Nicht nur, dass in den 70er-Jahren erneut Häuser weichen mussten, auch die Fährstelle wurde um einige Meter gen Osten verschoben.

  • Der Fähranleger Süd im Jahre 1915: Die Kirche am Nordufer ist von dichten Bäumen umgeben. Und auf jeder Kanalseite gab es ein kleines Häuschen. 2016: Moderne Wartehäuschen (links) und eine Autoschlange. Es gibt an jedem Ufer auch einen Backsteinbau (rechts), aber dieser ist den Bediensteten des Wasser- und Schifffahrtsamtes vorbehalten.

Beim Bau des Kanals musste auch das Kaufhaus Johannsen abgerissen werden. Allerdings wurde es an anderer Stelle wieder eröffnet. An der Ecke Alte Dorfstraße/Alter Fährberg existiert der Bau heute als „Villa Kanalblick“. Alle Dinge des täglichen Bedarfs konnte man einst im Ort kaufen, daran erinnern sich Einwohner wie Elfriede und Karl-Heinz Sell, die seit mehr als 80 Jahren in Sehestedt leben. Es gab einen Kaufmann, Bäcker, Schlachter, eine Sparkasse, eine Poststelle, zwei Kneipen und eine Drogerie. Davon existiert  nur noch der Landgasthof an der Hauptstraße.

  • Früher Kaufhaus und Postagentur: Das Datum ist unbekannt. Besitzer des Hauses war Gustav Johannsen. Heutige Kanalvilla: Das Haus an der Ecke Alter Fährberg/Dorfstraße ist immer noch ein imposanter Bau. Einst lebte hier eine Kommune. Es bietet nach wie vor Raum für mehrere Parteien.

Das Gesicht des Ortes und die Einwohner-Zusammensetzung erfuhren zudem durch diverse Neubaugebiete eine Veränderung. Nach dem Krieg entstanden Forstweg, Siedlung Nord (heute Arft Kamp) und Eichengrund. Später kamen Schmiedeberg, Eiderblick und als letztes Wiesengrund hinzu.

  • Dorfstraße 1918: Ganz hinten im Haus war damals die Sehestedter Backstube untergebracht. Rechts die Villa Ganse, die später abgebrochen wurde. 2016: In den Räumen der ehemaligen Backstube werden heute die „Sehestedter Naturfarben“ produziert (weißes Haus). Rechts bei dem Haus muss es sich um einen Neubau handeln.

Hanerau-Hademarschen – „Kulturhochburg“ durch Theodor Storm

Mit dem Kirchenbrand vom 27. Dezember 2003 verlor Hanerau-Hademarschen eines seiner bedeutendsten Wahrzeichen. Die übrigen ortsbildprägenden Gebäude, von denen die Gemeinde im Südwesten des Kreises Rendsburg-Eckernförde eine ganze Reihe hat, präsentieren sich noch weitgehend so wie vor 100 Jahren. „Es hat ja kaum Kriegsschäden gegeben“, vermerken Heimatbund-Chefin Waltraut Barnstedt und Fritz-Hermann Barnstedt vom Arbeitskreis Heimatmuseum.

  • Fiel den Flammen zum Opfer: Die St. Severin-Kirche brannte am 27. Dezember 2003 bis auf ihre mittelalterlichen Grundmauern nieder. Im 11. Jahrhundert war an dieser Stelle bereits eine Holzkirche errichtet worden. Nach dem Kirchenbrand wurde das Gotteshaus 2007 neu eingeweiht. Seit Herbst 2013 darf die Kirche nicht betreten werden, weil ein beim Wiederaufbau falsch eingesetzter Mörtel die Feldsteine von innen sprengt.

1938 wurden Hademarschen und Hanerau im Zuge einer Kommunalreform zwangsvereint, in der unmittelbaren Nachkriegszeit sorgten die Flüchtlinge für eine Verdoppelung der Bevölkerungszahl, es entstanden Neubaugebiete und ein Gewerbegebiet – aber das Ortsbild entlang der ehemaligen Bundesstraße 204 hat sich in den vergangenen 100 Jahren nicht sehr gewandelt. Genau das hätte sich jedoch 1994 ändern können: Nach dem Bau der Autobahn 23 wurde die B204 zu einer Landesstraße zurückgestuft und zurückgebaut.

  • Das im Jahr 1848 errichtete Pastorat in der Kaiserstraße diente drei Pröpsten als Residenz und Wohnhaus: Hans Lorenz Andreas Vent (Amtszeit 1815 bis1863), August Wilhelm Martin Treplin (1872 bis 1917) und Hans Wilhelm Treplin (1918 bis 1953). Auch Karl-Emil Schade (Pastor von 1957 bis 1987), der das Alte und das Neue Testament ins Plattdeutsche übertrug, lebte hier mit seiner Familie. Seit 2012 steht das Gebäude leer. Ein „Freundeskreis Altes Pastorat“ will das historische Gebäude erhalten.

Die Gemeinde Hanerau-Hademarschen sollte ins Städtebauförderungsprogramm aufgenommen werden, der Ortskern in diesem Zuge mit viel Aufwand saniert werden. „Das haben die Anlieger damals abgelehnt“, berichten Waltraut und Fritz Barnstedt – ihrer Meinung nach eine „große verpasste Chance“. Der im Zuge des Städtebauförderungsprogramms geplante Erwerb der Storm-Villa durch die Gemeinde scheiterte ebenfalls. „Da haben wir uns überlegt, dass wir was anderes machen müssen, und haben noch im gleichen Jahr den Heimatbund-Ortsverein gegründet“, erzählen die Barnstedts, „es wurde mit den Schimmelreiter-Tagen begonnen und Hanerau-Hademarschen entwickelte sich zur Kulturhochburg.“

  • In dieser Villa lebte Theodor Storm von Mai 1881 bis zu seinem Tod am 4. Juli 1888. Hier verfasste er seinen berühmten „Schimmelreiter“ (1886-88) sowie weitere Novellen wie zum Beispiel  „Es waren zwei Königskinder“ (1884). 2016: Heute ist in der Storm-Villa eine Betreuungseinrichtung für Jugendliche untergebracht. Dass hinter diesen Mauern einst Dichterkollegen Storms weilten, etwa Gottfried Keller, Paul Heyse und Klaus Groth, ist nur wenigen bekannt.

Owschlag – eine Bahnlinie sorgt für Aufschwung

„Während meiner Schulzeit in den 60er-Jahren gab es zahlreiche kleine Betriebe, Gaststätten,  Kolonialwarenläden, Bäcker und Schlachter in Owschlag. Mittelpunkt war die Meierei, die 1979 schloss“, berichtet Marianne Peters, die sich intensiv mit Owschlag im Wandel der Zeit auseinander gesetzt hat. Auch die Zahl der landwirtschaftlichen Betriebe sei seit jener Zeit deutlich zurückgegangen, so gebe es derzeit nur noch zwei in Owschlag, einen in Ramsdorf und fünf oder sechs in Norby.

  • Die Schmiede aus dem 19. Jahrhundert wurde 1929 abgerissen. An der Stelle entstand ein Ersatzbau, der 1982 weichen musste, weil er zu dicht an der Straße stand, die ausgebaut werden sollte. 2016: In fünfter Generation führt Max Ernst Förster den damit ältesten Owschlager Betrieb im Familienbesitz, der heute aus einer Tankstelle, einem Bistro und einem Gästehaus besteht.

Bürgermeisterin Christiane Ostermeyer beschreibt: „1974 wurde Owschlag zum ländlichen Zentralort, der aus den Dörfern Owschlag, Norby, Boklund, Ramsdorf, Sorgwohld und Steinsieken entstand. Der ganztägige Kindergarten, die Grund- und Regionalschule des Amtes Hüttener Berge sowie die Sport- und die Mehrzweckhalle mit dem Sportplatz sorgen ebenso wie Geschäfte, Ärzte, Apotheke, Banken, die Kirche, die Polizeistation und die Freiwilligen Feuerwehren dafür, dass sich die 3658  Einwohner hier wohl und sicher fühlen. Zahlreiche Vereine und Verbände sowie die schöne Umgebung des Naturparks Hüttener Berge und des historischen Ochsenwegs bieten viele Möglichkeiten der Erholung und Freizeitgestaltung. Aufgrund der sehr guten Verkehrsanbindung über Autobahn und Bahn verzeichnet der Ort in den letzten Jahren einen starken Zuwachs an Einwohnern.“

  • Mit dem Bau der Eisenbahnlinie Rendsburg-Owschlag-Flensburg 1854 nahm der Ort einen spürbaren wirtschaftlichen Aufschwung. Unter anderem wurde dort Vieh verladen und in alle Teile Deutschlands transportiert. 2016: Auch heute ist der Bahnhof von entscheidender Wichtigkeit für den Zentralort. Zahlreiche Schüler fahren jeden Morgen mit dem Zug nach Rendsburg zu den weiterführenden Schulen. Pendler nutzen die Verbindung für den Weg zur Arbeit.

Zahlreiche vor- und frühgeschichtliche Funde zeigen, dass Owschlag bereits in der Steinzeit besiedelt war. Die Mühlenau war Namensgeber: „Schlag bei der Au“. Um 1500 taucht er im Gettorfer Schuldbuch zum ersten Mal als Osslachte auf, wenige Jahre später als Ovslacht. 1542 siedelten elf Hufner (Bauern mit viel Land) und vier Wurtsitzer (Bauern mit wenig Land). Der seit dem zwölften Jahrhundert als Fernweg für Pilger und Ochsentriften genutzte Ochsenweg, der heute unter Denkmalschutz steht, führt westlich an Owschlag vorbei. Seit dem Bau der Eisenbahnlinie Rendsburg-Owschlag-Flensburg 1854 erfuhr der Ort einen spürbaren wirtschaftlichen Aufschwung. Der Bau der Kreisbahn (1904), die Eckernförde mit Owschlag verband (und 1953 mit dem Ausbau der L265 wieder eingestellt wurde), verstärkte das noch.

  • Landhaus Hentschel: Das Reetdachhaus wurde 1632 erbaut. „Meine Urgroßeltern kauften 1930 das Bauernhaus und bewirtschafteten hier einen Hof. Diesen übernahmen meine Großeltern Heinz und Käthe Hentschel 1951“, berichtet die heutige Eigentümerin Bianka Bredendieck. Heinz Hentschel eröffnete in den Räumlichkeiten einen Laden für Farben und Tapeten. Noch heute sind zahlreiche Wandmalereien des ambitionierten Malers und langjährigen Bürgermeisters (1970 bis 1990) im Landhaus zu finden. 2016: Noch heute steht das herrschaftliche Gebäude an gleicher Stelle und hat sich zu einem bekannten Gasthaus entwickelt. Zunächst nutzten Nachbarn die Diele für ihre Feste. 1962 wurden die ersten Gästezimmer fertig und in den folgenden Jahren kamen viele Urlauber. Auch Monteure mieteten sich gerne im Landhaus ein. Da häufig Feste gefeiert wurden, entstand die Idee, einen Saal anzubauen. Dieser wurde 1975 eingeweiht und wird noch immer für Festlichkeiten und Versammlungen genutzt.

1877 wurde ein neues Schulgebäude eingeweiht, der heutige „Altbau“. 1886 wurde die Freiwillige Feuerwehr Owschlag gegründet, die Norbyer Wehr folgte 1930. Der Sportverein TSV existiert seit 1920. Bis 1917 war Owschlag ein Pfarrbezirk der Kropper Gemeinde. Doch der weite Weg weckte den Wunsch nach einer eigenen Kirche und so fanden ab 1917 die Gottesdienste in einem Raum der Schule statt, bis 1927 die Owschlager Kirche erbaut wurde. Bis zum Anfang der 1920er-Jahre behielt Owschlag den Charakter eines Bauerndorfes. Dann siedelten sich mehr und mehr Handwerker und Arbeiter an und es setzte eine rege Bautätigkeit ein. In der Nachkriegszeit kamen täglich bis zu 100 Flüchtlinge in Owschlag an. Fritz Schirrmacher schrieb in der Chronik: „Die Gemeinde verteilte die Flüchtlinge auf die einzelnen Haushalte. So wuchs innerhalb weniger Wochen die Einwohnerzahl auf das Doppelte an.“ Werner Hagge belegt das in seinem Jahrbuch von 1954: 1946 gab es 1245 Einheimische und 1362 Flüchtlinge. Kein Vergleich dazu bietet die aktuelle  Flüchtlingskrise, in der Owschlag etwa 140 Flüchtlinge aufgenommen hat.

  • Die Owschlager Mühle, eine Kornmühle, wurde 1542 zum ersten Mal im Erdbuch erwähnt. 1844 wurde die alte Wassermühle abgerissen und als zweigeschossiger Backsteinbau neu aufgebaut. Bis 1852 handelte es sich um eine Zwangsmühle, das heißt die Bauern aus Owschlag und Umgebung mussten hier ihr Korn mahlen lassen und ihr Mehl kaufen. Bis 1934 wurde Owschlag durch die Wasserkraft der Mühle mit Strom versorgt. 2015: Die alte Wassermühle brannte im Januar 2014 bis auf die Grundmauern nieder. Es war eines der größten Feuer in der Region seit vielen Jahren. Selbst erfahrene Feuerwehrleute waren bei dem Einsatz stark beeindruckt. Übrig blieb damals nur ein Trümmerhaufen. Der jetzige Besitzer Klaus Frahm denkt darüber nach, das Grundstück (im Bild zwischen den beiden Häusern) wieder zu bebauen. Zuletzt betrieb er in dem Mühlengebäude einen Handel und eine Werkstatt für antike Möbel.

Wegen des kargen Bodens hatten die umliegenden Moore besonders nach den Kriegen große wirtschaftliche Bedeutung. Torf und Torfkohle wurden zum Heizen benötigt. Das Stechen und der Verkauf des Torfs bildeten eine Haupteinnahmequelle.

Nortorf – Im Ortskern grüßt das 19. Jahrhundert

Wo einst das imposante Gebäude der Brauerei „Holsatia“ stand, ist heute das Famila-Einkaufszentrum im Timmasper Weg zu finden, samt Tankstelle zur einen und Gewerbebetriebe zur anderen Seite. Der großen Veränderung im Nortorfer Stadtbild folgen weitere: Derzeit wird der Einkaufsmarkt vergrößert. Dafür wurde unter anderem das Gebäude von Elektro-Tiegs (heute im Jungfernstieg) vollständig abgerissen. Der Bagger ist dort derzeit nahezu täglich im Einsatz.

  • Blick in die Bahnhofsstraße: Im linken Gebäudeteil war Ende des 19. Jahrhunderts Tanks Hotel, später folgte ein Kino. Gegenüber war damals eine Sparkasse zu finden. 2016: Im Zuge der Umgestaltung wurde der Platz vergrößert, die Straßenführung geändert. An der Stelle des ehemaligen Hotels ist heute „Schauen & Kaufen“ zu finden.

Auch das Zentrum Nortorfs hat sich in den vergangenen Jahren stetig verändert, nicht zuletzt auch im Zuge des Städtebauförderungsprogramms, welches erst vor wenigen Jahren abgeschlossen wurde. Dennoch ist das Ortsbild mit vielen alten Gebäuden, die auch heute noch stehen, erkennbar. Ortsprägend ist dabei unter anderem das „Holsteinische Haus“ in der Großen Mühlenstraße, die kleinen (Gewerbe-)Häuser in der Poststraße oder der Marktplatz mit der am 15. Oktober 1872 eingeweihten imposanten St.-Martin-Kirche.

  • Beliebte Gaststätte: Freien Blick gab es auf das „Holsteinische Haus“. Seit seiner Entstehung im Jahr 1889 ist der Gastronomiebetrieb ein geschätzter Veranstaltungsort. 2016: Heute lassen Bäume, parkende Autos, Geschäfte und Hinweisschilder aus gleicher Perspektive kaum Sicht auf das historische Gebäude zu.

Mit dem Abriss der ehemaligen Teldec-Fabrik, deren Geschichte Nortorf den Namen „Stadt der Schallplatte“ gab, entstand jüngst das Nahversorgungszentrum. Viele weitere Betriebe folgten dem „Einkaufszentrum“, sodass sich dort mittlerweile ein kleiner Gewerbepark gebildet hat. Die Schallplattenfirma eröffnete 1948 in der ehemaligen Lederfabrik. Mitte der 1960er-Jahre beschäftigte die Firma rund 1000 Mitarbeiter. Hier wurden unter anderem Goldene Schallplatten für Peter Maffay oder Elvis Presley hergestellt. Bis zur Schließung im Jahr 1989 wurden in Nortorf rund 850 Millionen Schallplatten gepresst. Noch im gleichen Jahr entstand das Museum, welches heute nicht nur etliche Schallplatten beherbergt, sondern auch die Geschichte der Teldec festhält. Das ehemalige Kesselhaus ist erhalten geblieben. Die Stadt Nortorf hat das Gebäude gekauft. Dort soll das Museum, welches bislang noch im Jungfernstieg untergebracht ist, einziehen. Auch das ehemalige Verwaltungsgebäude steht noch heute. Die leerstehenden Räumlichkeiten werden demnächst zu Wohneinheiten umgebaut. Die alte Schallplattenuhr am Gebäude wird im Rahmen der Umbaumaßnahmen abgenommen und dem Museum übergeben. Ein Stück Schallplatten-Geschichte bleibt der Stadt so erhalten.

  • Poststraße aus Richtung Schülper Gang um 1890: Hier hatte unter anderem die Feuerwehr ihre Räumlichkeiten. 2016: Zwar immer noch belebt, aber in seiner ehemaligen Struktur kaum wiederzuerkennen, präsentiert sich heute die Poststraße.

Erinnerungen an damals hat unter anderem Karl-Heinz Köller vom  Briefmarkensammelverein aus Nortorf festgehalten. Seine rund 300 gesammelten alten Postkarten mit verschiedenen Nortorfer Motiven plus zusätzliche Karten aus dem gesamten Gebiet Amt Nortorfer Land lagern im Stadtarchiv. „Es ist wichtig, die Veränderungen festzuhalten“, sagt Köller, „sonst kann sich nachher niemand an die Geschichte und Entwicklung erinnern.“ Seit mehr als 55 Jahren wohnt der leidenschaftliche Sammler im Herzen des Landes. Die miterlebten Veränderungen in der Stadt sieht er aus zwei Blickwinkeln: „Zum einen finde ich, dass sich die Stadt zum Positiven entwickelt hat,“ betont Karl-Heinz Köller, „aber auf der anderen Seite ist es auch schade, dass beispielsweise die vielen alteingesessenen und kleinen Betriebe verschwunden sind.“

  • Im Zentrum der Stadt: Das Foto, das Ende des 19. Jahrhunderts entstand, zeigt im Vergleich zu heute, dass die Gebäude größtenteils noch immer stehen. Auch der Blick von der Poststraße auf den Kirchturm ist geblieben. 2016: Bis heute nahezu unverändert präsentiert sich das Gebiet im Nortorfer Zentrum rund um den „Alten Rathausplatz“. Das Gebäude zum Marktplatz steht nicht mehr, sodass auch das Kirchenschiff zu sehen ist.

Hohenwestedt – als die Stadt ihre prächtigste Allee verlor

„In diesem Jahr 1957 erwachte Hohenwestedt gewissermaßen aus seinem Dornröschenschlaf, aus der Stagnation der tristen Nachkriegsjahre“, schreibt Felicitas Glade in ihrer 1994 erschienenen Hohenwestedt-Chronik und zitiert als Beleg eine Überschrift der „Schleswig-Holsteinischen Tagespost“ vom 30. August 1957: „In Hohenwestedt ist es lebendig geworden“.

  • 1950 hatte man als Spaziergänger auf dem Kirchensteig von Süden her über die Koppel des Getreidehändlers Johannes Claussen noch einen freien Blick auf die 1769 errichtete Peter-Pauls-Kirche des königlichen Baumeisters Johann Gottfried Rosenberg. 2016: Heute versteckt sich das Wahrzeichen der Stadt hinter dem 1989 eingeweihten Rathaus.

 „Was seit dieser Zeit hier im Ort alles geschaffen wurde, ist irre“, meint Bürgermeister Holger Bütecke. Die Firmen Lego und Schnell (später bona) siedelten sich beide 1957 an. 1960 wurde die „Ost-West-Straße“ (Bundesstraße 430) eingeweiht. Der erste Ausbau der Lindenstraße brachte 1961 einen erheblichen Wandel des Ortsbildes mit sich, denn die innerörtliche Prachtstraße mit ihren Allee-Linden und Pflastersteinen wurde asphaltiert, der Baumbestand weitgehend abgeholzt. Beim nächsten Lindenstraßen-Ausbau Ende der 1980er-Jahre wurden die ursprünglichen Pflastersteine „exhumiert“ und zur Verschönerung der Randflächen eingesetzt.

  • Das Muschelhaus wurde 1901 von Detlev Hauschildt errichtet. Auf einer Postkarte von 1907 posiert er neben dem ursprünglich aus Vaasbüttel stammenden Schalenstein, der bereits seit 1892 an dieser Stelle der Lindenstraße steht. 2016: Noch heute präsentieren sich Haus und Stein an gleicher Stelle. Der Tierpräparator und Muschelsouvenir-Hersteller Hauschildt verwandelte sein Domizil in einen „Schmuckkasten“, indem er es mit seinen Muschel-Kollektionen verzierte.

1989 wurde das gemeinsame Rathaus von Gemeinde Hohenwestedt und Amt Hohenwestedt-Land am Marktplatz eingeweiht. In den folgenden Jahren entwickelte sich der Marktplatz mit seinen Discount-Supermärkten zu einem zentralen Anziehungspunkt, der dem bisherigen Geschäftszentrum (Linden-, Friedrichs- und Wilhelmstraße) Konkurrenz machte. „Mit den geplanten Maßnahmen im Rahmen des aktuellen Städtebauförderungsprogramms wollen wir nun wieder eine stärkere Verknüpfung dieser beiden Zentren erreichen“, kündigt Bürgermeister Bütecke an.

  • 1870 zog die landwirtschaftliche Lehranstalt in das „Muhl’sche Gewese“ ein. Die Landwirtschaftsschule wurde in den Folgejahren mehrmals erweitert. Heute: 1960 zog die Landwirtschaftsschule in einen Neubau in der Parkstraße um. Die Kirche übernahm die ehemalige Lehranstalt und weihte sie 1964 als „Thomashaus“ neu ein. Dieser Schriftzug ist links an der Fassade zu sehen.
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erstellt am 13.Apr.2016 | 17:20 Uhr

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