Alt Duvenstedt : Führten Versäumnisse der Spedition zum Zugunglück?

Provisorium: Am Bahnübergang in Alt Duvenstedt kommt derzeit eine mobile Schranke zum Einsatz.
Provisorium: Am Bahnübergang in Alt Duvenstedt kommt derzeit eine mobile Schranke zum Einsatz.

Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen unbekannt aufgenommen.

Matthias Hermann.jpg von
16. Mai 2019, 15:43 Uhr

Der Zugverkehr auf der Strecke zwischen Flensburg und Rendsburg rollt inzwischen wieder. Die Ursache für das schwere Zugunglück an einem Bahnübergang bei Alt Duvenstedt ist am vergangenen Mittwoch allerdings noch immer ungeklärt.

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Nach Informationen des NDR Schleswig-Holstein verdichten sich die Hinweise auf schwere Versäumnisse der Spedition des beteiligten Schwerlasttransporters. So hätte sich die Spedition vor dem Überqueren der Gleise beim Fahrdienstleiter der Bahn melden müssen. Dieser hätte dann sichergestellt, dass kein Zug auf der Strecke unterwegs ist. Der Anruf sei allerdings nicht erfolgt. Außerdem gehört zu den üblichen Auflagen bei der Genehmigung von Schwertransporten, dass beim Überfahren von Bahnübergängen die Bodenfreiheit des Tiefladers kontrolliert werden muss. Auch dies sei nicht erfolgt. Die Pressestelle der Deutschen Bahn in Hamburg wollte sich mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht zum Sachverhalt äußern. Auch vom Transportunternehmen gab es bisher keine Stellungnahme.

Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen

Die Staatsanwaltschaft hat inzwischen die Ermittlungen gegen unbekannt aufgenommen. Es bestehe ein Anfangsverdacht auf gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr und fahrlässige Körperverletzung. Insgesamt wurden bei dem Unglück 13 Menschen verletzt. „Der Lokführer des Unfallzugs konnte das Krankenhaus inzwischen wieder verlassen, der schwerverletzte Zugbegleiter dagegen nicht“, teilte Sabine Brunkhorst, Pressesprecherin der Deutschen Bahn mit.

Die Reparaturarbeiten am Bahnübergang sind seit Donnerstag so weit abgeschlossen, dass er wieder mit Autos überquert werden kann. Die beschädigte Schrankenanlage wurde zunächst durch eine mobile Schranke ersetzt. Diese wird nach einem Anruf durch den Fahrdienstleiter der Bahn vor Ort geschlossen.


Genehmigung von Schwertransporten

Der Verkehr mit Fahrzeugen oder Fahrzeugkombinationen, deren Abmessungen, Achslasten oder Gesamtgewichte die gesetzlich allgemein zugelassenen Grenzen überschreiten, bedarf einer speziellen Genehmigung.

In diesem Erlaubnisverfahren findet eine Anhörung statt, an der die unteren Straßenbaubehörden, die zuständigen Polizeidienststellen und die Bahnunternehmen beteiligt sind, wenn es um das Passieren von Bahnübergängen geht.

Die Genehmigung kann mit Auflagen hinsichtlich des Fahrtweges, der Fahrtzeiten und einer Begleitung versehen werden. Für das Passieren von Bahnübergängen können besondere Auflagen erteilt werden, wie Meldepflichten, Alleinfahrt oder geringe Geschwindigkeiten.


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