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Menschenkette : Frust am Kanal: Dieses Signal muss Berlin hören

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

400 Teilnehmer versammeln sich zur großen Protestaktion am Südufer.

Wütend standen sie im Sonnenschein: Gestern trafen sich rund 400 Bürger am südlichen Anleger der Schwebefähre, um für eine schnellere Kanalquerung zu demonstrieren. Ihr Mindestziel ist ein dauerhafter Ersatzverkehr bis zur Instandsetzung der Schwebefähre. Und vor allem, dass die Schwebefähre auch wirklich wieder instand gesetzt wird.

Ein Ziel wurde gestern nicht erreicht. Die Menschenkette von der Hochbrücke bis zum Fußgängertunnel kam nicht zu Stande. Sie endete am Schwerlasthafen, aber das störte keinen der Teilnehmer. „Das ist ein ganz tolles Signal, ich bin mehr als zufrieden“, sagte der Osterrönfelder Bürgermeister Bernd Sienknecht. Für ihn war es eine Premiere, denn obwohl er im Protestjahr 1968 geboren ist, hatte er noch nie an einer Demonstration teilgenommen. Bis er gestern den Protestzug anführte – und das auch gleich noch als „Rädelsführer“ mit dem Megafon.

„Wir brauchen hier eine permanente Fährverbindung“, forderte sein Rendsburger Amtskollege Pierre Gilgenast. Auch wenn Berlin weit sei, der Aufschrei der Bürger dürfe nicht ungehört bleiben. In den vergangenen Tagen sei eine Rolltreppe des Fußgängertunnels ausgefallen – genauso wie am besucherstarken Sonntag des „Landpartie“-Festes, ohne dass eine Ersatzfähre bereitgestellt worden wäre. „So schnell kann der Ersatzverkehr gar nicht einspringen. Der flexible Fähr-Ersatzverkehr hat versagt“, sagte Gilgenast. „Unter der jetzigen Situation leidet auch der Tourismus in der Region, von dem wir alle leben.“

An der Menschenkette nahm auch Günter Sievers teil. Den Unfall der Schwebefähre hat der Fockbeker auf einem selbstgedruckten T-Shirt verewigt. Seinen Protest brachte er auch auf einem Plakat zum Ausdruck: „Es reicht, Herr Dobrindt“, griff er den Bundesverkehrsminister an. So wie er sind viele Teilnehmer der Menschenkette überzeugt, dass dem bayerischen Minister die Verkehrssituation im Norden egal ist. Sie fühlen sich vom Rest der Republik abgehängt. „In meinem Bekanntenkreis sagen die ersten bereits, dass sie lieber wieder zu Dänemark gehören wollen. Dann würde das hier schneller gehen“, sagte er. Eine ähnliche Idee hatte auch Gerd Neumann, wenngleich er an eine andere Himmelsrichtung denkt. „Wenn das Wasser- und Schifffahrtsamt so langsam ist, sollte man die Arbeiten gleich an die Schweiz outsourcen“, sagte er sarkastisch. Die können Tunnel einfach besser. Der vor drei Tagen eröffnete Gotthard-Basistunnel ist mit 57 Kilometern der längste Eisenbahntunnel der Welt. Zum Vergleich: Der Tunnel unter dem Kanal ist 640 Meter lang.

Internationale Unterstützung gab es auch durch eine Gruppe von irakischen Flüchtlingen, die sich solidarisch in die Menschenkette eingereiht hatte. „Wir wollen uns damit für die Hilfe bedanken, die wir von euch bekommen haben“, sagte der 14-jährige Khamis.

Der Protestruf, der von Rendsburg ausgegangen ist, war laut und weithin sichtbar. „Dieses Zeichen kann man in Berlin nicht mehr ignorieren. Jetzt muss endlich aufgehört werden, über Geld zu reden – hier geht es um Menschen“, sagte Reinhard Frank, Initiator der Menschenkette.

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erstellt am 04.Jun.2016 | 07:00 Uhr

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