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Zottelhof in Thaden : "Frisörtermin" für Alpakas und Lamas

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Schurtag auf dem Zottelhof mit Adam Riley aus Florida.

„Tucholsky“ wehrte sich vehement, und darum kam erstmal „Goethe“ an die Reihe. „Nietzsche“, der sich wie gewohnt als echter Sturkopf erwies, war derweil schon fertig und konnte sein neues Erscheinungsbild von seinen Kameraden begutachten lassen. „Tucholsky“, „Goethe“ und „Nietzsche“ sind die Namen von drei Lamas, die auf dem Zottelhof in Thaden wohnen. Einmal im Jahr ist im Ortsteil Jarsdorf Schurtag, und alle vierbeinigen Bewohner bekommen einen sommertauglichen Kurzhaarschnitt verpasst.
Wobei der Schurtag nur etwas mehr als drei Stunden dauerte, obwohl sich die Warteschlange sehen lassen konnte: alle acht Lamas und sieben Alpakas des Zottelhofs und dazu insgesamt sechs Gast-Alpakas von zwei Familien aus Hohn.

Dass die zottelige Kundschaft ohne große Wartezeit in den Genuss der wohltuenden Sommerfrisur kam, hatte sie einem Expertenteam zu verdanken, bei dem jeder Handgriff saß. Der Chefcoiffeur war extra aus den USA eingeflogen worden. Adam Riley aus Florida hat sich auf das Scheren von Lamas und Alpakas spezialisiert und gilt als Bester seiner Zunft. Der US-Amerikaner weilt fünf Wochen in Deutschland, um in der ganzen Bundesrepublik rund 1500 Anden-Kamele zu scheren – 21 davon in Thaden. „Adam ist schon zum sechsten Mal bei uns im Einsatz“, teilte Zottelhof-Chefin Monika Bartels mit. Einmal im Jahr müssen die Lamas und Alpakas von ihrem Vlies befreit werden. „Es kann sonst durchaus zum Hitzetod kommen“, erklärte Monika Bartels. Bei den hochsommerlichen Temperaturen der vergangenen Wochen hätten ihre Tiere im Schatten Zuflucht gesucht, berichtete die Zottelhof-Eigentümerin: „Jetzt freuen sie sich, dass der Scherer endlich kommt.“

Manch ein Friseur-Kunde tat sich allerdings schwer, diese Freude zu zeigen. Die Unmutsbekundungen von einem 60-Kilo-Alpaka wie „Lanzelot“ nahm das Scherteam amüsiert zur Kenntnis. Wenn allerdings ein „Sturkopf“ (so Monika Bartels) wie „Nietzsche“ Widerstand leistet, sieht die Sache schon ganz anders aus, denn die wohlgenährten Lamas des Zottelhofs bringen gut 180 Kilo auf die Waage. Da konnte dann Adam Riley seine beiden Assistenten Marcel Benz aus Walldürn und Jonas Stendorf aus Barsfleth sehr gut gebrauchen, und auch Monika Bartels musste mit anpacken, um die Lamas in die Spagat-ähnliche Position mit festgezurrten Vorder- und Hinterbeinen zu bringen, die der Scherprofi für seine Arbeit bevorzugt. Weil die Lamas in einer ganz anderen Gewichtsklasse antreten als die Alpakas, kommen sie stets als erste an die Reihe – solange die Scherexperten noch bei Kräften sind.

Darum mussten Marion und Karsten Schildhauer aus Hohn erstmal die Lama-Kundschaft abwarten, bevor ihre vier Alpakas dran waren. „Diese Tiere haben uns immer schon interessiert“, erzählten die Schildhauers und schwärmten von der „beruhigenden Wirkung“, die man spüre, wenn man einem Alpaka in die Augen schaue: „Die Aura, die sie ausstrahlen, ist etwas ganz Besonderes.“ Das Vlies der Anden-Kamele ist ebenfalls etwas ganz Besonderes. Wer das unbearbeitete Vlies vom Schurtag erwerben möchte, kann sich an Monika Bartels (info@zottelhof.com) wenden. Der Zottelhof vermarktet neuerdings auch Lama- und Alpaka-Dünger. Außerdem kann man die Hengste „für gewisse Stunden“ mieten. Jürgen Sachsenhausen (ebenfalls aus Hohn) nahm zum Beispiel Alpaka „Lanzelot“ für ein paar Wochen mit, damit er die Stuten „Diva“ und „Duma“ deckt. Womit der übereifrige „Lanzelot“ schon im Anhänger auf dem Zottelhof anfing. „Lanzelot macht Sexurlaub in Hohn“, erklärte Monika Bartels, „der schafft für mich an.“

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