Gerichtsbericht : Freundin im Streit erwürgt: „Sie wollte sich trennen“

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Im Prozess um einen 29-jährigen Rendsburger, der Ende Mai 2014 seine Freundin erwürgt haben soll, hat gestern die Mutter des Todesopfers ausgesagt.

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17. Januar 2015, 06:00 Uhr

Im Prozess um einen 29-jährigen Rendsburger, der Ende Mai 2014 seine Freundin erwürgt haben soll, hat gestern die Mutter des Todesopfers ausgesagt. Vor dem Landgericht in Kiel beschrieb sie den Angeklagten, der die Tat zum Auftakt des Verfahrens gestanden hatte, als aggressiv und sagte, ihre Tochter habe sich von ihm trennen wollen. Sichtlich mitgenommen betrat die 42-Jährige den Zeugenstand. Sobald sich das Gespräch ihrer Tochter zuwendete, wurde ihre Stimme brüchig. Sie erzählte, dass die junge Frau unter einer Borderline-Störung litt und sich durch „Ritzen“ selbst verletzte. Die Tochter habe in einer Einrichtung Hilfe bekommen, wollte dort aber nicht wohnen bleiben. „Dann ist sie nach Rendsburg gekommen. Das war ihr Untergang“, sagte sie.

Das Paar habe sich häufig gestritten. Laut mehrerer Zeugenaussagen ging es dabei um Geld, Eifersucht, Drogen oder den gemeinsamen kleinen Sohn. Das soll auch in der Nacht auf den 23. Mai vergangenen Jahres der Fall gewesen sein. Eine heftige Auseinandersetzung in ihrer Wohnung in der Oeverseestraße (Schleife) endete schließlich mit dem Tod der jungen Mutter. Die Leiche habe der Angeklagte mithilfe seines Bruders nahe der Raststätte Hüttener Berge abgelegt. Der 29-Jährige behauptete danach, seine Freundin sei weggelaufen und meldete sie als vermisst.

Seit Anfang 2014 habe die 23-Jährige den Wunsch geäußert, ihren Partner zu verlassen, so die Mutter. „Sie wollte sich trennen. Sie wollte ihn wirklich verlassen“, sagte sie. Das inzwischen ein Jahr alte Kind habe sie mitnehmen wollen. Den Rendsburger beschrieb die 42-Jährige vor Gericht als „manchmal auch sehr aggressiv“. Verwundert über diese Aussage zeigte sich der Verteidiger des Angeklagten: Bei der Polizei habe sie im Juni ein ganz anderes Bild des mutmaßlichen Täters beschrieben: „Er hat sich rührend um sie gekümmert“, hieß es. Zu diesem Zeitpunkt wusste die Mutter und Nebenklägerin noch nicht, dass der 29-Jährige ihre Tochter erwürgt haben soll.

Vor zehn Jahren musste sich der Angeklagte schon einmal vor Gericht verantworten. Er hatte bei einem Angelausflug an der Eider seinem Großvater die Kehle durchgeschnitten. Zuvor musste er mitansehen, wie der Mann seinen elf Jahre alten Bruder sexuell missbrauchen wollte.

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