Prozessauftakt : Freundin im Streit erwürgt: 29-Jähriger gesteht die Tat

Gestern Prozessauftakt: Landgericht arbeitet Beziehungsdrama aus der Oeverseestraße auf.

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10. Januar 2015, 01:21 Uhr

Ein 29 Jahre alter Rendsburger hat gestern vor dem Landgericht Kiel gestanden, seine Freundin (23) und Mutter des gemeinsamen Sohnes erwürgt zu haben. In der Nacht auf den 23. Mai vergangenen Jahres sei ein Streit in ihrer Wohnung in der Oeverseestraße in Rendsburg eskaliert. Dieser endete schließlich mit dem Tod der jungen Frau. Der Mann muss sich bereits zum zweiten Mal wegen Totschlags verantworten. Bei einem Angelausflug vor zehn Jahren hatte der damals 18-jährige Rendsburger seinen Großvater getötet. Dieser hatte zuvor versucht, den elf Jahre alten Bruder des Angeklagten sexuell zu missbrauchen.

Nüchtern und mit unbewegter Miene schilderte der Angeklagte vor Gericht die jüngste Tat. Dabei starrte er die meiste Zeit auf den Boden, nur die Hände verrieten seine Nervosität. Unentwegt bewegte er die Finger, den Blickkontakt mit der Mutter des Todesopfers vermied er. Zwischen ihm und seiner Lebensgefährtin soll es in der Vergangenheit oft zu Auseinandersetzungen gekommen sein. Meist sei es um Geld, Drogen oder ihr Kind gegangen, berichtete der Mann. Die junge Mutter soll die Spielsachen des Sohnes verkauft haben, um sich Drogen zu besorgen. Das habe er verhindern wollen. Beide konsumierten regelmäßig Alkohol und verschiedene Rauschmittel – von Haschisch bis hin zu Extasy und Heroin.

So sei es auch am Abend des 22. Mai gewesen. Der Angeklagte schilderte, dass er gut gelaunt nach Hause gekommen ist, weil er am Vormittag ein erfolgreiches Vorstellungsgespräch bei einer Firma in Neumünster gehabt hatte. Zur Feier des Tages genehmigte er sich ein Bier und rauchte etwas Haschisch. Da er erst spät wieder zu Hause war, gab es Streit. Sie habe sich „impulsiv“ und „hysterisch“ verhalten. Plötzlich habe sie mit einem Küchenmesser vor ihm gestanden und die Klinge an ihrem Unterarm angesetzt. „Ist es das, was du willst?“, soll sie gerufen haben. Dann sei sie mit dem Messer in der Hand ins Kinderzimmer gelaufen. „Ist es das, was du willst?“, habe sie erneut gefragt. „Ich hatte Angst, dass sie sich oder dem Kind etwas antun wollte“, sagte der Angeklagte. Und dann habe er zugepackt. Anstatt der Schulter habe er den Hals erwischt. Er sei „einfach abgerutscht“, vom Kinderzimmer habe er sie wegdrehen wollen. „Und das war´s eigentlich auch schon. Für mich waren es ein paar Sekunden.“ An mehr könne er sich nicht erinnern. Erst als der damals sechs Monate alte Sohn zu schreien begann und er seine tote Freundin im Flur liegen sah, habe seine Erinnerung wieder eingesetzt. Danach habe er die zwei Hunde, dann das Kind versorgt und sich schließlich schlafen gelegt.

So ganz passe die Darstellung der Geschichte nicht zu dem, was der 29-Jährige kurz nach der Tat bei der Polizei ausgesagt hatte, betonte der zuständige Richter. Die Beschreibungen damals seien viel detaillierter gewesen. Rücklings auf dem Boden soll das Opfer demnach im Flur gelegen und der Angeklagte von vorn auf ihren Kehlkopf gedrückt haben. Der Angeklagte antwortete, dass er sich so genau heute nicht mehr an alles erinnern könne.

Als sein Stiefvater als Zeuge den Gerichtssaal betrat, zeigte der mutmaßlichen Täter das erste Mal deutliche Emotionen während der Verhandlung. Er lächelte dem 51-Jährigen freundlich zu, sie schienen vertraut miteinander, lachten über ihr gemeinsames Problem, sich vor Gericht nicht an Daten erinnern zu können. Der Stiefvater war der erste, den der Angeklagte nach der Tat um Hilfe gebeten haben soll. Der 29-Jährige wollte mit ihm zusammen die Leiche wegschaffen. Das lehnte dieser aber ab. „Stell dich“, habe er ihm geraten. Doch das tat er nicht. Anstatt dessen soll er die Leiche mit einem seiner vier Brüder weggeschafft haben. In einem Hängeschrank sollen sie die tote Frau verstaut und mit dem Auto Richtung Raststätte Hüttener Berge gefahren sein. „Wir haben sie in den Knick geworfen.“Wenn jemand in den Tagen danach nach ihr fragte, habe er gesagt, dass sie verschwunden sei.

Für die Mutter des Opfers waren die Schilderungen nur schwer zu ertragen. Immer wieder brach sie im Gerichtssaal in Tränen aus, nahm die Bänder ihres Pullovers und bewegte sie unruhig in ihrer Hand. Sie tritt als Nebenklägerin auf. Ihre Aussage wird erst in den folgenden vier Prozesstagen erwartet. Am kommenden Freitag wird die Verhandlung fortgesetzt. Das Gericht hat insgesamt elf Zeugen, einen psychiatrischen Gutachter sowie einen Rechtsmediziner geladen. Das Urteil wird am 29. Januar erwartet. Für den Vorfall mit seinem Großvater wurde der Angeklagte Ende 2005 zu drei Jahren Gefängnis verurteilt, kam aber vorzeitig wieder frei. Der inzwischen einjährige Sohn des Paares ist in einer Pflegefamilie aufgenommen worden. Der Angeklagte hat bereits eine siebenjährige Tochter aus einer früheren Beziehung.

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