Urteil am Kieler Landgericht : Freundin getötet - Rendsburger muss acht Jahre ins Gefängnis

Tatort Oeverseestraße: In der Nacht auf den 23. Mai 2014 kam es im Haus mit der Nummer 27 zu der schrecklichen Tat.
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Tatort Oeverseestraße: In der Nacht auf den 23. Mai 2014 kam es im Haus mit der Nummer 27 zu der schrecklichen Tat.

Es war schon sein zweiter Totschlag: Ein 29-Jähriger tötete 2004 seinen Großvater, dann musste seine Freundin sterben.

shz.de von
29. Januar 2015, 16:39 Uhr

Kiel/Rendsburg | Nach einem tödlichen Angriff auf seine Freundin ist ein 29-Jähriger zum zweiten Mal wegen Totschlags verurteilt worden. Nach Überzeugung des Kieler Landgerichtes erwürgte der Angeklagte die 23-Jährige am 23. Mai 2014 in der gemeinsamen Rendsburger Wohnung nach einem heftigen Streit. Dafür verhängte das Schwurgericht am Donnerstag eine Haftstrafe von acht Jahren. Die sei tat- und schuldangemessen, sagte der Vorsitzende Richter Jörg Brommann.

Nach dem Verbrechen hatte der Angeklagte den gemeinsamen kleinen Sohn versorgt, eine Zigarette geraucht und sich dann schlafen gelegt. Die Leiche ließ er zunächst im Flur zurück. Später legte er sie nahe der Raststätte Hüttener Berge ab, wo Spaziergänger sie zwei Wochen danach fanden. Freunden gegenüber behauptete er bis zur Festnahme, die Freundin sei abgehauen.

Das genaue Tatmotiv blieb unklar. Möglicherweise fürchtete der Angeklagte, seinen Sohn zu verlieren, sagte Brommann. Zeugen hatten berichtet, die von dem Kind überforderte junge Frau wollte womöglich aus der von Drogen, Eifersucht und Streit ums Geld geprägten Beziehung ausbrechen und zu ihrer Mutter ziehen.

Die Behauptung des 29-Jährigen, die drogensüchtige Mutter sei mit einem Messer Richtung Kinderzimmer gegangen und er deswegen ausgerastet, wies das Schwurgericht ausdrücklich zurück. „Das Bedrohungsszenario entspricht nicht der Wahrheit, sondern ist eine Schutzbehauptung“, sagte der Richter.

Beide, Angeklagter und Opfer, waren Borderline-Persönlichkeiten. Die Beziehung stand deswegen unter keinem guten Stern. Der Werdegang des Angeklagten war zudem durch eine „katastrophale Sozialisation“ geprägt, hielt das Gericht fest. Von der total überforderten Mutter kam er zu den Großeltern. Dort aber „überschritt der Großvater jede denkbare Grenze“, sagte Brommann.

Der Opa missbrauchte jahrelang seine Familienangehörigen. Die Großmutter deckte das. Als sich ihr Mann 2004 am Stiefbruder des Angeklagten vergehen wollte, brachte dieser ihn um. Das Urteil damals: drei Jahre Haft wegen Totschlags in minderschwerem Fall. Der junge Mann kam aber ohne Therapieauflage vorzeitig frei.  Bei der neuen Tat sieht das Gericht keine Anzeichen für einen minderschweren Fall. Möglicherweise war aber die Schuldfähigkeit des Angeklagten aufgrund seiner Persönlichkeitsstruktur zum Tatzeitpunkt eingeschränkt, sagte Brommann. Er folgte damit ausdrücklich der Einschätzung des Gutachters, der darauf hinwies, dass der Mann ohne Therapie wieder zum Täter werden könnte.  Positiv wertete das Gericht, dass der Angeklagte geständig war, auch wenn er zu seinem Schutz den genauen Tathergang verschleiert habe. Auch dass er im Schlusswort die Tat bereute, spreche für ihn.

Verhalten und Erscheinungsbild des Mannes im Prozess nannte der Richter aber „irritierend“. „Er sitzt da, emotionslos, ohne eine Regung zu zeigen“, sagte er. Doch der Gutachter habe erklärt, dass er hinter der Fassade durchaus emotional mitschwingen könne. Auch bei der Urteilsverkündung saß der 29-Jährige nahezu regungslos da.

Mit dem Urteil blieb das Gericht deutlich unter dem Strafantrag des Staatsanwalts, der zwölf Jahre Gefängnis gefordert hatte. Die Nebenklage hatte 13 Jahre beantragt, der Verteidiger sechs Jahre Haft für ausreichend gehalten.

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