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Gedächtnis des Kreises : Freier Zugang – aber Stöbern verboten

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Archiv des Kreises wird neu aufgebaut. Alle Gegenstände sollen elektronisch erfasst und eines Tages auch abgerufen werden können.

shz.de von
erstellt am 05.Apr.2016 | 06:00 Uhr

Das „Gedächtnis“ des Kreises Rendsburg-Eckernförde nimmt Formen an. Wer im Keller-Archiv des Verwaltungsgebäudes an der Rendsburger Kaiserstraße 8 nur staubtrockene Literatur über schnöde „Verwaltungsvorgänge“ vermutet, liegt falsch. Zwar dient die Dokumentensammlung auch der Arbeit der Beamten, doch Familienforscher, Heimatkundler und Wissenschaftler kommen auf ihre Kosten. Der Zugang zu den Informationen des Kreisarchivs ist frei, aber Stöbern ist nicht möglich.

Seit Anfang 2015 ist die Verwaltung dabei, das Archiv völlig neu aufzubauen und im Keller zu konzentrieren. Vorher waren die Archivalien im gesamten Gebäude den einzelnen Fachabteilungen zugeordnet. „Weggekommen ist nichts“, versichert Dr. Martin Kruse, Leiter des Fachbereichs „Regionalentwicklung, Bauen und Schule“. Doch nun wird alles soweit geordnet, dass eine digitale Suche möglich ist. Darum kümmert sich die Diplom-Archivarin Anja Freitag mit dem Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste Tom Röhrig. Der drückt es mit einer ausladenden Handbewegung so aus, während er zwischen den großen Rollregalen im Kreishauskeller steht: „Das Inhaltsverzeichnis für dieses große Buch fehlt noch.“ Dazu geht er einer Sisyphus-Arbeit nach: Jeder einzelne Gegenstand – ob Akte, Buch, Foto oder Zeitungsausschnitt – holt er sich ins Büro neben dem Magazinraum, um im neuen Computersystem zu beschreiben, was er vor sich hat, aus welchem Jahr es stammt und auch, welche Größe es hat. Protokolle des Kreistages und seiner Ausschüsse sind das Tagesgeschäft Röhrigs, doch je weiter er sich vorarbeitet, desto öfter trifft er auf Höhepunkte seiner Arbeit. Etwa eine fast 120 Jahre alte Akte der „Magistrats-Armenverwaltung zu Rendsburg“, die über Vormundschaften Auskunft gibt. Um den Verfall auch solcher Schätzchen aufzuhalten, archiviert er alles, was aus Papier ist, in Mappen, die einen „alkalischen Puffer“ bilden. Das besondere Material ist in der Lage, die Säure aus dem Papier aufzufangen. Zudem wird der Magazinraum konstant auf 14 bis 18 Grad bei einer Luftfeuchtigkeit von 35 bis 50 Prozent gehalten. Auch das trägt dazu bei, dass das Papier länger hält.

Die ältesten Relikte sind große gebundene Personenstandsregister aus den Gemeinden des Kreises – sie reichen zurück in die Zeit Ende des 19. Jahrhunderts. Darin wurden alle Geburten, Hochzeiten und Sterbefälle dokumentiert. Sehr interessant für Ahnenforscher und Erbenermittler, versichert Tom Röhrig. Aber auch andere Schriften, etwa über staatliche Sozialleistungen der Vergangenheit sind laut Kruse noch heute relevant. Nur so sei es etwa für Wissenschaftler möglich, Vergleichsdaten für heutige Untersuchungen zu erhalten. Seit das Archiv neu aufgebaut wird, hat es etwa 20 bis 30 Anfragen von interessierten Bürgern zu bestimmten Daten gegeben. „Besonders Chronisten sind am Kreisarchiv sehr interessiert“, so Röhrig. Doch betreten darf den großen Raum außer ihm und seiner Chefin niemand allein, um nach Informationen zu suchen. „Die Gefahr, dass dabei etwas wegkommt, ist zu groß – das sind schließlich alles Originale“, sagt Martin Kruse. Eines Tages soll es möglich sein, alle Dokumente auch elektronisch abrufen zu können, doch bis dahin dauere es noch Jahre, so Kruse. Deshalb muss jeder erst einmal eine Anfrage stellen, dann werden Tom Röhrig und Anja Freitag tätig.

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