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Rendsburg-Eckernförde : Freie Platzwahl in den Freibädern

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

In diesem Sommer schwimmen an vielen Tagen höchstens die Stammgäste – trotzdem werden derzeit einige Investitionen geplant.

„Grottig“ – mit diesem und noch deutlich drastischeren Worten reagierten Freibad-Verantwortliche im Kreis Rendsburg-Eckernförde auf die Frage der Landeszeitung zum bisherigen Saison-Verlauf. Durch das fehlende Sommerwetter bleiben die Besucher weg. Nach den ersten spontanen Ausbrüchen zeigte sich aber: Eigentlich nehmen die Verantwortlichen die Situation gelassen hin – und planen schon die Zukunft ihrer Bäder.

Die Saison im Freibad Rendsburg begann am 25. Mai. Bislang kamen 25  870 Besucher. Ziel waren 35  000. Das sagte Betriebsleiter Jürgen Langmaack. Ein sehr starker Rückgang wurde ihm zufolge im Juli verzeichnet. Im Durchschnitt der letzten fünf Jahre kamen in Rendsburg in diesem Monat 18  857 Besucher, diesmal nur 10  325. „Das Wetter ist natürlich der wichtigste Faktor beim Freibadbesuch“, sagte Langmaack. „Wenn die Sonne nicht scheint, ist das wie beim Skifahren, wenn kein Schnee liegt.“ Drei Tage seien nötig, „bis die Leute gemerkt haben, dass gutes Wetter ist. Am ersten Tag kommen 800, am nächsten 1200 und dann erst 1500 bis 2000.“ Offenbar bräuchten viele Zeit, um einen Besuch zu planen. Ein schöner Tag zwischendurch sei zu wenig.

Betrieben wird das chronisch defizitäre Freibad von den Stadtwerken. Deren Geschäftsführer, Helge Speer, sagte: „Es gibt immer mal wieder so einen Sommer. Diesmal gibt es ihn leider schon ein paar Jahre hintereinander.“ Natürlich gebe es Überlegungen, sich vom Wetter unabhängiger zu machen. Zeitgemäß sei beispielsweise eine Überdachung. „Bei einer eventuell anstehenden Sanierung sollte man sich intensiv damit auseinandersetzen.“

Im benachbarten Büdelsdorf wagten ebenfalls deutlich weniger Menschen den Sprung ins Wasser. „Bislang lagen wir bei den Besucherzahlen rund 15 Prozent unter dem Vorjahr“, sagte Freibad-Geschäftsführer Hartmut Wiemer. „Wobei letztes Jahr bis zu dem Zeitpunkt das schlechteste war, das wir je hatten.“ Im Vergleich zu einem guten Juli seien nur rund die Hälfte der Besucher gekommen. Ein Hoffnungsschimmer: Im vergangenen Jahr gab es einen Spätsommer-Endspurt, dank dem das Freibad bis Mitte September geöffnet war. Die Zukunft des Freibads sei durch den miesen Sommer aber so oder so nicht gefährdet: „Die Büdelsdorfer wollen ein Freibad.“ Im Herbst werde ein zusätzlicher Wasser-Filter eingebaut und die Solaranlage erweitert.

In Hohenwestedt wird demnächst ebenfalls groß umgebaut. „Wir haben spürbar weniger Besucher als in den Vorjahren“, sagte Ortsmanager Jan Butenschön. „Der Kiosk, der privat verpachtet ist, macht natürlich ebenfalls geringeren Umsatz. Aber die Gemeinde hat sich klar zum Freibad bekannt. Das ist auch ein Faktor, was die Lebensqualität angeht.“ Eine Haltung, die in Timmaspe geteilt wird. Auch wenn Freibad-Chef Friedrich „Fiete“ Buss zugibt: „Am vergangenen Sonntag waren nur zwei Leute da. Da lohnt es sich eigentlich nicht, aufzumachen.“

In Aukrug hat sich die Zahl der Badegäste mehr als verdoppelt, als im vergangenen Jahr eine Heizung für das Wasser im Freibad in Betrieb genommen wurde. „27 Grad sind schon ein gutes Argument“, sagte Joachim Rehder, Vorsitzender im Förderverein Freibad Aukrug und stellvertretender Bürgermeister. Trotzdem werde 2017 voraussichtlich kein berauschendes Jahr. „Unsere Dauerschwimmer kommen regelmäßig. Aber die Tagesgäste fehlen.“ Zum Endspurt sollen am 8. und 9. September wieder die Stör-Piraten aus Neumünster mit ihren Schiffsmodellen viele Besucher ins Freibad locken.

Auch um das Freibad in der Gemeinde Bokel kümmert sich ein Förderverein. Bis zu 6000 Euro nehme der Verein durch Bandenwerbung ein, erklärte der Vorsitzende des Fördervereins, Rolf Godt. Dazu kommen Mitgliedsbeiträge und ehrenamtliche Arbeit. Die Folge: Das Bad sei kein Zuschussgeschäft, sondern schreibe schwarze Zahlen. Zum Geschäftsmodell gehört auch, dass Jahreskartenbesitzer gegen 20 Euro Pfand einen Schlüssel fürs Freibad bekommen können, um sehr früh oder spät noch schwimmen zu können. „Wobei Stammgäste momentan auch tagsüber kommen können, weil nicht so viel Hektik herrscht“, erläuterte Godt einen Vorteil des fehlenden Sonnenscheins.

„Auch wir leben von unseren Stammgästen“, sagte Andreas Gädigk, Mitarbeiter im Freibad Fockbek. „Die kommen immer – da könnte sogar ein Eisberg im Wasser schwimmen.“ Tagesbesucher blieben aber weg, solange die Liegewiese feucht sei.

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erstellt am 11.Aug.2017 | 12:35 Uhr

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