Energiewende : Freie Bahn für den Windstrom

Drückten gemeinsam den symbolischen Startknopf: Lex Hartmann, Mitglied der Tennet-Geschäftsführung (links), und Umweltminister Robert Habeck.
Drückten gemeinsam den symbolischen Startknopf: Lex Hartmann, Mitglied der Tennet-Geschäftsführung (links), und Umweltminister Robert Habeck.

Minister Robert Habeck schaltet 380-Kilovolt-Trasse ein

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24. Januar 2018, 10:51 Uhr

Der norddeutsche Windstrom kann auf dem Weg nach Süden jetzt ungebremst fließen: Umweltminister Robert Habeck und Lex Hartmann vom Netzbetreiber Tennet haben gestern in Osterrönfeld die bisher längste Stromautobahn in Schleswig-Holstein eingeweiht. Gemeinsam drückten sie im Tennet-Umspannwerk „Audorf/Süd“ symbolisch einen Startknopf. In Betrieb ist die Anlage seit Ende Dezember.

Die Stromautobahn ersetzt eine 220-Kilovolt-Leitung, die den Anforderungen der Energiewende nicht mehr genügt. Das bestehende Netz kann den Ökostrom wegen Überlastung nicht immer aufnehmen. Windräder müssen zeitweise abgeschaltet werden. Die neue Leitung dagegen kann mit einer Kapazität von 380 Kilovolt sieben Mal so viel Strom aufnehmen wie die bisherige, die bis Jahresende abgebaut wird. Wie Lex Hartmann berichtete, ist das Netz seit Dezember bereits stabiler geworden.

Die Höchstspannungsleitung ist 70 Kilometer lang und verbindet die Umspannwerke „Audorf/Süd“ in Osterrönfeld und „Hamburg/ Nord“. Sie stellt den größten fertiggestellten Abschnitt der Stromautobahnen in Schleswig-Holstein dar, erläuterte Habeck. Der Leitungsausbau wurde auf 590 Kilometern angestrebt, auf 320 Kilometern genehmigt, auf 100 Kilometern begonnen und nun auf 70 Kilometern fertiggestellt. Habeck hob hervor, dass niemand gegen die Trasse klagte. „Das ist nicht so häufig, dass das in Deutschland gelingt.“ Die Leitung wurde weitgehend parallel zur Autobahn 7 gebaut und quert sie aus Rücksicht auf Bürger siebenmal. Osterrönfelds Bürgermeister Bernd Sienknecht sieht Vorteile für die Anwohner: „Die Emissionslagen wie Geräusche nehmen durch die neue Technik ab. Das wurde uns zugesichert.“

Tennet investiert nach eigenen Angaben insgesamt drei Milliarden Euro in die künftigen drei Haupt-Stromachsen in Schleswig-Holstein. Das sind die „Westküstenleitung“, die „Mittelachse“ und die „Ostküstenleitung“. Der gestern eingeweihte Abschnitt liegt auf der „Mittelachse“. Tennet will sie ab Frühjahr Richtung Norden mit einer ebenfalls 70 Kilometer langen Leitung von Audorf nach Flensburg verlängern.

Der dritte, zehn Kilometer lange Abschnitt führt zur dänischen Grenze. Nach der Fertigstellung im Jahr 2020 soll die Stromautobahn insgesamt etwa 150 Kilometer lang sein. Die dänischen Netzbetreiber wollen die 380-Kilovolt-Leitung bis nach Kassö, 40 Kilometer nördlich von Flensburg, fortsetzen. Langfristig soll der Windstrom aus dem Norden über Hamburg und Niedersachsen zu den Industriezentren in Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg fließen.

Warum „Audorf/Süd“ in Osterrönfeld liegt

Warum heißt das Umspannwerk eigentlich „Audorf/Süd“? Immerhin steht es auf Osterrönfelder Ortsgebiet, wie Bürgermeister Bernd Sienknecht gestern versicherte. Es liegt südlich der Bundesstraße 202, von Rendsburg aus gesehen hinter der Abfahrt Schacht-Audorf an einer Straße mit dem treffenden Namen Schaltstation. Tennet-Sicherheitsbeauftragter Jürgen Eichhorn berichtete während eines Rundgangs: Die Arbeiter, die 1955 das erste Umspannwerk mit 110-Kilovolt-Leitungen bauten, hatten sich in Fremdenzimmer in Schacht-Audorf einquartiert. Sie erzählten zu Hause: „Ich arbeite in Audorf.“ Dadurch bürgerte sich für das Umspannwerk der Name „Audorf“ ein. Wie kam es zu dem Zusatz „Süd“? Das wurde nicht überliefert. Jedoch steht die Anlage eindeutig südlich von Schacht-Audorf. 1966 wurde das Umspannwerk auf 220 Kilovolt umgerüstet. 1973/74 begann der Bau eines 380-Kilovolt-Umspannwerks. Seit Januar 2015 errichtet der Netzbetreiber Tennet einen Ersatz- und Erweiterungsneubau. Der erste Abschnitt ist gleichzeitig mit der neuen Freileitung in Betrieb genommen worden. Anfang 2019 soll die neue Anlage komplett fertiggestellt sein.

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