AfD im „Tivoli“ : Frauke Petry tritt in Aukrug auf – und der Wirt wird massiv bedroht

Im Aukruger „Tivoli“ findet eine AfD-Wahlkampfveranstaltung statt. Die Polizei ist mit starken Kräften vor Ort.
Im Aukruger „Tivoli“ findet eine AfD-Wahlkampfveranstaltung statt. Die Polizei ist mit starken Kräften vor Ort.

Unbekannte drohen, die Gäste mit Gülle zu überschütten und Molotowcocktails zu werfen. Die Polizei ist alarmiert.

shz.de von
02. März 2017, 12:01 Uhr

Aukrug | In Aukrug leben knapp 3800 Menschen. Das Dorf ist von Landwirtschaft geprägt und umgeben von Wiesen und Wäldern. Ein beschaulicher Ort also, der Freitagabend jedoch Schauplatz von Tumulten und Ausschreitungen werden könnte. Der Grund: Die Alternative für Deutschland (AfD) stattet dem nördlichsten Bundesland zum Auftakt des Landtagswahlkampfes einen Besuch ab und macht Halt in Aukrug. Die Autonome Antifa-Koordination Kiel hat auf ihrer Internetseite zur „antifaschistischen Gegenmobilisierung“ aufgerufen. Gegenüber dem „Tivoli“-Wirt, in dessen Gaststätte die Versammlung stattfindet, sind massive Drohungen ausgesprochen worden.

Eigentlich wollte die Partei-Vorsitzende Frauke Petry im Kieler Schloss das Wort ergreifen – von dort gab es jedoch kurzfristig eine Absage der Kiel Concerts GmbH, dem Vermieter der Räume. Als Grund wurden Sicherheitsbedenken genannt. Die Organisatoren wurden bei der Suche nach einer räumlichen Alternative schließlich in Aukrug fündig: Die Wahlkampfveranstaltung, für die man sich im Internet anmelden muss, findet im Dorfzentrum in der Gaststätte „Tivoli“ statt. „Ich bekam am Mittwoch einen Anruf. Anschließend haben sich einige Parteimitglieder die Räumlichkeiten angesehen“, berichtet Sven Lohse, Pächter des „Tivoli“.

Er habe kein Problem damit, der AfD seinen Saal zu vermieten, so der Gastronom. „Die AfD ist eine demokratische Partei, die nicht verboten ist. Das muss man respektieren.“ Er findet, was alle anderen Parteien für sich in Anspruch nehmen, muss man auch der AfD gewähren.

So rechtfertigt er sich auch auf der Facebookseite seines Lokals:

 

Doch nachdem bekannt wurde, dass die Wahlkampfveranstaltung in seiner Gaststätte stattfindet, sieht er sich jedoch mit massiven Bedrohungen konfrontiert. „Es wird damit gedroht, dass der Saal gestürmt wird, Farbbeutel und Molotow-Cocktails fliegen oder ein Güllewagen über den Gästen ausgekippt wird“, berichtet Lohse. Mittlerweile hat er die Kripo deswegen eingeschaltet. „Und das alles nur, weil ich einen Raum an eine Partei vermietet habe. Das sind Zustände wie in Kabul, Afghanistan“, so der Gastwirt. „Ich möchte mir meine Meinung selbst bilden, aber das geht nicht, wenn ich bedroht werde“, so der Aukruger, der selbst in keiner Partei ist.

Von einer „ganz problematischen Geschichte für das Dorf“ spricht Nils Kuhnke, Bürgermeister des Ortes. Das Amt habe jedoch keine Einwirkungsmöglichkeiten, ihm seien die Hände gebunden. Dennoch, so Kuhnke: „Wir leben in einer Demokratie, da müssen Menschen ihre Meinung äußern dürfen.“ Ihm liege es sehr am Herzen, dass die Veranstaltung „ordentlich, vernünftig, demokratisch und vor allem gewaltfrei“ über die Bühne gehe.

Dass dem so ist, dafür will die Polizei Sorge tragen. „Noch sind wir in der Vorbereitungsphase, weil uns die Information sehr kurzfristig erreicht hat, dass die Versammlung in Aukrug stattfindet“, berichtete Donnerstagmittag Polizeisprecher Sönke Hinrichs. Es würden aber „ausreichend“ viele Polizeikräfte abgestellt, um ihren Aufgaben nachzukommen. „Dazu gehört der Schutz des Versammlungsrechts, die Abwehr von Gefahren und die Verfolgung von Straftaten, sollte es dazu kommen“, so Hinrichs. Die ausgesprochenen Drohungen nehmen die Beamten ernst. „Wir werden mit starken Kräften präsent sein. Da steht nicht nur ein Streifenwagen“, kündigte der Polizei-Sprecher an.

Obwohl Sven Lohse damit rechnet, dass zumindest sein Gebäude Schäden davontragen wird, will er die Versammlung nicht absagen. „Auf die Idee würde ich nicht kommen. Immerhin habe ich einen Vertrag unterzeichnet, und daran halte ich mich.“ Außerdem ist es für ihn eine Frage von Demokratie, jeden zu Wort kommen zu lassen.

Wegen der AfD-Veranstaltung wird es am Freitag in Aukrug zwischen 14 und 22 Uhr zu Verkehrsbehinderungen im Verlauf der Landesstraße 121 und Hauptstraße /Itzehoer Straße kommen. Die Polizei empfiehlt Verkehrsteilnehmern aus Nortorf kommend, Richtung Hohenwestedt fahrend über die Böker Straße/Bünzer Straße auf die B430 und umgekehrt auszuweichen.  

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen