Imland-Klinik : Fragwürdige Geschäfte mit Geburten

<p>Standort Eckernförde im Fokus: Das Beleg-Modell mit externen Ärzten und Hebammen muss schnell geändert werden.</p>
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Standort Eckernförde im Fokus: Das Beleg-Modell mit externen Ärzten und Hebammen muss schnell geändert werden.

Zahlungen an Ärzte und Hebammen am Eckernförder Krankenhaus-Standort schlagen hohe Wellen.

shz.de von
25. März 2017, 06:00 Uhr

Die Imland-Klinik schrammt offenbar knapp an einer Katastrophe vorbei. Aus einem Rechtsgutachten wird deutlich, dass das Kooperationsmodell zwischen dem Krankenhaus sowie Belegärzten und Hebammen am Standort Eckernförde unter keinen Umständen weitergeführt werden darf. Ansonsten bestehe der Verdacht auf Korruption. In dem Fall müsste die Staatsanwaltschaft einschreiten.

Das will der Kreis als Gesellschafter der Imland-Klinik nun mit einem Beschluss zum Erhalt der Kinderstation und der Geburtshilfe in Eckernförde verhindern, der am Donnerstag in einer nicht-öffentlichen Sitzung des Hauptausschusses vorbereitet worden war (wir berichteten). Hintergrund des Rechtsgutachtens, das der Kreis in Auftrag gegeben hatte, ist ein Gesetz zu den Straftatbeständen Bestechlichkeit und Bestechung im Gesundheitswesen. Das war im Juni 2016 in Kraft getreten. Seit 2013 besteht in Eckernförde jedoch bereits ein Kooperationsmodell, das besondere Zahlungen an Belegärzte und Hebammen regelt. Die sind in der Geburtenabteilung nicht fest angestellt, sondern weisen ihre Patienten der Imland-Klinik zu und behandeln sie dort weiter. Da die selbstständigen Ärzte und Hebammen jedoch hohe Haftpflichtprämien zahlen müssen, lohnte sich der Aufwand für sie kaum noch. Deshalb zahlte die Klinik diese Prämien für die Ärzte seit 2013. „Mit den Hebammen wurde vereinbart, dass diese pro Entbindung in der Imland-Klinik einen Betrag von 150 Euro erhalten sollten, der verschiedene Tätigkeiten pauschal abgelten soll“, heißt es im Gutachten.

Genau diese Praxis könnte nun einen Straftatbestand darstellen. Es sei laut Gutachten problematisch, dass die Zahlungen „keine Gegenleistung für konkrete Heilbehandlungsleistungen“ sind. Stattdessen werden sie geleistet, „um den Belegärzten und -hebammen einen Anreiz zu bieten, die Geburtenabteilung aufrecht zu erhalten“. Dadurch bestehe „der Anfangsverdacht für strafbare Handlungen“. Das Gesetz sieht dafür sogar Gefängnisstrafen vor. Der Gutachter kommt deshalb zu der Empfehlung, „ab sofort keine Zahlungen mehr zu leisten und die derzeit bestehenden Verträge und Vereinbarungen neu zu verhandeln“.

Obwohl es keiner laut aussprechen will, ist in Politiker-Kreisen längst klar, dass diese Praxis in der Vergangenheit bereits zu einer Wettbewerbsverzerrung in der Region geführt haben könnte. Denn seitdem es die Kooperationsvereinbarung gibt, ist die Zahl der Geburten in Eckernförde durch die Decke gegangen – sie steigerte sich um fast 50 Prozent. 2013 kamen an dem Imland-Standort 566 Kinder zur Welt. 2016 waren es 832. Eingeweihte wissen zudem, dass der Zuwachs größtenteils nicht aus dem Einzugsgebiet der Klinik kommt, sondern aus dem Süden des Kreises, aus Kiel und aus dem Kreis Schleswig-Flensburg. In der Politik ist man in Sorge, dass ein fataler Verdacht entstehen könnte: Haben Mediziner und Hebammen aus besonderem finanziellen Interesse möglichst viele werdende Mütter nach Eckernförde gelotst? Und könnte dies möglicherweise Auswirkungen auf den Imland-Standort Rendsburg gehabt haben? Dort ist die Zahl der Geburten zwar nicht gesunken, aber nur sehr geringfügig gestiegen: von 961 in 2015 auf 973 im vergangenen Jahr.

In Rendsburg ist die Geburtshilfe nicht nach dem Belegmodell organisiert. Ärzte und Hebammen sind angestellt. Imland-Geschäftsführer Dr. Hans-Markus Johannsen glaubt nicht, dass sich der Anstieg in Eckernförde zulasten der Geburtenzahl in Rendsburg ausgewirkt hat. Zudem zeigte er sich auf Nachfrage der Landeszeitung davon überzeugt, dass die 50-Prozent-Steigerung auf den guten Ruf des Eckernförder Standorts zurückzuführen ist. „Weil die Geburtshilfe dort gute Arbeit macht, genießt sie eine breite Akzeptanz. Es ist ein kleines Haus mit einer persönlichen Betreuung. Werdende Familien fühlen sich sehr wohl dort“, sagte Johannsen gestern.

Im Beschluss, der am Montag gefasst werden soll, erklärt der Kreistag, dass er die Geburtshilfestation „als wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung am Standort Eckernförde“ erachtet. Sie solle weiterhin als Belegabteilung geführt werden. „Sollte ein rechtssicherer Betrieb nicht möglich sein, so stimmt der Gesellschafter der Errichtung einer Hauptabteilung mit der Einstellung einer ärztlichen Leitung für die Geburtshilfe zu.“ Die Geschäftsführung soll nun Konzepte vorlegen. Alle Fraktionen unterstützen den Antrag. Er wird in der öffentlichen Sitzung, die am Montag, 27. März, um 15 Uhr im Rendsburger Kreishaus beginnt, beraten.

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