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Was wird aus der Ruine? : Fortschritt in der Geheimsache Hertie

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Der Bauausschuss entscheidet am Dienstag über die Aufnahme von Kaufverhandlungen. Der Verkehrswert der Kaufhaus-Ruine steht fest.

shz.de von
erstellt am 25.Jan.2014 | 06:00 Uhr

Heiß, heißer, Hertie – es kommt Bewegung ins Thema, das ganz Rendsburg brennend interessiert. Soll die Stadt die Kaufhaus-Ruine am Altstädter Markt erwerben und abreißen? Wenn ja, zu welchem Preis? Um diese Fragen ging es im nicht-öffentlichen Teil der Sitzung des Senats am Donnerstagabend. Und mit diesen Fragen wird sich am Dienstag auch der Bauausschuss befassen – ebenfalls hinter fest verschlossenen Türen. Die Runde entscheidet, ob die Verwaltung beauftragt wird, in Kaufverhandlungen zu treten.

Der Fall Hertie wird als streng vertraulich behandelt. Nichts soll die bevorstehenden Gespräche mit dem Insolvenzverwalter stören. Hertie-Vermarkter Sebastian Mogos-Lindemann versucht seit Jahren, die marode Immobilie auf dem freien Markt loszuwerden. Vergeblich. Nach Informationen der Landeszeitung bietet er das Hertie-Haus für etwa 1,7 Millionen Euro an. Viel zu teuer, sagen Experten. Das Gebäude steht seit August 2009 leer, ist seitdem unbeheizt und hat schon dadurch kaum reparable Mängel davongetragen. Hinzu kommen natürliche Bodenbewegungen am Standort zwischen Altstädter Markt und Stegengraben, die zu Schäden an der Bausubstanz führten. Im Fall Hertie ist sich die Fachwelt weitgehend einig: Ein Abriss ist unausweichlich.

Davor steht jedoch der Erwerb des Grundstücks. Um überhaupt in Kaufverhandlungen eintreten zu können, hat die Stadt vor Monaten ein sogenanntes Verkehrswertgutachten in Auftrag gegeben. Es wird in einem auf Grundstücksbewertung spezialisierten Sachverständigenbüro in Mecklenburg-Vorpommern erstellt. Die endgültige Fassung soll bis zur Bauausschuss-Sitzung am Dienstag vorliegen. Der voraussichtliche Verkehrswert steht schon fest. Er war Gesprächsstoff im Senat. Nach Informationen der Landeszeitung beläuft er sich auf einen hohen sechsstelligen Betrag. Damit liegt er deutlich unterhalb jener Summe, die der Insolvenzverwalter Sebastian Mogos-Lindemann von möglichen Käufern verlangt.

Das Problem aus Sicht der Stadt: Anders als noch vor einem Jahr befindet sich das Hertie-Haus mittlerweile in einem Sanierungsgebiet. Zwar ist das historisch gewachsene Areal noch nicht offiziell als solches anerkannt und definiert worden. Es ist aber unumstößlich auf dem Weg dorthin. Ende vergangenen Jahres kassierte die Stadt bereits die ersten Landesmittel zur Städtebauförderung.

Die Verwaltung bringt das bei den Verhandlungen mit dem Insolvenzverwalter in eine undankbare Lage. Sie muss mit dem Hertie-Abwickler zu einem Preis handelseinig werden, der nicht weit über dem Verkehrswert liegen darf. Schlägt die Stadt zu einer erheblich höheren Summe ein, läuft sie Gefahr, das Land Schleswig-Holstein zu vergrätzen und schlimmstenfalls Fördermittel zurückzahlen zu müssen.

Zweite Crux: Werden Zahlen aus dem Verkehrswertgutachten bekannt, könnten Mitbewerber die Stadt übertrumpfen und den Preis hochtreiben. Mit jedem weiteren Euro über dem Verkehrswert würde sich die Verhandlungsposition der Stadt verschlechtern. Deshalb trägt die Akte Hertie den Stempel „Streng geheim“.

Ihm steht das sehr große Interesse der Öffentlichkeit entgegen. Bürgermeister Pierre Gilgenast weiß das, möchte sich zur Sache aber partout nicht äußern. „Ich will den Beratungen in den Gremien nicht vorgreifen“, sagte der Verwaltungschef – und bestätigte damit indirekt, dass der Fall Hertie in den Ausschüssen behandelt wird.

 


>Der Bauausschuss tagt am Dienstag, 28. Januar, um 18 Uhr im Alten Rathaus (Sitzungsraum 1).

 

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