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American Football : „Football hat in Rendsburg Zukunft“

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Aus der Redaktion der Landeszeitung

Spielertrainer Sebastian Gotsch glaubt nach einer wenig gelungenen Saison nicht an einen Rückschlag für das Projekt „Rendsburg Knights“. In der abgelaufenen Spielzeit kassierte der Verbandsliga-Aufsteiger acht Niederlagen in acht Soielen.

shz.de von
erstellt am 12.Nov.2015 | 06:00 Uhr

Bei den American Footballern der Rendsburg Knights lecken sie die Wunden einer wenig gelungenen Saison. Nach der grandiosen Spielzeit 2014/15, als die Ritter in ihrer Debüt-Saison auf Anhieb die Meisterschaft in der Landesliga feierten, wurden ihnen nach dem Aufstieg in die Verbandsliga deutlich die Grenzen aufgezeigt. In acht Spielen gab es acht zum Teil deutliche Niederlagen wie das 0:45 gegen die Hamburg Heat oder das 0:41 gegen die Hamburg Blue Devils. Im Interview mit LZ-Sportredakteur Joachim Hobke zieht Spielertrainer Sebastian Gotsch (Foto, links) eine Bilanz.

Herr Gotsch, die Saison hat man sich bei den Rendsburg Knights sicherlich anders vorgestellt, oder?
Wir haben vorher gewusst, dass es ein großer Sprung von der Landesliga in die Verbandsliga ist, aber wir wollten uns der Herausforderung stellen. Daher sind wir nicht ganz so überrascht, wie die Saison gelaufen ist. Allerdings stimmt mich die Deutlichkeit der Niederlagen doch ein bisschen nachdenklich.

Was waren die Gründe für die schwierige Saison?
Leider sind wird nicht mehr ganz so stark besetzt wie im Jahr zuvor in der Landesliga. Der Kern des Teams ist zwar zusammengeblieben, aber es fehlte in der Breite an Qualität. Das hat man vor allem gemerkt, als einige wichtige Spieler wie zum Beispiel Wide Receiver Fabian Schütt wegen Verletzung ausgefallen sind. Die Saison begann ja gar nicht so schlecht mit dem 7:14 gegen die Hamburg Heat im ersten Spiel. Doch hinten heraus war der Kader einfach zu dünn besetzt. Andere Teams hatten da mehr Möglichkeiten. Allerdings hätte das eine oder andere Ergebnis nicht so deutlich ausfallen müssen, da müssen wir uns auch an die eigene Nase fassen.

Hat die Stimmung unter den vielen Negativerlebnissen gelitten?
Natürlich bleibt nach jeder Niederlage ein bitterer Beigeschmack, vor allem, wenn man so hoch verliert. Aber mein Trainerteam und ich haben die Jungs im Vorfeld darauf vorbereitet, dass es die eine oder andere Niederlage geben könnte. Im Laufe der Saison hat man allerdings schon gemerkt, dass bei dem einen oder anderen die Motivation etwas gelitten hat. Aber die Köpfe gingen nicht komplett runter. Niemand hat sich hängen lassen, das muss man den Jungs hoch anrechnen.

Was bedeutet diese Saison für American Football in Rendsburg? Ist es ein Rückschlag? Ist das „Projekt Rendsburg Knights“ gefährdet?
Nein. Football wird auch weiterhin eine Zukunft in Rendsburg haben. Da bin ich mir sicher. Man darf nicht vergessen, dass der Verein noch sehr jung ist. Wir haben gerade einmal erst unsere zweite Saison gespielt. Wir sind ja noch dabei, Strukturen aufzubauen. Das geht nicht von heute auf morgen. Wir haben schon wieder viele Anfragen von interessierten Spielern. Und wir haben in dieser Saison erstmals auch ein Jugendteam gehabt. Viele Nachwuchsspieler konnten sich da zeigen und wurden zu Auswahlteams eingeladen. Wir sind auf einem guten Weg, American Football auf Dauer in Rendsburg zu etablieren. Das haben ja auch die Zuschauerzahlen gezeigt. Der Sport wird hier angenommen. Natürlich gibt es im Umfeld noch eine Menge zu tun. Bei den Knights fehlt es noch an einigen Sachen wie zum Beispiel am Trainingsequipment. Das ist auch eine Frage des Geldes, also der Sponsoren.

Wie geht es sportlich mit den Knights weiter?
Man muss erst einmal abwarten, wie der Verband die Ligen für die kommende Saison einteilt. Dann müssen wir uns entscheiden. Wir könnten wieder zurück in die Landesliga, aber ich bin der Meinung, wir sollten uns erneut der Herausforderung in der Verbandsliga stellen. Das hängt allerdings auch ein Stück weit von der Qualität der Mannschaft ab. Wir sind gerade dabei, den Kader für die neue Saison zusammenzustellen.

Wird es einen kompletten Neuaufbau geben?
Nein. Ich glaube nicht, dass die Mannschaft total auseinanderbrechen wird. Wir führen in diesen Wochen die ersten Gespräche mit den Spielern. Wer will bleiben, wer will gehen? Jeder muss sich nach so einer Saison erst einmal Gedanken machen, wie es für ihn persönlich weitergeht. Man darf ja auch nicht vergessen, dass American Football ein sehr zeitintensiver Sport ist. Man kann das zum Beispiel nicht mit Kreisklassen-Fußball vergleichen. Wer sich für diesen sehr komplexen Sport begeistert, wer Teil eines Teams sein möchte, der muss die Bereitschaft mitbringen, kontinuierlich zum Training zu kommen. Daran hat es bei dem einen oder anderen in der vergangenen Saison leider gefehlt.

Da klingt leise Kritik durch.
Ja. Unsere Trainingsleistung hat sich zum Teil auch in den Ergebnissen widergespiegelt. Die Leistungsbereitschaft hätte insgesamt größer sein können. Um Erfolg zu haben, braucht man extrem viele Spieler, die bereit sind, über einen sehr langen Zeitraum hart an sich zu arbeiten. Wenn man nicht genügend trainiert, kann man nicht erwarten, dass man in den Punktspielen erfolgreich ist.

Stehen Sie in der kommenden Saison weiter als Spielertrainer zur Verfügung?
Wie es mit mir persönlich weitergeht, ist noch nicht abschließend geklärt. Ich möchte auf alle Fälle selbst noch spielen. Daher wäre ich froh, wenn der Vorstand einen Headcoach finden würde. Es ist extrem schwierig, als Spielertrainer zu fungieren. Es ist wichtig, wenn an der Außenlinie jemand steht, der den Kopf frei für das Team hat und sich nicht noch um seine persönlichen Ziele kümmern muss. Ich habe zwar durch meinen Assistenzcoach Sebastian Ahrens, der permanent dabei war, und Quarterback Philipp Köpke, der mein verlängerter Arm auf dem Spielfeld war, viel Unterstützung bekommen. Bei beiden möchte ich mich noch einmal ausdrücklich bedanken. Doch ich habe auch gemerkt, dass sowohl das Coachen als auch meine Leistung auf dem Feld unter der Doppelfunktion gelitten haben. Der Sport ist einfach zu umfangreich. Man muss auf so viele Dinge reagieren. Das ist als Spielertrainer nur schwer möglich.

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