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Flugplatz-Betreiber würde „Christoph 42“ aufnehmen

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Reeder Jörg Köpping: Schachtholm idealer Standort für Rettungshubschrauber / Ersatzkassen wollen nicht zahlen

shz.de von
erstellt am 23.Mär.2015 | 11:14 Uhr

Der Mann kennt sich nicht nur mit Schiffen aus, sondern auch mit Flugzeugen: Der Schülper Reeder Jörg Köpping betreibt den auf dem Gebiet der Gemeinde Hörsten liegenden Verkehrslandeplatz Rendsburg-Schachtholm. Zur laufenden politischen Diskussion um den Rettungshubschrauber „Christoph 42“, die heute im Bauausschuss (18 Uhr, Altes Rathaus) fortgesetzt wird, hat der 59-jährige Pilot eine klare Meinung: „Wir würden die Verlegung von Rendsburg nach Schachtholm begrüßen. Alles, was mit Flugbetrieb zu tun hat, gehört auf einen Flugplatz und nicht mitten in die Stadt.“

Schachtholm sei der ideale Standort für einen Rettungshubschrauber, sagt der Unternehmer, der von Schülp aus 15 Frachtschiffe bereedert und Ersatzteile mitunter persönlich zu den Frachtern fliegt, wenn sie in der Ferne benötigt werden. Die Tauglichkeit habe der Platz bereits bewiesen, als Schachtholm vor Jahren als Zwischenlösung diente. Von September 2010 bis Februar 2011 hob der rot-weiße Helikopter der DRF Luftrettung auf dem südwestlich von Rendsburg gelegenen Platz mit der internationalen Kennung „EDXR“ ab, während das Hubschrauber-Deck neben der Imland-Klinik umgebaut wurde. „Wir waren damals sehr zufrieden, und die DRF war es auch“, erinnert sich Köpping.

Nach Angaben der gemeinnützigen Organisation betrugen die Kosten damals 17  000 Euro. „Die Interimslösung kommt für einen dauerhaften Betrieb der Luftrettungsstation aber nicht in Frage“, betont DRF-Sprecherin Petra Hentschel. Das Investitionsvolumen für einen Umzug nach Schachtholm schätzt sie auf 3,5 Millionen Euro. Die Finanzierung ist ungeklärt. Prinzipiell werden die Kosten für die Luftrettung zwar über die Krankenkassen erstattet. In Schleswig-Holstein fehlt allerdings eine wichtige rechtliche Grundlage: Die Luftrettung ist nach DRF-Angaben nicht im Rettungsdienstgesetz verankert. „Für den Betrieb der Rendsburger Station existiert nur eine Vereinbarung mit dem Kreis Rendsburg-Eckernförde und der DRF Luftrettung aus dem Jahr 1978“, erklärt Hentschel. Darin stelle der Kreis die Station und die DRF den Hubschrauber samt Besatzung zur Verfügung. Einen Vertrag zwischen der DRF und dem für den Rettungsdienst zuständigen Ministerium für Gesundheit in Kiel gibt es nicht. „Durch die fehlende rechtliche Grundlage in Schleswig-Holstein haben wir als Luftrettungsbetreiber gegenüber den Krankenkassen keinerlei Anspruch auf Kostenerstattung für die von uns erbrachte Leistung“, so die Sprecherin. „Das heißt: Wir müssen mit den Kassen verhandeln.“ Das gilt auch für Neubauvorhaben. In Angermünde/Uckermark etwa hat die DRF den Bau einer drei Millionen Euro teuren Station vorfinanziert. Geplant ist, die Summe auf die Einsatzabrechnungen der kommenden Jahre umzulegen. Aber auch bei diesem Modell müssen die Krankenkassen mitspielen.

Danach sieht es im Rendsburger Fall nicht aus. Die Landesvertretung im Verband der Ersatzkassen (vdek), der die Techniker Krankenkasse, Barmer GEK, DAK-Gesundheit, Kaufmännische Krankenkasse, Hanseatische Krankenkasse und Handelskrankenkasse mit zusammen gut 47 Prozent Marktanteil in der gesetzlichen Krankenversicherung in Schleswig-Holstein vertritt, erteilte einer Verlegung nach Schachtholm gestern eine Absage: „Die Ersatzkassen sehen keine Veranlassung, den bewährten Standort in Rendsburg aufzugeben, der für die Luftrettung in Schleswig-Holstein von zentraler Bedeutung ist“, sagt Sprecher Florian Unger. „Wir sind auch nicht bereit, einen zugelassenen Standort zu schließen und stattdessen einen Neubau zu finanzieren, für den es unter den Gesichtspunkten der Versorgung keine Notwendigkeit gibt.“ Wer eine nicht-notwendige Verlegung wünsche, der müsse auch die Kosten tragen.

Zumindest das Grundstück wäre in Schachtholm unschlagbar günstig zu haben. Nach den Worten des Mehrheitseigners Jörg Köpping würde man das Gelände zu einem „symbolischen Preis, der gegen Null geht“ an die DRF verpachten. Auch eine Tankanlage müsse nicht mehr gebaut werden. „Unsere kann für den Hubschrauber genutzt werden.“

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