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Landeszeitung

21. Oktober 2017 | 03:30 Uhr

Flüchtlingsdramen aus erster Hand

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Kronwerkschüler sprachen mit Maher Sankare aus Syrien und Mohammad Rahimi auf Afghanistan / Jugendliche von Schilderungen beeindruckt

Flüchtlinge – ihr Schicksal berührt die Menschen. Auch die Klasse Q1d des Rendsburger Kronwerk-Gymnasiums hat sich intensiv damit beschäftigt. Zum Abschluss eines fächerübergreifenden Projekts hatten sie die Gelegenheit, mit zwei Menschen zu sprechen, die aus Syrien und Afghanistan nach Hohn gekommen sind.

Im Fockbeker Rathaus berichtete Maher Sankare von seiner Flucht vor dem Krieg in Syrien. Mit seiner Frau und den beiden Kindern, jetzt sechs und drei Jahre alt, war er über den Libanon und Ägypten nach Libyen geflohen. „Auch dort herrschte Krieg“, machte er deutlich. Die Reise ging weiter. In einem kleinen Boot kam die Familie unter Lebensgefahr nach Italien und schließlich nach Deutschland.

Die Schüler waren beeindruckt. Es sei berührend zu hören, wie hart und gefährlich die Flucht gewesen sei, sagten sie. Sankare (36) schilderte, dass er noch immer darunter leide, dass er seine Heimat verlassen musste. Aber das sei alles Vergangenheit. Mit der Aufnahme in Hohn habe sich eine neue Tür aufgestoßen. „Und meine Kinder sprechen zu Hause schon deutsch mit mir.“

Mohammad Rahimi ist aus Afghanistan geflohen. Seine erste Station in Europa waren die Niederlande, anschließend reiste er nach Deutschland. Seit zwei Jahren lebt er in Hohn. Die deutsche Sprache hat er sich schnell angeeignet. „Und er hilft seinen Landsleuten, wenn sie neu hier ankommen“, betonte Anke Kamphues, die als ehrenamtliche Flüchtlingsbetreuerin im Amt Hohner Harde tätig ist. Sie hoffe, dass der direkte Kontakt der Schüler zu den Flüchtlingen und Betreuern dazu führen könnte, junge Leute für die ehrenamtliche Flüchtlingshilfe zu gewinnen. „Die Sprachen erlernen, Kontakte bekommen, gemeinsam etwas aufbauen“, nannte Ludwig Seiberl als wichtigste Aufgabe der Flüchtlingsbetreuung.

Lehrer Rainer Rosenthal will klären, ob Flüchtlingskinder an Kursen der Offenen Ganztagsschule am Gymnasium Kronwerk teilnehmen können. Ein wichtiger Ansatz: Denn nachdem im vergangenen Jahr 105 Flüchtlinge und ihre Kinder in den Ämtern Fockbek und Hohner Harde aufgenommen wurden, stieg die Zahl in diesem Jahr (Stichtag 16. Februar) nach Angaben des Verwaltungsleiters Bernd Brommann bereits auf 122. „Und die nächste Flüchtlingswelle, diesmal hauptsächlich aus Eritrea, kündigt sich bereits an“, machte Thomas Möller, Leiter des Fachteams Soziales der Gemeinde Fockbek, deutlich.

Brommann betonte, dass der Zenit der Flüchtlingswelle noch nicht erreicht sei. Die Schüler, die sich intensiv mit der Thematik beschäftigt und den direkten persönlichen Kontakt zu den Flüchtlingen gesucht haben, könnten die „Helfer der Zukunft“ sein.

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