zur Navigation springen

Umzugssorgen : Flüchtlings-Camp zieht zweimal um

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Das Erstaufnahmelager an Büsumer Straße wird kommende Woche geräumt. Zwischenlösung in Rendsburg-Süd, dann zur Friedrichstädter Straße.

shz.de von
erstellt am 05.Nov.2015 | 09:51 Uhr

Die Tage der Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge im Norden der Stadt sind gezählt. Bis Mittwoch kommender Woche soll das Containerdorf an der Büsumer Straße nach und nach geräumt werden. Alle Flüchtlinge werden auf Kreise im ganzen Land verteilt. Wie das Innenministerium in Kiel mitteilte, suche man weiter nach einem alternativen Platz für eine Erstaufnahmeeinrichtung in Rendsburg. „Favorit im Prüfverfahren ist ein Standort am Rande des Norla-Geländes“, hieß es in einer Mitteilung aus Kiel. Der in den vergangenen Wochen ebenfalls diskutierte Standort unweit der Friedrichstädter Straße ist damit jedoch nicht aus dem Rennen – ganz im Gegenteil: Nach LZ-Informationen will das Land die Erstaufnahmeeinrichtung auf lange Sicht auf dem ehemaligen Kleingartengelände errichten.

Da das verwaiste Areal jedoch nicht schnell genug bewohnbar gemacht werden kann, wird die Fläche am Messegelände in Rendsburg-Süd als Übergangsstandort für die kommenden Wochen benötigt. Über die Gründe für den Fortzug des Mitte August geschaffenen Provisoriums aus der Büsumer Straße machte das Innenministerium auch gestern keine Angaben. Hintergrund sind Sicherheitsaspekte. Wie berichtet, befindet sich dicht an den Wohncontainern ein großer, oberirdischer Propangastank. Er gehört einem Rendsburger Unternehmen und wurde von Spezialisten als mögliche Gefahrenquelle eingestuft. Ursprünglich war geplant, bis zu 800 Flüchtlinge für 18 bis 24 Monate am nördlichen Stadtrand unterzubringen. Erst später geriet der Gastank in den Fokus. „Im Zuge des Genehmigungsverfahrens kam es bezgl. des dort von der Fa. Storm betriebenen Flüssigkeitsgaslagers zu einer neuen Bewertung der Gefährdungseinschätzung“, heißt es in einer von Fachbereichsleiter Herbert Schauer verfassten Tischvorlage für den Sozialausschuss am Montagabend.

Stand gestern befanden sich 557 Asylbewerber im Camp, die meisten stammen aus Syrien, Irak und Afghanistan. Nach Angaben aus dem Landesamt für Ausländerangelegenheiten in Neumünster haben alle Personen inzwischen das Registrierungsverfahren durchlaufen. Sie sollen in den kommenden Tagen auf Kreise in ganz Schleswig-Holstein verteilt werden. Danach werden die Container verlegt.

Bürgermeister Pierre Gilgenast erfuhr von der neuen Lage, als er gegen 15.30 Uhr von Journalisten um eine Stellungnahme gebeten wurde. Gegen 17 Uhr erhielt Gilgenast einen Anruf von Innenminister Stefan Studt (SPD). Dieser teilte mit, dass grundsätzlich das Kleingartengelände hinter der Friedrichstädter Straße als Standort für ein Erstaufnahmelager genutzt werden soll. Da dieser Bereich kurzfristig jedoch nicht hergerichtet werden kann, benötige man eine Zwischenlösung. Damit lenkte der Minister den Blick auf ein städtisches Grundstück südlich des Kanals im Bereich an der B  202 und der zum Rendsburg Port führenden Schwerlaststraße. Wie Gilgenast unserer Zeitung sagte, sei dieses zirka 3,7 Hektar große Areal nicht verpachtet. Daher habe die Stadt darauf unmittelbaren Zugriff. Der Bürgermeister betonte, dass das Ministerium noch keinen konkreten Zeitplan vorgelegt habe. Dennoch gehe er davon aus, dass diese Fläche noch in diesem Jahr für die Flüchtlinge hergerichtet wird. Wegen der Verkehrs- und Lärmbelastung insbesondere durch die angrenzende Bundesstraße sei das jedoch keine Dauerlösung über einen längeren Zeitraum – ganz im Gegensatz zu dem auf dem Kleingartengelände hinter der Friedrichstädter Straße geplanten Asylbewerber-Camp. „Das Schrebergartengelände ist aufgrund seiner Größe und Lage ein guter Standort.“ Gilgenast betonte, dass die Kapazität des Rendsburger Erstaufnahmelagers mittelfristig auf bis zu 1200 Menschen erhöht wird. Das derzeitige Camp an der Büsumer Straße fasst maximal 560 Menschen.

 

Karte
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen