Besuch in der Stadtbücherei : Flüchtlinge lernen Deutsch mithilfe von Kinderbüchern

Reinhard Frank zeigt auf die Symbole im Bilderbuch. Die afghanischen Kinder sollen die entsprechenden Begriffe nennen.  xxxx
Reinhard Frank zeigt auf die Symbole im Bilderbuch. Die afghanischen Kinder sollen die entsprechenden Begriffe nennen. xxxx

Afghanische Kinder das erste Mal in einer Bücherei. Dort lernen sie die deutsche Sprache.

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30. Dezember 2014, 06:00 Uhr

Der 14-jährige Farshid (Name von der Redaktion geändert) schlendert die Regale in der Stadtbücherei entlang. Dann greift er nach einem Buch mit grünem Einband. Er hat ein Kinderbuch erwischt. Bilder von einem Rettungswagen, einer Farbpalette sowie einem Briefkasten sind auf der Seite abgebildet. Darunter stehen in Blockschrift die jeweiligen Bezeichnungen. Mit dem aufgeschlagenen Buch geht er zu Reinhard Frank von der Volkshochschule (VHS). Er zeigt auf die verschiedenen Symbole und versucht, die Wörter zu lesen, die unter den bunten Bildern stehen. Reinhard Frank korrigiert ihn bei seiner Aussprache, besonders die Umlaute machen dem Jungen aus Afghanistan zu schaffen.Farshid gehört zu der Alphabetisierungsgruppe, in der Flüchtlingskinder Lesen und Schreiben lernen. Zum Abschied hat Reinhard Frank mit sieben afghanischen Kindern einen Ausflug in die Stadtbücherei gemacht. Eineinhalb Jahre lang hat er die Kinder begleitet, für viele von ihnen war es der erste Besuch in einer Bücherei.

Die afghanischen Kinder im Alter von neun bis 14 Jahren zeigten sich begeistern über die vielen Bücher und schlenderten gut gelaunt durch die Räume im Kulturzentrum. „Dafür wären sie von den Taliban sofort erschossen worden“, sagt Reinhard Frank und spricht bestürzt über eine von vielen Schreckensnachrichten aus der Region. Vor zwei Wochen hatten Terroristen eine Schule in Pakistan gestürmt. Mehr als 140 Menschen kamen dabei ums Leben, darunter zahlreiche Kinder.

Als die Mitglieder der Alphabetisierungsgruppe nach Rendsburg gekommen sind, konnten sie kein Wort Schreiben oder Lesen. Und jetzt, nach nur eineinhalb Jahren, können einige von ihnen schon ganze Sätze vorlesen und sich verständigen. „Die Kinder sind hoch motiviert. Sie wollen Deutsch lernen“, sagt Maren Dickmann, die an der VHS Flüchtlingen und Migranten Deutsch beibringt. Für die Kinder sei es Luxus, Sprachkurse besuchen zu dürfen und alle Bücher einfach ausleihen zu können. Sie wollen alle so gut werden, dass sie an den Kursen für Deutsch als Zweitsprache teilnehmen können. Die VHS sucht ab sofort nach Lesepaten, die den Kindern beim Deutschlernen helfen möchten. Wer Interesse hat, sich zu beteiligen, meldet sich bei Maren Dickmann unter Tel. 04331/20880.

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