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Jobmesse : Flüchtlinge legen Karriere-Grundstein

vom
Aus der Redaktion der Landeszeitung

Die Arbeitsagentur wertet die erste Berufsmesse für Zuwanderer als Erfolg. Fünf Unternehmen stellen sich rund 70 Besuchern aus dem Kreis vor.

shz.de von
erstellt am 14.Okt.2015 | 13:06 Uhr

Berufsberatung mit Dolmetscher – das war auch für Jens Norden neu. Eine große Traube aus Interessenten hatte sich gestern um den Tisch des Wattenbeker Unternehmers auf der ersten Berufsmesse für junge Flüchtlinge gebildet, als er die Ausbildungsgänge für Konstruktionsmechaniker vorstellte. Rund 70 Zuwanderer folgten der Einladung des gemeinsamen Arbeitgeberservices der Agentur für Arbeit und des Jobcenters Rendsburg-Eckernförde zur Messe im Agenturgebäude am Gerhardsdamm in Rendsburg.

Neben Norden präsentierten vier weitere Vertreter ihre Unternehmen aus der Baubranche sowie dem Hotel- und Gaststättengewerbe, etwa das Seehotel Töpferhaus aus Alt Duvenstedt. Auch die Deutsche Post war dabei. Ursprünglich hatten sich zehn Firmen angemeldet. Dass nur die Hälfte kam, konnte sich der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Neumünster, Jens-Peter Stahl, nicht erklären. Schließlich handele es sich bei den jungen Flüchtlingen um die Fachkräfte von Übermorgen. Sie stellten ein großes Potenzial für den Arbeitsmarkt dar. Er betonte, dass zunächst die Sprachbarriere überwunden werden müsse. Das sei bei den Messe-Besuchern, die unter anderem aus Afghanistan, Syrien, dem Irak und Eritrea stammten, bereits weitgehend gelöst. Viele der Teilnehmer gestern besuchen an einem der Berufsbildungszentren im Kreis eine Berufseingangsklasse mit zusätzlichem Unterricht in Deutsch als Zweitsprache. „Die Qualifizierung der jungen Leute lohnt sich“, so Stahl.

Töpferhaus-Mitinhaber Arend Hesse war gestern auf der Suche nach Mitarbeitern für seinen Hotel- und Restaurantbetrieb, auch in der Küche. Denn auch er spürt den Fachkräftemangel. Zudem seien viele seiner bisherigen Bewerber nicht bereit, auch ungünstige Arbeitszeiten in Kauf zu nehmen. „In der Gastronomie ist eben erst Feierabend, wenn der letzte Gast gegangen ist“, sagte Hesse. Deshalb stehe er im engen Kontakt zur Arbeitsagentur und habe sich gern an der Messe beteiligt. Das Interesse sei bei den Flüchtlingen aber zunächst gering gewesen. Auf mehr Zuspruch traf Jens Norden. Er bietet in seinem Metallverarbeitungsbetrieb Henning Dierk Konstruktionsmechaniker-Lehrstellen in den Fachrichtungen Feinblech und Zerspanung an. Dazu hatten besonders viele junge Männer Fragen, die Norden geduldig beantwortete. Ergebnis: Vier Flüchtlinge wollen bei ihm ein Praktikum absolvieren. Darüber freute Norden sich, denn auch er hat das Problem, geeignete Fachkräfte zu finden. „Ich würde gerne Asylbewerber ausbilden“, sagte er. In seinem Betrieb arbeiten bereits ein Afghane seit drei Jahren und ein Syrer seit einem Jahr. „Ich habe sehr gute Erfahrungen mit ihnen gemacht. Sie sind sehr motiviert und haben ein ausgeprägtes technisches Verständnis.“ Als Nordens Ausführungen so sehr ins technische Detail gingen, reichten auch die Sprachkenntnisse der Flüchtlinge nicht mehr aus. Kurzerhand sprang Yahiya Jan aus Afghanistan ein. Obwohl er selbst auf Arbeitssuche zur Messe gekommen war, übersetzte er in persischer und englischer Sprache. Der 23-Jährige ist seit elf Monaten in Deutschland und lebt nun in Eckernförde. Von dort aus möchte er seinen Traumberuf als IT-Techniker verwirklichen. Zwei kurze Praktika in der Branche kann er bereits in den nächsten Wochen antreten. Dennoch schaute er sich auf der Messe nach weiteren Möglichkeiten um.

Jens-Peter Stahl wertete den Auftakt als Erfolg. „Wir wollen schnellstmöglich so weitermachen“, sagte er. Interessierte Arbeitgeber könnten sich jederzeit bei der Agentur melden.

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